TV-Serie "Made for Love"

Eine toxische Beziehung namens Kapitalismus

04:58 Minuten
Cristin Milioti mit blutverschmiertem Gesicht
Hazel Green (Cristin Milioti) flieht aus einer toxischen Beziehung. Oder versucht es zumindest. © RTL
Von Stefan Mesch · 22.08.2022
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Hazel lebt mit einem Milliardär zusammen - bis sie beschließt, aus dem Goldenen Käfig zu fliehen. Die hochgradig unterhaltsame Serie "Made for Love" ist auch eine Parodie auf Tech-Könige wie Elon Musk.
Fast zehn Jahre lang ist Hazel mit Byron Gogol verheiratet, einem Technik-Milliardär, der menschliches Bewusstsein digitalisieren will. Dann flieht die College-Abbrecherin aus dem goldenen Käfig heim in den Wohncontainer ihres verwitweten Vaters.
Doch wie die feministische Serie "Made for Love" in ihren 16 Folgen zeigt: Männer wir Byron lassen nicht los. Der wohl mächtigste Mann der Welt will Hazel mit allen Mitteln spiegeln, was vielen Leuten, die vor Partnerschaftsgewalt flüchten, suggeriert wird: "Ohne mich bist du gar nichts."

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Wer eine schwungvolle Satire sucht, die sich über Elon Musks Selbstinszenierung lustig macht, über die Arbeitskultur im Silicon Valley und über "disruptives" Fortschrittsdenken, das über Leichen geht, hat besonders in der zweiten Staffel viel Spaß. Diese acht Folgen zeigen, wie Byron Gogol mit seinen Verwandten und der Belegschaft umgeht - und wie schnell Reichtum zwei Menschen jede Grundlage raubt, sich auf Augenhöhe zu begegnen. Ein tempo- und ideenreicher Katz- und Maus-Krieg, von Cristin Milioti ("How I Met Your Mother") und Billy Magnussen ("Maniac") preiswürdig gespielt.

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Die erste Staffel spricht ein breiteres Publikum an: Als Hazel die virtuelle Villa und die Labors von Byron verlässt und Hilfe sucht, sorgen Byrons obszöner Reichtum und sein Glaube, alle Welt überwachen zu dürfen, zwar für viele dystopische Momente - doch die Geschichte wirkt eher wie ein Gleichnis oder eine Parabel: Es sind Personen, die Kontrolle wünschen, die Gewalt in Beziehungen ausüben. Byron hat zwar größere Mittel, diese Kontrolle zu kaufen, aber die erste Staffel zeigt grandios grundsätzlich, wie tief solche Gewalt wirkt - nicht nur bei Superreichen.

Die Serie ist besser als der Roman

Als Grundlage dient der gelobten, doch recht unbekannten Serie Alissa Nuttings Roman "Made for Love" (2017, nicht auf Deutsch erschienen). Das alberne, freudlose und meist eindimensionale Buch zeigt eine resignierte Hazel, die sich stets unter Wert verkauft und vor lauter Selbsthass nicht vom Fleck kommt.
Die Serien-Hazel dagegen ist emanzipiert, wehrhaft, brutal ehrlich und besonders die Szenen mit Hazels apathischem Vater (Ray Romano, "Alle lieben Raymond") und seiner Freundin, der stummen Plastik-Sexpuppe Diane, machen Spaß. Auch ein Delfin, der sich in einen Geheimagenten verliebt, ein Flirt-Hologramm der Sängerin Paula Abdul und zwei ins Digitale kopierte Persönlichkeiten, die sich in fremde, menschliche Körper laden, spielen überraschend rührende Rollen.
Die Autorin Nutting, die zusammen mit Patrik Somerville ("The Leftovers", "Station Eleven") die Serie leitet, hatte schon viele kleine, erste Ideen für Fortsetzungen in der zweiten Staffel angelegt. Daraus wurde nichts: "Made for Love" wurde im Juni 2022 abgesetzt. Das liegt allerdings am Börsengang und Sparzwang des Bezahl-Portals HBO Max, nicht an der Qualität der Serie.

Gewaltsame Beziehung zur Technik

Unterhaltsam, doch mit vollem Ernst fragt diese packende, schmerzhafte Serie, worin sich Kontrolle in Partnerschaften ("Coercive Control") und Kontrolle durch digitale Überwachung ähneln - und wie das Weltbild und die Alleingänge von Männern wie Elon Musk uns alle in eine gewaltsame Beziehung zur Technik zwingen.
"Jeden Morgen wache ich auf der falschen Seite des Kapitalismus auf", hat jemand auf eine Hauswand in dem von Dürre und Klimawandel gezeichnetem kalifornischen Kaff gesprüht, in dem Hazel lebt. Kapitalismus, das zeigt "Made for Love", ist eine gewaltvolle Beziehung, aus der niemand entkommen kann.

"Made for Love"
Zwei Staffeln à acht Folgen
die erste Staffel auf RTL+ Premium

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