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Nachspiel | Beitrag vom 28.02.2021

Schadstoffe in SportartikelnDer Verbraucher muss Druck machen

Von Peter Kolakowski

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Hände rollen eine Yogamatte aus (picture alliance / Zoonar / Robert Kneschke)
Sport gefährdet die Gesundheit - jedenfalls wenn man die falsche Trainingsmatte benutzt. (picture alliance / Zoonar / Robert Kneschke)

Sportzubehör wie Bälle, Bänder, Stangen und Matten ist mit Schadstoffen belastet. Das wurde im Rahmen des europäischen Projekts AskReach festgestellt, an dem auch das Umweltbundesamt beteiligt ist. Wie kann man sich als Hobbysportler schützen?

Sport zu Hause liegt nicht erst seit der legendären ZDF-Telegymnastik im Trend. Schon 1927 gab es in der Berliner Funkstunde, der ersten Radiosendung in Deutschland, die tägliche Funkgymnastik für zu Hause.

Gerade in Zeiten von Corona boomt der Markt für Fitnessgeräte und Kleinmaterialien für zu Hause. Denn auch mit Kleinmaterialien kann man sich wunderbar fit und in Form halten. Weiß auch Ursula Sill. Ihre Rehasportkurse fallen wie alle anderen Kurse seit Anfang November aus. Sie hat sich deshalb ein komplettes Kleinstudio aus dem Online-Handel bestellt.

"Ich habe mir vor zwei Wochen eine Gymnastikmatte gekauft für mein Heimstudio, damit ich auch mit 76 Jahren fit und gesund bleibe und die Seele braucht auch diese Bewegung, damit ich geistig und körperlich elastisch bleibe und jung. Dann habe ich mir noch ein Theraband gekauft und zwei Fitnessbälle. Als ich die Matte ausgepackt habe, hat die eigenartig gerochen. Weiß ich, was das für ein Material ist. Da stand gar nichts drauf und wenn da was drauf steht, ist das englisch und das kann ich nicht."

Besorgniserregende Weichmacher

Was hier so unangenehm riecht, sind sogenannte Weichmacher aus der PVC-Matte. Besonders Weichmacher aus der Gruppe der sogenannten Phthalate schaden der Gesundheit und können Leber, Nieren und bei Männern die Hoden angreifen.

Wissenschaftler haben jetzt Sportartikel auf Schadstoffe genauer untersucht. Ein europäisches Projekt unter dem Titel AskREACH, an dem auch das Umweltbundesamt beteiligt ist.

Eva Becker, Projektmanagerin beim Umweltbundesamt: "Wir haben verschiedene Produkte verwendet und den Schwerpunkt auf Weichkunststoff gelegt und wir haben Proben aus ganz Europa genommen."

Getestet wurden Produkte wie Gymnastikbälle, Yogamatten, Hanteln, Springseile, Schwimmutensilien, Wasserflaschen oder Schuhe. Ergebnis: Elf Prozent der untersuchten Produkte enthielten sogenannte "besonders besorgniserregende Stoffe", kurz SVHCs. Darunter fallen zum Beispiel Weichmacher, Flammschutzmittel, Schmermetalle oder Alkylphenole, erklärt Eva Becker.

"Das sind Stoffe, die auf EU-Ebene identifiziert werden und in einer Liste verzeichnet sind. Da sind Stoffe, die krebserregend sind, erbgutverändernd, reproduktionstoxisch oder endokrine Disruptoren, also die auf das Hormonsystem wirken."

Auskunftspflicht nicht nachgekommen

Sieben getestete Produkte enthielten Weichmacher in Konzentration, die seit Mitte vergangenen Jahres in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. In einem Pilates-Ball wurden davon 41 Prozent und 35 Prozent in einem Trainingsball gefunden. Diese Weichmacher können aus den Produkten ausdünsten und in den menschlichen Körper gelangen. Firmen müssen Verbraucher auf Anfrage über das Vorhandensein dieser Stoffe in ihren Produkten informieren. Doch keine dieser Firmen kam ihrer Auskunftspflicht nach.

Das Ziel des Umweltbundesamtes und seiner Partner in anderen europäischen Ländern: Die Information über Schadstoffe in Sportartikeln zu verbessern. Hierfür wurde speziell für Verbraucher die App "Scan4Chem" entwickelt. Mit der App können Verbraucher Barcodes von Produkten scannen und mit wenigen Clicks eine Informationsanfrage an den Produktanbieter senden.

"Nur wenn die Firmen wirklich viele Anfragen von den Verbrauchern bekommen, werden sie ihre Informationspflichten ernst nehmen und besonders besorgniserregende Stoffe in ihren Produkten ersetzen."

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