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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.03.2020

Reaktion auf Xavier-Naidoo-ClipRTL wirft DSDS-Juror raus

Juri Sternburg im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Xavier Naidoo mit Sonnenbrille und Mütze blickt in Richtung des Betrachters.  (Revierfoto / dpa)
Der Juror Xavier Naidoo bei einer Aufzeichnung von "Deutschland sucht den Superstar". Der Sender RTL hat sich mittlerweile von Naidoo getrennt. (Revierfoto / dpa)

In einem Video singt Xavier Naidoo über angebliche Gefahren, die von Migranten ausgehen. RTL hat daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Sänger beendet. Der Dramatiker Juri Sternburg bezeichnet die Entscheidung des Senders als überfällig.

"Was, wenn fast jeden Tag einen Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt?" Das singt der Musiker und Juror der Sendung "Deutschland sucht den Superstar" Xavier Naidoo in einem kurzen, im Netz kursierenden Clip und schürt so rassistische Ressentiments. Der Fernsehsender RTL forderte Naidoo zuerst auf, sich zu erklären und beendete kurz darauf die Zusammenarbeit mit ihm. Der Dramatiker und ehemalige Graffitikünstler und Streetartist Juri Sternburg meint, dass eine solche Reaktion längst überfällig gewesen sei.

Eigentlich nichts Neues von Naidoo

"Ich muss ganz ehrlich sagen, nach all der Zeit und den bereits getätigten Vorwürfen kommt es überraschend. Aber ich finde es natürlich begrüßenswert. Wenn man sich mit dem Künstler und auch dem Privatmensch beschäftigt, dann kann man seit über 20 Jahren sehen, wohin die Reise führt", sagt Sternburg. Das jetzt aufgetauchte Video, das offenbar gar nicht aktuell sei, sondern schon zwei Jahre alt, sei wohl der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe.

Naidoo hat sich mittlerweile geäußert, den Vorwurf des Rassismus zurückgewiesen und dabei darauf hingewiesen, dass er sich seit Jahren gegen Ausgrenzung und Rassismus einsetze. Man kenne dieses Vorgehen auch von rechten Parteien – zwei Schritte nach vorne und einen zurückzugehen, meint Sternburg. "Bei ihm ist es aber wirklich absurd, weil er auch in diesem neuen Statement schon wieder sagt, es würde eine Riesensteigerung von Gewalttaten durch Flüchtlinge geben. Er sagt das nicht so konkret, aber es ist klar, was er meint. Und diese Zahlen sind ja überhaupt nicht belegbar."

Nähe zu Reichsbürgern

Naidoo habe schon in einem Interview mit dem Musikexpress 1998 von sich behauptet, ein Rassist zu sein und lieber etwas für seine Stadt zu tun als für irgendwelche Fremden und es habe in seinen Liedtexten der letzten Jahre immer wieder Judenfeindlichkeit und Homophobie gegeben, so Sternburg. Er sehe aber auch einen Widerspruch bei Naidoo, der sich immer wieder zeige, denn es gebe auch Songs gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

"Ob das daran liegt, dass er sich verstellen möchte, ob das daran liegt, dass er nicht weiß, was er selber will, ist nicht erklärbar. Aber gerade die Nähe zu den Reichsbürgern, die schon mehrfach dokumentiert ist, zeigt, dass es da eine Problematik gibt, mit der man sich auseinandersetzen muss."

(rja)

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