Seit 05:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 05.08.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Lesart | Beitrag vom 02.07.2020

Sommerbuch-Empfehlung #6Kluge Gedanken zum entkolonisierten Afrika

Von René Aguigah

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der Literaturredakteur René Aguigah steht vor einem Bücherregal und hält ein Buch in der Hand. (Deutschlandradio)
Das Neu- und Wiederlesen lohnt sich: René Aguigah empfiehlt Achille Mbembe. (Deutschlandradio)

Achille Mbembe geriet ins Zentrum einer Debatte um Israelkritik und angeblichen Antisemitismus. Literaturredakteur René Aguigah empfiehlt, den südafrikanischen Philosophen in seinem Buch "Ausgang aus der langen Nacht" losgelöst davon zu entdecken.

Ein Buch zum Erstmals-, Wieder- oder Neulesen: "Ausgang aus der langen Nacht. Versuche über ein entkolonisiertes Afrika" von Achille Mbembe. Im Frühling ist der Autor, weltweit gefragter Philosoph und Historiker mit Lebensmittelpunkt in Südafrika, Gegenstand eines eigenwilligen Streits in Deutschland gewesen: Ihm war vorgeworfen worden, bestimmte Passagen seines umfassenden Werks seien als antisemitisch zu bewerten.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter "Weekender". Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

In diesem Buch, 2010 im französischen Original erschienen, spielen Israel oder das Judentum keine Rolle. Die sechs Essays dieses Bandes kreisen um Afrika, um die Hinterlassenschaften und das Fortwirken des Kolonialismus, um die andauernden Verstrickungen mit der Kolonialmacht Frankreich, um soziale Konflikte oder Geschlechterkämpfe – und um den Begriff "Afropolitanismus".

Ein Begriff, der markant klingt, sich allerdings besser umschreiben lässt als auf den Punkt bringen. Mbembe meint damit die Erfahrung, auf dem afrikanischen Kontinent und woanders zu sein, in der Diaspora - ein "In-der-Welt-sein", das "Wurzeln" und ursprüngliche Zugehörigkeiten relativiert, die "Fähigkeit, sich im Gesicht des Fremden wiederzuerkennen".

Achille Mbembe: "Ausgang aus der langen Nacht. Versuche über ein entkolonisiertes Afrika"
Aus dem Französischen übersetzt von Christine Pries
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
302 Seiten, 28 Euro


Der Sommerurlaub sieht in diesem Jahr oft anders aus als gewohnt. Aber ein gutes Buch gehört für viele dazu. Zur Inspiration präsentieren wir Ihnen seit dem 24. Juni 2020 in unserer Sommerbücher-Serie persönliche Empfehlungen der "Lesart"-Redaktion für diese Zeit, die für viele die schönste des Jahres ist. In zehn Folgen ist vom Thriller bis zum Abenteuerroman alles dabei.

Die bisherigen Empfehlungen: 

Vertrackte Fälle und komplexe Psychologie im Krimi "Grabesgrün von Tana French

"Whisper Network" von Chandler Baker – ein Thriller mit MeToo-Appell

Laufen und Lesen mit dem Roman "Die Wahrheit" ist von Eshkol Nevo

Schwelgen in Dumas "Wörterbuch der Kochkünste"

Den Geist entrümpeln mit "Vier Räder, Küche, Bad"

Mehr zum Thema

Antikolonialismus und Antizionismus - Umstrittene Denkmuster in der 68er-Linken
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 10.06.2020)

Debatte um Achille Mbembe - Konflikt der Erinnerungskulturen
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 19.05.2020)

Lesart

Schreibende über ihre SehnsuchtsorteMein Arkadien
Eine lesende Frau in einer Hängematte. (Gettyimages / Guido Mieth)

In der Hängematte im Garten der Großmutter oder in der Stille der Teehäuser in Kyoto. Schriftstellerin Judith Hermann, Bachmann-Preisträgerin Helga Schubert oder Schauspieler Matthias Brandt erzählen von ihren Orten der Sehnsucht.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur