Sachbuchbestenliste November

    Aufdeckungen über die Hohenzollern

    05:26 Minuten
    Die Top drei der Sachbuchbestenliste: "Die Hohenzollern und die Nazis" von Stephan Malinowski, "Allein" von Daniel Schreiber und "Wir Klimawandler" von Elizabeth Kolbert,
    Stephan Malinowskis "Die Hohenzollern und die Nazis" führt die Sachbuchbestenliste an. Dann folgen "Allein" von Daniel Schreiber und "Wir Klimawandler" von Elizabeth Kolbert. © Deutschlandradio / Propyläen, Hanser Berlin, Suhrkamp
    27.10.2021
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    Stephan Malinowski steigt mit seinem Buch über "Die Hohenzollern und die Nazis" auf Platz eins in die Sachbuchbestenliste ein. Insgesamt sind im November sieben Titel neu dabei - Einblicke, Rückblicke, Ausblicke.
    Deutschlandfunk Kultur, ZDF und "Die Zeit" präsentieren gemeinsam die stärksten Sachbücher des Monats. Gekürt werden die Titel von einer Jury aus 30 Kritikerinnen und Kritikern.

    1 (-) Stephan Malinowski: "Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration"
    Propyläen, Berlin 2021
    784 Seiten, 35 Euro

    Das Cover zu Stephan Malinowskis Buch "Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration" auf orange-weißem Grund.
    Stephan Malinowski: "Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration" © Deutschlandradio / Ullstein
    Die Hohenzollern Opfer der Nazis? So sieht es zumindest das preußische Adelsgeschlecht – und fordert Entschädigung für die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Historiker Stephan Malinowski zeigt hingegen: Familienoberhaupt Wilhelm von Preußen unterstützte die NS-Bewegung, und die Hohenzollern wirkten als antidemokratische Projektionsfläche. 82 Punkte

    2 (7) Daniel Schreiber: "Allein"
    Hanser Berlin, Berlin 2021
    108 Seiten, 20 Euro

    Das Cover des Buches von Daniel Schreiber, "Allein", auf orange-weißem Hintergrund.
    Daniel Schreiber: "Allein"© Deutschlandradio / Hanser Berlin
    "Einsamkeit ist ein Gefühl, das jede und jeden von uns früher oder später einholen wird", findet Daniel Schreiber. Schließlich leben wir heute individualisierter denn je. Warum aber ist das Alleinsein so negativ besetzt? Mit Anekdoten und philosophischer Reflexion ergründet er das Spannungsfeld aus Rückzugswunsch und Sehnsucht nach Zugehörigkeit. 78 Punkte


    3 (3) Elizabeth Kolbert: "Wir Klimawandler. Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft"
    Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff
    Suhrkamp, Berlin 2021
    239 Seiten, 25 Euro

    Das Cover des Buchs von Elizabeth Kolbert, "Wir Klimawandler, Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft", auf orange-weißem Hintergrund.
    Elizabeth Kolbert: "Wir Klimawandler. Wie der Mensch die Natur der Zukunft erschafft""© Deutschlandradio / Suhrkamp
    Das Paradoxon der Klimakrise: Eingriffe in die Natur haben uns an den Rand der Katastrophe geführt. Nur weitere Eingriffe können sie noch abwenden. Elizabeth Kolbert stellt kühne Ideen der Weltrettung vor, etwa in die Luft gepusteten Diamantenstaub, der das Sonnenlicht abschwächt. Sie findet: Wenn der Mensch schon Gott spielt, dann bitte besser als bisher! 46 Punkte

    4 (8) Golo Maurer: "Heimreisen. Goethe, Italien und die Suche der Deutschen nach sich selbst"
    Rowohlt, Hamburg 2021
    497 Seiten, 28 Euro

    Das Cover des Buches von Golo Maurer, "Heimreisen. Goethe, Italien und die Suche der Deutschen nach sich selbst" auf orange-weißem Hintergrund.
    Golo Maurer: "Heimreisen. Goethe, Italien und die Suche der Deutschen nach sich selbst"© Deutschlandradio / Rowohlt
    "Dem denkenden und fühlenden Menschen geht ein neues Leben, ein neuer Sinn auf, wenn er diesen Ort betritt", heißt es bei Goethe. Seit seiner "Italienischen Reise" ist das Land südlich der Alpen Sehnsuchtsort deutscher Intellektueller. Golo Maurer begibt sich auf die Spuren der "Italienschwärmer" und stößt auch auf Abgründe, bis zum "Flirt mit dem Faschismus". 30 Punkte

    5 (-) Andreas Reckwitz/Hartmut Rosa: "Spätmoderne in der Krise"
    Suhrkamp, Berlin 2021
    310 Seiten, 28 Euro

    Das Cover des Buches von Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa "Spätmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschaftstheorie?" auf orange-weißem Grund.
    Andreas Reckwitz/Hartmut Rosa: "Spätmoderne in der Krise. Was leistet die Gesellschaftstheorie?"© Deutschlandradio / Suhrkamp
    Die Soziologen Andreas Reckwitz und Hartmut Rosa haben beide in großen Werken die krisenhafte Gegenwart untersucht – ihre Vorstellungen darüber unterscheiden sich grundsätzlich. Jetzt legen sie ein gemeinsames Buch vor, in dem sie ihre Ideen von Theorie und Gesellschaft miteinander diskutieren, auf der Suche nach Ähnlichkeiten in der Differenz. 28 Punkte

