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Fazit | Beitrag vom 15.09.2021

Umbenennung von BildernKunstwerke im Diskriminierungscheck

Marion Ackermann im Gespräch mit Marietta Schwarz

Die Figur eines reitenden osmanischen Paschas auf einer Automatenuhr aus dem 17. Jahrhundert als Ausstellungsstück in einem Museum. (imago / Sylvio Dittrich)
Darf man Kunstwerke umbenennen, weil ihre Titel diskriminierende Begriffe enthalten? Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben die Debatte neu befeuert. (imago / Sylvio Dittrich)

In vielen Titeln von Kunstwerken spiegelt sich historisch tradierter Rassismus. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben deswegen 143 Objekte aus ihrem Bestand umbenannt. Die alten Titel bleiben trotzdem, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben ihren Bestand einem Diskriminierungscheck unterzogen. Als Konsequenz wurden nun Titel von 120 Werken zum Teil komplett verändert und bei 23 weiteren Werken kleinere Veränderungen vorgenommen. Denn die alten Titel enthielten diskriminierende oder gar rassistische Begriffe.

Die "Zigeunermadonna" heißt beispielsweise nun "Madonna mit stehendem Kind". Der "Studienkopf eines jungen Mannes" hieß vorher "Kopf eines Negerknaben" und das "Porträt eines dunkelhäutigen Sklaven" heißt nun "Porträt eines Sklaven". Generaldirektorin Marion Ackermann muss sich nun gegen Cancel Culture-Vorwürfe wehren.

"Es geht um Werke, die keine von Künstlerinnen oder Künstlern vergebenen Originaltitel tragen, sondern deren Titel von denen festgelegt wurden, die die Werke beschrieben haben, also oft Museums- oder Sammlungsmitarbeiter", sagt Ackermann. 

Alte Titel verbleiben in der Datenbank

Viele solcher Werke seien schon öfter umbenannt worden. "Wir haben eine Liste mit 90.000 Werken, die ganz viele Titel haben." Es handle sich um ein Forschungsprojekt der eigenen Datenbank und einen kontinuierlichen Prozess, bei dem die gesamte Geschichte der Titelgebung erhalten bleibe, damit sie von Forscherinnen und Forschern auch gefunden werden können, sagt Ackermann.

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Das ganze beziehe sich vorerst nur auf die Online-Datenbank und die Recherche darin. "Da haben wir die Möglichkeit, einen sehr demokratischen Zugriff zu erlauben. Wenn man von außen kommt, kann man wählen, welche Titel man sich anzeigen lassen möchte."

Bei extremen Fällen mit diskriminierenden Begriffen seien Tabuworte mit Sternchen ersetzt worden. Wer auf die Sternchen klicke, könne sich das Originalwort dann trotzdem noch anzeigen lassen. Da gehe es um Begriffe wie "Bastard", "Mischling", "Viertelblut" oder "Hottentotten", erklärt Ackermann.

Manipulative und falsche Vorwürfe

Bei Originaltiteln, die von den Künstlerinnen und Künstlern gewählt wurden, werde damit anders umgegangen. "Bei den 'Brücke'-Künstlern sind beispielsweise Titel verwendet worden, die man heute so nicht mehr verwenden würde. Da würde man die Originaltitel lediglich kennzeichnen und dann mit einem Kommentar versehen." 

Den Vorwurf der Bilderstürmerei, der von der AfD erhoben wurde, weist Ackermann zurück:

"Das ist extrem manipulativ und falsch. Es entspricht überhaupt nicht den Tatsachen. Wir bieten in der Datenbank verschiedene Möglichkeiten. Aber wir lassen den alten Titel ja auch noch verfügbar. Es ist also keine Tilgung und keine Cancel Culture, sondern wir machen einen neuen Vorschlag."

Eine öffentliche Debatte anstoßen

Dass es dennoch ein Unbehagen auch von anderen Teilen der Gesellschaft gebe, kann Ackermann verstehen. Manche Versuche, durch Sprache inklusiver zu sein und gesellschaftliche Veränderungen zu spiegeln, seien übertrieben worden und hätten viele Menschen abgestoßen. 

"Da muss man einen guten Weg finden, damit man Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mit einschließt. Wir stehen als öffentliche Institution in der Mitte dieser gesellschaftlichen Bewegungen und müssen einen Weg finden, diese Zerrissenheit der Gesellschaft und die Vielstimmigkeit umzusetzen und Angebote zu machen für die Menschen."

Wie man mit Fragen der Umbenennung weiter verfahre, kann sich Ackermann als Teil einer öffentlichen Diskussion vorstellen.

"Ich habe mir überlegt, eine Art Bürgersprechstunde für unsere Forschungsabteilung einzurichten, damit die Menschen gerade nach dieser Debatte die Möglichkeit bekommen können, Einblick zu nehmen, wie hier entschieden und gearbeitet wird."

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