Corona und die Impfdebatte

Warum sind alle so wütend?

34:37 Minuten
Illustration einer Frau mit Schutzmaske, die wütend die Hände iber den Kopf schlägt. Über ihrem Kopf schweben Corona-Viren.
Die scheinbar nicht endende Pandemie ist zum Verrücktwerden! © Getty Images / iStock / Viktoriia Ilina
Von Christine Watty und Johannnes Nichelmann · 25.11.2021
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Der Corona-Winter nimmt emotional Fahrt auf: Aus Genervtheit wird langsam Wut. Selbst das Fachpersonal verliert hier und da mal die Beherrschung. Was tun mit diesem Gefühlschaos? Wir sprechen mit dem Philosophie-Journalisten Nils Markwardt.
Eigentlich ist ja nicht verwunderlich, dass die Nerven vor dem nächsten Corona-Winter blank liegen: Schon wieder müssen Partys, Kulturerlebnisse oder Reisevergnügungen aus unseren Leben rausgedreht werden, als gäbe es nicht schon so lange eine Sehnsucht genau danach.
Zu beobachten ist aber jetzt, dass neben den bisher stoisch wiederholten wissenschaftlichen Begründungen für all das, den sanft und eindringlich vorgetragenen Angeboten fürs Impfen und den freundlichen Bitten ums Einhalten der AHA-Regeln, auf einmal ein anderer Tonfall auftaucht: Dieser ist härter und unmissverständlicher und teilweise sehr wütend.

Schluss mit Sanftheit?

Der RKI-Chef Lothar Wieler machte einen kleinen Anfang, als er einen später als Brand- oder Wutrede betitelten Vortrag hielt, in dem man ihm anmerken konnte, dass es jetzt mal reicht, denn: „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“.
Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – auf den sich selbst wegen diverser Impf-Irritationen einige Wut richtet – formuliert auch nicht mehr besonders geschmeidig, wenn er sagt, dass wohl nach diesem Winter die Menschen in Deutschland entweder genesen, geimpft oder gestorben seien. Wer es nicht kapiert, den müsse man mal „auf die Intensivstation zerren“. Auch gar nicht mal mehr so nett gesagt.

Streit und körperliche Angriffe

Parallel werden die Anti-Coronamaßnahmen-Demos krasser, inklusive heftiger Ausschreitungen, wie gerade in Rotterdam geschehen. Wer die 3G- oder 2G-Regeln kontrollieren muss, darf sich ebenso auf Wut einstellen und gefühlt – dafür haben wir keine empirische Grundlage – knallt es auch im privaten Bereich öfter. Begegnungen werden zu Nichtbegegnungen, Freundschaften enden, kollegiale Verhältnisse werden wegen der Impfstreitereien auf die Probe gestellt.

Die radikalisierte Gesellschaft?

Was passiert also gerade? Radikalisiert sich auf diese Art eine Gesellschaft (wenn es "die Gesellschaft" überhaupt je gab)? Oder Teile von ihr? Und wie kann man damit umgehen: Mit dem Fokus auf die diskussionsfreudigen Impfunwilligen, die von Ausgrenzung sprechen; mit dem Blick auf das, was nicht läuft; und mit der eigenen pochenden Halsschlagader, angesichts der Aussichtslosigkeit in manchen Situationen?

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Auch nicht ganz unwütend auszuhalten ist der Blick auf unseren Zustand zwischen Impfangebot, Talkshows und Diskussionsplätzen, von dem manche Länder nur träumen können, während man dort nämlich überhaupt erst auf Impfstoff wartet. Vielleicht macht das ja auch andere Länder wütend auf uns.
Wir gehen in all diesen Punkten in die Wutberatung bei Nils Markwardt, Redakteur des Philosophie-Magazins. Und im besten Fall verlassen wir das Studio des Kulturpodcasts am Ende ein bisschen ruhiger.
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