    6 (-) Günther Rühle: "Ein alter Mann wird älter. Ein merkwürdiges Tagebuch"
    Alexander Verlag, Berlin 2021
    232 Seiten., 22,90 Euro

    Das Cover des Buches von Günther Rühle, "Ein alter Mann wird älter: Ein merkwürdiges Tagebuch", auf orange-weißem Grund,
    Günther Rühle: "Ein alter Mann wird älter: Ein merkwürdiges Tagebuch" © Deutschlandradio / Alexander Verlag
    Wer Theaterstücke inszeniert, reflektiert die Gesellschaft kontinuierlich. Für Selbstreflexion dagegen blieb lange keine Zeit, beklagt Günther Rühle, Journalist und Ex-Intendant des Schauspiels Frankfurt. Mit Mitte 90 horcht er in sich hinein und nimmt dabei Merkwürdiges wahr, auch die Angst vor sich selbst. Eine innere Erkundungsreise, schonungslos ehrlich. 27 Punkte

    7 (-) Wolfgang Schivelbusch: "Die andere Seite. Leben und Forschen zwischen Berlin und New York"
    Rowohlt, Hamburg 2021
    336 Seiten, 26 Euro

    Das Cover des Buches von Wolfgang Schivelbusch, "Die andere Seite: Leben und Forschen zwischen New York und Berlin", auf orange-weißem Hintergrund.
    Wolfgang Schivelbusch: "Die andere Seite: Leben und Forschen zwischen New York und Berlin"© Deutschlandradio / Rowohlt
    Der Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch erzählt von seinem durch Amerika geprägten Leben. Als Kind bewunderte er die GIs im Frankfurter Schwimmbad, später lebte er abwechselnd in Berlin und New York; aus seiner Wohnung schaute er aufs World Trade Center. Eine Gesprächs-Biografie, die zugleich die komplizierte transatlantische Beziehung analysiert. 25 Punkte

    8 (-) David Baddiel: "Und die Juden?"
    Aus dem Englischen von Stephan Kleiner
    Hanser, München 2021
    136 Seiten, 18 Euro

    Das Cover des Buches von David Baddiel, "Und die Juden?", auf orange-weißem Grund.
    David Baddiel: "Und die Juden?© Deutschlandradio / Hanser
    "Jews Don't Count" lautet der englische Originaltitel des nun auf Deutsch erschienenen Buches von David Baddiel – "Juden zählen nicht". Der britische Autor und Comedian moniert: Wenn Linke Minderheiten ermächtigen wollen, sind jüdische Menschen meist nicht mitgemeint. Ein entlarvender Blick auf die Inkohärenzen der Identitätspolitik. 21 Punkte

    9 (-) Harald Welzer: "Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens"
    S. Fischer, Frankfurt am Main 2021
    288 Seiten, 22 Euro

    Das Cover des Buches von Harald Welzer, "Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens", auf orange-weißem Hintergrund.
    Harald Welzer: "Nachruf auf mich selbst. Die Kultur des Aufhörens"© Deutschlandradio / S. Fischer
    Was hat der Klimawandel mit unserem Verhältnis zum Tod zu tun? Sehr viel, meint Harald Welzer: Wir sind unfähig, uns mit Endlichkeit zu arrangieren, daher drehen wir das Rad des Wachstums immer weiter. Welzer plädiert für ein Wiedererlernen des "Aufhörens". Wie das geht? Indem man in einem "Nachruf auf sich selbst" überlegt, wie man gelebt haben will. 20 Punkte

    10 (-) Florian Illies: "Liebe in Zeiten des Hasses. Chronik eines Gefühls, 1929–1939"
    S. Fischer, Frankfurt am Main 2021
    432 Seiten, 24 Euro

    Das Cover des Buches von Florian Illies, "Liebe in Zeiten des Hasses", auf orange-weißem Hintergrund.
    Florian Illies, "Liebe in Zeiten des Hasses"© Deutschlandradio / S. Fischer
    In seinem Bestseller 1913 porträtierte Florian Illies den Vorsommer des Ersten Weltkrieges. Sein neues Buch kreist um das Jahr 1933 und die privaten Lieben jener Zeit, als die Goldenen Zwanziger zu Ende gingen und die Nazis die Macht übernahmen. Ob emigrierte Intellektuelle oder amerikanische Stars: ein Panorama der großen Gefühle im Angesicht der Katastrophe. 18 Punkte

    So funktioniert die Abstimmung:

    Jedes Jurymitglied vergibt an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

    Die Jury der Sachbuch-Bestenliste:

    René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur)
    Peter Arens (ZDF)
    Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur)
    Ralph Bollmann (FAS)
    Stefan Brauburger (ZDF)
    Alexander Cammann (DIE ZEIT)
    Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel)
    Heike Faller (DIE ZEIT)
    Daniel Fiedler (ZDF)
    Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch)
    Manuel J. Hartung (ZEIT-Stiftung)
    Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur)
    Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur)
    Inge Kutter (DIE ZEIT)
    Hannah Lühmann (DIE WELT)
    Ijoma Mangold (DIE ZEIT)
    Susanne Mayer (DIE ZEIT)
    Tania Martini (taz)
    Catherine Newmark (Deutschlandfunk Kultur)
    Jutta Person (freie Literaturkritikerin)
    Bettina von Pfeil (ZDF)
    Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung)
    Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur)
    Anne Reidt (ZDF)
    Anna Riek (ZDF)
    Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte)
    Hilal Sezgin (freie Autorin)
    Catrin Stövesand (Deutschlandfunk)
    Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)
    Julia Voss (Leuphana Uni Lüneburg)

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