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Länderreport | Beitrag vom 29.07.2019

Schloss Lütetsburg in FrieslandVom Altar der Gesundheit zum Tempel der Freundschaft

Von Felicitas Boeselager

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Schloss Lütetsburg zwischen Bäumen und blauem Himmel. (picture alliance/G. Franz)
Gründe Idylle: Schloss Lütetsburg bei Norden in Friesland. (picture alliance/G. Franz)

Das Wasserschloss Lütetsburg in der Nähe der ostfriesischen Stadt Norden hat eine lange Geschichte. Mehrfach wurde es umgebaut. Der Landschaftsgarten ist eine Idylle, in der es viel zu entdecken gibt.

Wer durch die Esskastanienallee tiefer in den Landschaftsgarten von Schloss Lütetsburg geht, betritt eine andere Welt. Rechts und links der Allee fließen kleine Kanäle, in einem Tümpel spiegelt sich das Grün der Kastanien und Rhododendren. Hier hat Lea Bauer ihren Arbeitsplatz, sie ist seit knapp einem Jahr die Parkmeisterin des Schlossgartens:

"Das ist ja auch mein großes Glück, dass ich den Park auch sehen kann, wenn keine Besucher da sind. Morgens ganz früh, das ist für mich am schönsten, wenn noch keine Besucher da sind, wenn dann noch ein bisschen Tau auf der Wiese ist, oder Frost. Und dann sieht man auch noch ganz viele Tiere, die man tagsüber alle nicht hat. Das ist für mich die schönste Zeit, dann hat man wirklich diese Ruhe und kann das wirklich ganz für sich genießen. Da haben wir schon ein Privileg."

Zwei Mal abgebrannt

Seit Ende des 18. Jahrhunderts gibt es mitten in Ostfriesland, nicht weit von der Stadt Norden, diesen Landschaftsgarten. Das zugehörige Schloss Lütetsburg hat sich in der Zwischenzeit sehr verändert, ist zwei Mal abgebrannt und nun ein Schloss aus dem 1960er-Jahren. Trotzdem versteht man als Besucher des Parks sofort die Zeilen, die Theodor Fontane 1882 nach einem Besuch der Schlossanlage aufschrieb: "Ein uraltes Schloss am Meeresrand, ein herrlicher Park im baumlosen Land. (…) Viel Gottessegen, wie seltenste Arten, die Bäume gedeihen trotz des Nordwinds im Garten."

Auf dem Schloss lebt die Familie zu Knyphausen. Tido Graf zu Knyphausen ist ein Nachfahre des Parkbegründers Edzard Mauritz zu Knyphausen: "Das war zu einer Zeit, wo die Romantik begann und die Leute so ein bisschen Abstand von dem Geordneten genommen haben. Darüber hinaus war die Gartenanlage, die damals noch als Barockanlage bestand, da auch in einem sehr schlechten Zustand, wenn man das so den familiären Aufzeichnungen entnehmen kann. Und er hat einfach gesagt, ich suche was anderes, ich suche was dem Zeitgeist entsprechendes und ich will einfach einen schönen Ort schaffen für mich und meine Familie, aber auch für die Bewohner hier vor Ort."

Edzard Mauritz zu Knyphausen hieß der Gründer des Parks, und seine Spuren sind bis heute sichtbar. "Das ist die Carolineninsel, die hat der Parkbegründer Edzard Mauritz anlegen lassen, für seine Lieblingstochter, die leider schon sehr früh verstorben ist. Ich meine mit 17 Jahren. Und dann eben diese Eiche, die seine Trauer ausdrücken soll. Ich habe die Eiche noch nie mit Laub gesehen, aber vor ungefähr fünf, sechs Jahren, hat sie noch Laub getragen."

Carolineninsel mit Eiche am Schloss Lütetsburg (Deutschlandradio/Felicitas Boeselager)Carolineninsel mit Eiche (Deutschlandradio/Felicitas Boeselager)
Von der Carolineninsel beugt sich eine tote, seltsam gewachsene Eiche über das Wasser. Auf der wild bewachsenen Insel steht ein Denkmal für Caroline, auf jeder Seite zwischen weißen Marmorblüten ihre besten Eigenschaften: "Unschuld und Tugend" "Schönheit und Anmut", "Güte und Liebe" "Jugend und Freude." 

Vorbei an gerade verblühten Rhododendren und Azaleen geht es weiter in den Südteil des Parks, immer wieder öffnen sich neue Sichtachsen. Über eine Brücke mit weißem Geländer gelangt man zum so genannten Theda-Blick und schaut hinaus in die Weite. Und am südlichsten Punkt des Parks sieht man den Forst, und "man kann hier eben bis zum Schloss schauen, das ist hier die Hauptsichtachse von Norden nach Süden. Das war der gräflichen Familie immer sehr wichtig, dass sie von der Terrasse vom Schloss das Weiße der Südpforte sehen können."

Natur und Tugend führen zu Gott

Wenige Schritte weiter führt ein schmaler Pfad zu einer Höhle in den Rhododendron-Büschen. "Wir können dann einmal das Ganze von innen begucken, einmal so ein Rund-Pfad durch die Rhododendren, da sieht man, wie die sich ineinander verzweigen. Das sind alles so einzelne Sträucher und hier links hat man dann das Wasser." - "Hier das sieht ja aus wie bei Mangroven." - "Ja, die hängen hier ins Wasser."

Und wieder nur ein paar Kurven weiter steht der Besucher vor einer riesigen Eiche: "Da hat der Waldkauz seine Höhle und da schaut er von da oben auf einen herab, also das sieht schon schön aus, wenn man hier unten steht. Er bemerkt ja dann auch, dass man hier unten steht, dann dreht er seinen Kopf, schaut nach unten, macht die Augen auf, aber er ist relativ gelangweilt von den Menschen, dann dreht er seinen Kopf wieder weg und schließt die Augen."

Nordische Kapelle am Wegesrand, umgeben von Wiese und Bäumen. (Deutschlandradio/Felicitas Boeselager)Die nordische Kapelle (Deutschlandradio/Felicitas Boeselager)

Hinter der Eiche steht eines der drei Gebäude des Parks, die nordische Kapelle. Die Kapelle ist für alle Besucher offen, an ihrer Wand steht kaum noch lesbar das Motto des Parks und der Spruch der Familie: "Natur und Tugend führen zu Gott."

"Jetzt können wir gegenüber von der Kapelle auf die höchste Erhebung Ostfrieslands steigen, den höchsten Berg Ostfrieslands. Den Manninga-Berg." Über moosbewachsene Steinstufen geht es den elf Meter hohen Hügel hinauf. Oben steht man in fast in den Kronen der Bäume und blickt auf die Kapelle, den Park. Als der Park noch nicht so bewachsen war, konnte man von hier aus bis zum Leuchtturm der Insel Norderney blicken.

Wieder unten geht es durch ein kleines Tor, vorbei am sogenannten Altar der Gesundheit über eine Holzbrücke zum Tempel der Freundschaft. Dieses reetgedeckte Häuschen hatte der Parkbegründer seinem besten Freund gewidmet, heute können sich Paare hier trauen lassen. Es verwundert kaum, dass Graf Tido zu Knyphausen seiner Frau in diesem Park einen Heiratsantrag gemacht hat, auch nicht, dass ein Besucher alle Stufen zum Manninger Berg mit Rosen bestreuen wollte, um sich oben mit seiner Frau zu verloben. Nach einem zweistündigen Spaziergang fällt es schwer, diesen Ort zu verlassen.

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