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Interview | Beitrag vom 15.05.2021

NahostkonfliktZu viele, die es immer besser wissen

Esther Schapira im Gespräch mit Axel Rahmlow

Pro-Israel-Demonstration in München: "Israel muss sich verteidigen" steht auf einem Plakat. (picture alliance / dpa / ZUMAPRESS.com / Sachelle Babbar)
Über 2000 Raketen, abgefeuert auf die israelische Zivilbevölkerung: Pro-Israel-Demonstration in München. (picture alliance / dpa / ZUMAPRESS.com / Sachelle Babbar)

Die Journalistin Esther Schapira kritisiert die deutsche Nahost-Debatte scharf und rät zu "etwas mehr Zurückhaltung und Bescheidenheit". Auch die Verknüpfung von Nahostkonflikt und dem Antisemitismus in Deutschland hält sie für grundfalsch.

Die Publizistin und Filmemacherin Esther Schapira geht mit der öffentlichen Debatte in Deutschland über den Nahostkonflikt hart ins Gericht: "Neben Fußball ist sicher der Nahostkonflikt das Feld, wo wir die meisten Experten in Deutschland haben. Alle wissen immer ganz genau, wer im Recht ist und was dort gerade passiert in Israel." Schapira zitiert hierzu den Liedermacher Wolf Biermann: Dieser habe einmal von der "unerträglichen Besserwisserei der Wenigwisser" gesprochen.

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Die Gemengelage in Nahost sei "unglaublich kompliziert", betont Schapira: "auch dieses Mal wieder". Sie rate deswegen zu "etwas mehr Zurückhaltung und Bescheidenheit". Zudem wendet sich Schapira vehement gegen die Ansicht, dass in dem Konflikt beide Seiten Schuld tragen:

"Im aktuellen Fall sind über 2000 Raketen abgefeuert worden auf die israelische Zivilbevölkerung. Über 2000 Raketen! Wir stellen uns einen Moment lang vor, was in Deutschland los wäre. Vor diesem Hintergrund muss man ganz klar sagen: Hier werden Kriegsverbrechen von der palästinensischen Hamas begangen."

Antisemitismus sucht sich einen Anlass

Jüdinnen und Juden in Deutschland würden für die israelische Politik beständig verantwortlich gemacht, kritisiert Schapira: "Das ist eigentlich ein Dauerzustand." Sie müssten sich "gefälligst" zum Nahostkonflikt verhalten - darüber hinaus gebe es auch immer noch die Erwartung, dass man gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu sei.

Auch die Verknüpfung von Nahost-Debatte und Antisemitismus in Deutschland sieht die Publizistin überaus kritisch. Es könne keinerlei Rechtfertigung für antisemitische Äußerungen geben: "Das eine sind Juden in Deutschland, das andere ist ein Staat im Nahen Osten und dessen Politik. Das muss auseinandergehalten werden."

Antisemitische Gefühle suchten sich einen Anlass und brächen dann aus. Diese würden nun durch den aktuellen Konflikt virulent, seien aber schon vorher da gewesen. "Und egal, wie sich die israelische Regierung verhält, egal, welche Situation im Nahen Osten herrscht, diese Gefühle werden nicht verschwinden."

(ahe)

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