Luxus-Satire "The White Lotus"

Superreiche im Urlaubsstress

05:34 Minuten
Jennifer Coolidge und Sydney Sweeney in einer Strandszene von "The White Lotus."
Jennifer Coolidge und Sydney Sweeney in "The White Lotus": Jedes Wort macht mehr kaputt. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Uncredited
Von Stefan Mesch · 13.09.2022
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Die Miniserie "The White Lotus" ist der große Gewinner der diesjährigen Emmy Awards. Die Satire über ein Luxus-Resort auf Hawaii nimmt die Reichen aufs Korn und bietet jede Menge Fremdschäm-Potenzial.
Tanya hat sechs Tage Zeit, ihre Mutter loszulassen: Sie reist nach Hawaii, in ein Hotel der "White Lotus"-Kette, betrinkt sich und weint vor Gästen, vor Hotelpersonal und im Spa. Getröstet und beraten wird Tanya oft von den Ärmsten im Hotel.
Denn wer genug Geld hat, geht der Alkoholikerin und dem Gerede über Einsamkeit aus dem Weg: Wo soll Tanya die Asche der toten Mutter verstreuen? Kann Tanya geliebt werden, oder erkauft sie sich im Hotel nur die Geduld und Lebenszeit von Ärmeren?

Harmlose Wortwechsel enden in Verletzungen

In sechs einstündigen Folgen führt die Satire "The White Lotus" zehn Menschen im Hotel vor. Jemand wird sterben, zeigt ein Vorgriff in Folge eins. Doch schon die harmlosesten Wortwechsel am Strand oder beim Abendessen enden in Verletzungen: Alle sagen einander das Falsche oder Gemeinste.
Jeder Vorschlag und jedes Wort macht mehr kaputt. Mike White ("Dawson's Creek"), der Regie führte und alle sechs Folgen schrieb, zeigt in simplen, meist unerträglichen Szenen voller Peinlichkeiten, was sich Familien, Liebespaare und Menschen, die im Service arbeiten, auf keinen Fall laut sagen sollten.

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Ein Zimmer im realen Hotel auf Maui kostet 2000 Dollar pro Nacht. Die Presidential Suite, die in der Serie als etwas kleinere Suite für ein Ehepaar und drei Jugendliche gezeigt wird, kostet 26.000 Dollar. "The White Lotus" zeigt, wie sich Geld und die Optionen, die Menschen je nach Budget und Klasse haben, in jedem Gespräch und jeder Beziehung brutal niederschlagen. Über Hawaii lernt man dabei wenig, weil indigene Figuren nur kleine Parts am Rand spielen und von zehn Hauptrollen acht weiß sind.
Reichtum, zeigt die Serie, stresst. Reiche Menschen stressen sich und alle Menschen, die Geld brauchen und ihnen darum dienen. Ein Allgemeinplatz als zentrale Idee einer soliden, gut gemeinten Satire.

Unter Pandemiebedingungen gedreht

2011 war Mike White Schöpfer der HBO-Dramedy "Enlightened". Dort entdeckt Laura Dern als kinderlose Karrierefrau Achtsamkeit, Umweltschutz und soziale Kämpfe für sich, doch geht allen nur auf die Nerven.
"The White Lotus" schrieb White im August 2020, weil der Premium-Sender HBO nach schnellen Projekten suchte, die sich auch unter Pandemie-Bedingungen drehen lassen: Das Four Seasons-Hotel auf Maui blieb 2020 für sieben Monate geschlossen. Für zehn Wochen Ende 2020 lebten und filmten White und das Team selbstisoliert im Gebäude. Erst gegen Ende der Drehzeit erlaubte Hawaii auch wieder Hotelbetrieb und Tourismus.
"The White Lotus" wurde im Herbst 2021 zum Erfolg vor allem beim weißen, bürgerlichen Publikum. Weil die Figuren griffig sind und die vielen Flops, Eskalationen und Enttäuschungen im Hotel markant, aber fast nie plakativ. Eine Fremdschäm-Serie wie eine klamauk-freie Premiumversion von Hape Kerkelings "Club Las Piranjas" (1995).
Für Regie und Drehbuch gewann White den Emmy Award 2022. Auch Murray Bartlett als schwuler, nervöser Hotel-Manager wurde ausgezeichnet sowie Jennifer Coolidge ("American Pie") als Tanya. Mit insgesamt zehn Awards holte bisher keine Comedyserie mehr Emmys im selben Jahr. Eine zweite Staffel im Herbst 2022 wird Tanya in einem White-Lotus-Hotel auf Sizilien zeigen.

"The White Lotus" ist bei Sky bzw. Wow zu sehen.

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