Ausbau der Berliner Autobahn A100

„Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“

07:58 Minuten
Eine Baustelle in Berlin: Viel Beton und eine graue Mauer. An dieser Stelle soll die Stadtautobahn A100 weitergebaut werden.
Keine schönen Aussichten: Wenn es nach der Bundesregierung geht, soll die Berliner Stadtautobahn weitergebaut werden. © picture alliance / Bildagentur-online/Schoening
Sophia Becker im Gespräch mit Axel Rahmlow · 30.03.2022
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Mehr Fahrrad, mehr ÖPNV – der Berliner Senat hat sich dafür ein Mobilitätsgesetz gegeben. Die Bundesregierung durchkreuzt nun diese Pläne und setzt auf den Ausbau der Autobahn A100. Keine gute Idee, findet die Nachhaltigkeitsforscherin Sophia Becker.
Das Land Berlin will eigentlich eine nachhaltige Verkehrspolitik voranbringen. Doch die Bundesregierung hat andere Pläne. So hat nun das Verkehrsministerium unter Führung von Volker Wissing (FDP) die Ausschreibung für einen weiteren Streckenabschnitt der Stadtautobahn A100 in die Wege geleitet.

Rückbau des Pkw-Verkehrs

Bei der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sorgt diese Entscheidung für Irritation. Und auch Sophia Becker, Professorin für Nachhaltige Mobilität an der TU Berlin, kann an der Entscheidung nichts Gutes finden.
Für Becker steht fest, dass, wenn die Verkehrswende ernst gemeint sei, die Menschen nicht länger ins Auto gezwungen werden dürften. Sie merkt dazu an: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten.“ Eine vermeintliche Entlastung in anderen Stadtgebieten gehe auf die Menschen, die in der Umgebung der geplanten Autobahn lebten.
Die Wissenschaftlerin verweist auch darauf, dass, wenn die autogerechte Infrastruktur zurückgebaut werde, dies zu weniger Pkw-Verkehr führe. Die Zivilgesellschaft und viele Kommunen seien – was Klimaschutz und Nachhaltigkeit betreffe – der Bundesregierung voraus.

Andere Logistik

Und was den Güterverkehr in der Stadt angeht, so sieht die Nachhaltigkeitsforscherin andere Möglichkeiten, um die Innenstädte zu entlasten. Moderne Konzepte würden etwa vorsehen, dass es in den Außenbereichen Logistikknotenpunkte gebe, von denen aus Güter auf kleine Transporter oder Lastenräder umgeladen werden, erläutert Becker.
Letztlich sei dies aber – ebenso wie generell die Frage nach einer nachhaltigen und klimagerechteren Mobilität – eine Frage der Prioritätensetzung. Soll es um den Güterverkehr gehen oder solle den Menschen die Wahl gelassen werden, welches Verkehrsmittel sie nutzen wollen.

Ausbau des ÖPNV

Verbunden sei dies zudem mit den Fragen nach Lebensqualität und bezahlbaren Wohnungen. Am Beispiel der A100 zeige sich, dass zum einen Grundstücke für den Straßenbau genutzt werden und dass zum anderen Flächen versiegelt werden.
Eine Herausforderung dabei sei der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Zwar sei dieser in Berlin schon gut, doch noch nicht gut genug, so Becker. Sie verweist darauf, dass die Mittel, die nun in die A100 fließen, besser in den ÖPNV investiert wären. Dies sei nicht zuletzt angesichts der geopolitischen Lage und der Herausforderung, unabhängiger von Energieimporten zu werden, angebracht.
(rzr)

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