Weimarer Erklärung

Bekenntnis gegen rechte Umtriebe

08:22 Minuten
Menschen stehen auf dem Theaterplatz in Weimar mit einem Pappschild der Weimarer Erklärung
Die Unterzeichner der Weimarer Erklärung sprechen sich für ein solidarisches Miteinander in der Pandemie und gegen die rechtsextreme Unterwanderung der Proteste aus. © picture alliance/dpa/Martin Schutt
Eric Wrasse im Gespräch mit Vladimir Balzer · 25.01.2022
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Mit der Weimarer Erklärung wenden sich Kultur-, Bildungs- und Forschungsinstitutionen der Stadt gegen die radikalisierten Corona-Proteste. Doch den Aufruf trügen nicht alle Parteien gleichermaßen mit, sagt Initiator Eric Wrasse.
Nach Hassmails und Hassanrufen gegen die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar haben sich Kulturinstitutionen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen der Stadt solidarisch mit den Mitarbeitenden der Gedenkstätte erklärt. In der Weimarer Erklärung wenden sie sich gegen die von Rechtsextremen unterwanderten Corona-Proteste und die Gleichsetzung von Corona-Schutzmaßnahmen mit dem Nationalsozialismus.

Position gegen rechtsextreme Angriffe beziehen

Man habe Farbe bekennen wollen, sagt Mitinitiator Eric Wrasse, pädagogischer Leiter der europäischen Jugendbegegnungsstätte Weimar. „Wir haben gesagt, die schweigende Mitte, zu der auch wir gehören, die muss auch Position beziehen – und das wollen wir mit dieser Erklärung tun.“ Man wolle bereichsübergreifend Solidarität demonstrieren, zeigen, dass man wahrnehme, dass andere im Rampenlicht stünden und Angriffen ausgesetzt seien. „Dass das aber nicht bedeutet, dass wir dann damit nichts zu tun haben und uns das egal ist.“
Zuerst formierten sich in Weimar junge Menschen gegen die radikalisierten Corona-Proteste, berichtet Wrasse: Studierende der Stadt und in antifaschistischen Bewegungen organisierte Menschen.
Dies decke sich auch mit seinen Erfahrungen als Leiter der Jugendbegegnungsstätte: Junge Menschen hätten ein großes Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Die Eindrücke durch den Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald setzten viele mit der Diskriminierung von Minderheiten in ihrem Alltag in Verbindung. „Sie ziehen da durchaus Konsequenzen auch für ihr Leben oder für das Leben, das sie führen möchten.“

Laut einer aktuellen Studie der Arolsen Archives interessiert sich die Generation der 16- bis 25-Jährigen deutlich mehr für die NS-Zeit als die Generation ihrer Eltern. Das berichtet Ludger Fittkau . Die Studie mit mehr als 1000 Befragten beider Altersgruppen hat ergeben, dass die jüngere Generation keine persönliche Schuld empfindet und frei an das Thema Nationalsozialismus herangeht.

Zudem entdeckt die junge Altersgruppe in der monströsen NS-Zeit mit ihrer Dominanzkultur ein gesellschaftliches Gegenbild zum eigenem Alltag mit scheinbar unbegrenzten Wahlmöglichkeiten. Rund die Hälfte der 16- bis 25-Jährigen hat ein großes Interesse an Originalquellen, um sich ein eigenes Bild von der NS-Zeit machen zu können.

Instrumentalisierung der Coronakrise

Viele Politiker der Grünen, der Linken und der SPD haben die Weimarer Erklärung unterzeichnet, sagt Wrasse. Er wünscht sich aber noch mehr Unterstützung durch die FDP und die CDU. „Das sollte jeder Demokrat unterschreiben können.“
Die Weimarer Erklärung kritisiert die Instrumentalisierung der Coronapandemie für demokratiefeindliche Zwecke. Wrasse sagt, es sei ein klares Schema der Rechtsextremen, zu der auch die AfD in Thüringen gehöre, „die Krise herbeizureden, um aus einer krisenhaften Situation dann für sich selber Profit zu schlagen und im Grunde genommen den Staat zu unterwandern.“
(mle)

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