Corona-Proteste in Greiz

Mit Friedensliedern gegen Gewalt

07:55 Minuten
Nahaufnahme einer Posaune in der sich ein Weihnachtsbaum spiegelt.
Mit Musik ein Zeichen gegen Gewalt setzen: Das will die Stadt Greiz in Thüringen. © picture alliance / dpa / Bodo Schackow
Martina Högger im Gespräch mit Nana Brink · 17.12.2021
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In der thüringischen Stadt Greiz protestierten vor einer Woche tausend Menschen gegen die Corona-Maßnahmen, rund ein Dutzend Polizisten wurde verletzt. Nun wollen Vereine und Unternehmenein Zeichen setzen für mehr Zusammenhalt – mit Musik.
In Greiz in Ostthüringen wollen am Samstag mehr als 50 Vereine, Unternehmen und Institutionen ein Zeichen setzen für mehr Zusammenhalt und Respekt. Eine halbe Stunde lang klingen darum am Abend Lieder wie „Stille Nacht“ vom Dach der Vogtlandhalle.
„Wir haben uns entschieden, dass Musik das ausdrückt, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Das Zitat stammt von Victor Hugo, erklärt Martina Högger. Sie ist Mitkoordinatorin der Veranstaltung.
Aus ihrer Sicht soll die Aktion all denen in der Stadt eine Stimme geben, die vor einer Woche ohnmächtig und mit Bedauern erlebt haben, wie tausend Menschen durch die Greizer Straßen zogen und lautstark gegen die Corona-Schutzmaßnahmen protestierten.

Verletzte Polizisten

Bei den Krawallen waren 14 Polizisten verletzt worden. „Es ist Hilflosigkeit, es ist Fassungslosigkeit, es ist das blanke Entsetzen. Wenn man die Bilder sieht, dann ist man einfach nur sprachlos“, sagt Högger.
Polizeibeamte und Teilnehmer eines sogenannten "Spazierganges gegen Corona-Maßnahmen" stehen sich gegenüber.
Proteste in Greiz: „Es ist Hilflosigkeit, es ist Fassungslosigkeit, es ist das blanke Entsetzen."© picture alliance / dpa-Zentralbild / Bodo Schackow
Die Mehrheit der Greizer gehe am Samstag nicht mehr in die Stadt, weil dann die Protestler unterwegs seien. Das Weihnachtsmärchen, das jedes Jahr in der Vogtlandhalle stattfindet, sei um einen Tag verschoben worden.
Einen anständigen Umgang miteinander, das wünschten sich die meisten Greizer, glaubt Martina Högger. „Es fühlen sich viele bedroht. Die sagen, ich möchte nicht Öl ins Feuer gießen. Ich will auch nicht über die (Protestierenden) schimpfen, aber man muss doch uns auch mal zuhören. Wir sind doch auch wer und wir sind die Mehrheit.“

Musik und die Hoffnung auf Ruhe

Und daher erklingen an diesem Samstagabend neben Corona-Protesten über den Dächern der Stadt auch Friedenslieder. Musik verbinde und bringe hoffentlich wieder ein bisschen Ruhe in die Stadt, hofft Högger. Denn es sei wichtig, dass die Menschen in Greiz auch nach der Pandemie wieder miteinander auskämen. „Wenn die Pandemie vorbei ist, wie gucken wir uns denn dann in die Augen?“

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