Kulturszene in der Energiekrise

Wie Theater und Museen klimafreundlich werden

07:03 Minuten
Ganz viele LEDßEnergiesparlampe stehen aufgereiht, wie auf einer Bühne.
Genügsames Licht: Mit der Umstellung auf LED-Beleuchtung konnten viele Theater und Museen ihren Energieverbrauch bereits erheblich reduzieren. © Getty Images / Yurou Guan
Moderation: Andrea Gerk · 30.08.2022
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Theater, Museen und andere Kulturstätten suchen nach Wegen für nachhaltiges Wirtschaften. Angesichts der Energiekrise ist das umso dringlicher. Stefan Besson vom Berliner Ensemble und Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda sehen erste Fortschritte.
Die Klimafrage ist in der Kulturszene angekommen - zuletzt trugen Aktivistinnen und Aktivisten der Bewegung "Die letzte Generation" ihren Protest in die Museen und klebten sich an berühmten Gemälden fest. Theater, Museen und Bibliotheken haben erkannt, dass sie Energie sparen und Abläufe optimieren müssen, um nachhaltiger zu wirtschaften. Die aktuelle Energiekrise setzt die Häuser zusätzlich unter Druck.

Warum müssen Kulturstätten Energie sparen?

Schon aus betriebswirtschaftlichen Gründen haben Theater, Museen, Bibliotheken und andere Kulturorte ein Interesse daran, ihren Energieverbrauch und damit Kosten zu senken. Wie viele andere Bühnen bemühe sich sein Haus seit Jahren darum, die eigenen Möglichkeiten dafür auszuschöpfen, sagt Stefan Besson, technischer Direktor am Berliner Ensemble.
Angesichts eklatant steigender Preise müssten Kultureinrichtungen befürchten, die Energierechnung im kommenden Winter nicht mehr bezahlen zu können, warnt Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda.
Dass Kulturstätten einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten, sei zudem eine Frage der Glaubwürdigkeit: Wer etwa am Theater die Folgen des Klimawandels auf der Bühne behandle, aber gleichzeitig meine, sich für das eigene Haus darum nicht kümmern zu müssen, laufe "über kurz oder lang in einen Selbstwiderspruch hinein", so Brosda.

Wie kann der Energieverbrauch gesenkt werden?

Bei Theater lässt sich der Energieverbrauch durch einige gezielte Maßnahmen effektiv senken, erläutert Stefan Besson. Das Berliner Ensemble habe verschiedene technische Veränderungen vorgenommen:
  • Heizungssysteme wurden optimiert und arbeiten effizienter.
  • Programmierbare Thermostate schalten Heizkörper bei Bedarf ab.
  • Die neue Tonanlage verbraucht weniger Strom.
  • Die Beleuchtung im Zuschauerraum wurde auf LED umgestellt.
Allein die Umstellung auf LED-Lampen reduziere den Energieverbrauch gegenüber herkömmlichen Leuchtmitteln um bis zu 90 Prozent, so Besson. Weitere Einsparpotenziale schöpft das Theater durch Verhaltensänderungen aus:
  • Die Heizung im Zuschauerraum wird gedrosselt, wenn der Saal gut gefüllt ist.
  • Nach jeder Probe gilt: Fenster zu, Heizung aus, Stecker raus, auch bei "stillen Verbrauchern" wie Netzteilen.
  • Reinigungsfirmen kreisen nachts nicht durch das voll beleuchtete Gebäude, sondern nutzen Licht nur dort, wo sie putzen.
Auch die Hamburger Museen ermitteln derzeit in einer gemeinsamen Initiative, zu der sich elf Häuser zusammengeschlossen haben, wie sie ihren Energieverbrauch reduzieren können, ohne dass etwa die Klimatisierung empfindlicher Kunstgegenstände oder das Wohlbefinden des Publikums darunter leidet.
Derzeit erstellten die beteiligten Institutionen CO2-Verbrauchsprofile, um Spielräume zum Energiesparen zu ermitteln, sagt Carsten Brosda. In einem weiteren Schritt sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Transformationsmanagern fortgebildet werden, die dann entsprechende Maßnahmen koordinieren.

Welche indirekten Maßnahmen helfen?

Am Berliner Ensemble klopft ein eigens gegründetes Nachhaltigkeitsteam die Arbeitsbedingungen und -abläufe daraufhin ab, wie weitere Emissionen und Kosten vermieden werden können. Erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen:
  • Räume werden mehrfach genutzt, zum Beispiel ein Malsaal als Probebühne.
  • Mehrere Lager für Kulissen und Dekoration wurden gekündigt, um die Anfahrten auf ein zentrales Lager zu beschränken.
  • Für Bühnenbilder werden möglichst recycelbare Materialien wie Holz verwendet, um Sondermüll zu vermeiden.
In der Verwendung recycelter Bauelemente sieht auch Carsten Brosda eine große Chance. Vorbildlich führe dies etwa die Ausstellung "Pharaoh Superstars" in Marseille vor Augen: Für die gesamte Schau seien ausschließlich wiederverwendete Materialien eingesetzt worden.

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"Es ist kein Widerspruch, sich um eine klimafreundlichere Produktion zu kümmern und gleichzeitig nach künstlerischer Exzellenz und herausragenden Qualitätsstandards zu streben", betont Brosda. Das gelte für Bühnen, Museen und Musikveranstaltungen gleichermaßen.

Welche Konzepte gibt es für die Zukunft?

Die Hamburger Nachhaltigkeits-Initiative "Elf zu null", der sich neben dem Museum für Kunst und Gewerbe unter anderem die Deichtorhallen und die Kunsthalle angeschlossen haben, will in Zusammenarbeit mit dem bundesweiten Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien Strategien für die einzelnen Häuser entwickeln. Dabei müssten auch bisherige Standards überprüft werden, sagt Kultursenator Brosda.
Das Berliner Ensemble hat sich bereits konkrete Maßnahmen vorgenommen, um die Klimabilanz des Theaters weiter zu verbessern, berichtet Stefan Besson: Nachdem das gesamte Haus mit einer Wärmebildkamera gescannt wurde, seien die Fenster als energetische Schwachstelle erkannt worden. Soweit der Denkmalschutz es zulasse, sollen sie baldmöglichst abgedichtet werden.
Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen seien einerseits Orte, "die gesellschaftliche Debatten und Selbstaufklärungsprozesse vorantreiben können", sagt Carsten Brosda, "und sie sind andererseits CO2-emittierende Betriebe, die sich auch mit ihrer eigenen Betriebsökologie auseinandersetzen müssen". Im besten Fall könnten Kulturstätten Blaupausen dafür entwickeln, wie die Gesellschaft insgesamt die ökologische Transformation bewältigt.

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