Sprachblüten im Wahlkampf

    Neues aus Bullerbü: Viel reden und wenig sagen?

    44:07 Minuten
    Zuschauerinnen filmen mit dem Smartphone eine Leinwand, auf der das TV-Triell der drei Kanzlerkandidaten übertragen wird.
    Schon der Begriff "Triell" zeigt, wie die Sprache im Bundestagswahlkampf Blüten schlägt. © AFP / John MacDougall
    Von Emily Thomey und Christine Watty · 16.09.2021
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    Interviews und Wahlkampfrunden ohne Ende: Politiker und Politikerinnen müssen alles geben vor der Wahl. Aber sagen sie bei all dem Reden eigentlich noch was? Wir fragen den Politik-Journalisten Ulrich Schulte und die Lyrikerin Miedya Mahmod.
    Es hat ja schon mit dem "Triell" angefangen: Ein Begriff, der vor allem zur Beschreibung der Wahlkampfrunden der beiden Kanzlerkandidaten und der Kanzlerkandidatin wurde. Ziel dieser Runden ist es bekanntlich, der Zuschauerschaft eine Antwort auf die Frage zu geben: Wer kann denn nun Kanzler oder Kanzlerin? Auch so eine Formulierung aus dem Wahlkampf, die nicht wenigen ob ihrer Unschönheit zu den Ohren raushängt - was soll das überhaupt heißen: Kanzler können?

    Bullerbü oder Ponyhof?

    Letztere Formulierung stammt eher aus der Journalistenblase, die wiederum auch mitgeholfen hat, den Begriff "Bullerbü", gerne eingesetzt von FDP-Chef Christian Lindner, in die Headlines zu heben. "Bullerbü" soll wohl so was wie "Ponyhof" sein, irgendein schöner Ort, wo alles in Ordnung und anstrengungslos ist. Aber wieso denn eigentlich Bullerbü? Und: Kann man jetzt alle Worte noch schnell verkanzlern? Selbst zum Hashtag #kannslerin kam es dieser Tage irgendwo auf Twitter!

    Wahlprogramme als Literatur?

    Wir sprechen ganz überparteilich, dafür detailverliebt mit unseren Gästen über die Schwierigkeiten der Sprache im Wahlkampf – wenn es darum geht, viel zu sagen, aber sich hinterher auf nur weniges festlegen lassen zu wollen.
    Wie ist das für den Parlamentsbüro-Chef der taz, Ulrich Schulte, wenn er Gespräche, Interviews und Wahlkampfrunden in Texte übersetzen muss, die der Leserschaft eben doch irgendwas sagen sollen? Und was sagt die (Twitter)Lyrikerin Miedya Mahmod zu all dem, die sich auf der Suche nach Erkenntnis und vielleicht auch sprachlich schönen Momenten gleich drei Wahlprogramme durchgelesen hat – hört sie der Politiksprache gern zu? Auf mit uns ins Wahlkampf-Bullerbü der Ehrlichkeit, der Veränderung, des Aufbruchs und des Sachverstands, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
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