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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.04.2020

Museum der Artenvielfalt in PanamaVon innen und außen berauschend

Von Michael Marek und Sven Weniger

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Das Biomuseo von Frank O. Gehry in Panama-Stadt. Ein buntes und architektonisch dekonstruktivistisches Gebäude. (Michael Runkel / Robert Harding / imago-images)
Das "Biomuseo" zeigt die außerordentliche Naturgeschichte Panamas und ihre Bedeutung für die Artenvielfalt des amerikanischen Kontinents. (Michael Runkel / Robert Harding / imago-images)

Die Gebäude des Architekten Frank O. Gehry faszinieren und polarisieren. Das gilt auch für das "Museo de la Biodiversidad" in Panama-Stadt. Sechs Jahre nach seiner vorläufigen Eröffnung wurden jetzt endlich die letzten Ausstellungshallen fertiggestellt.

Amador Causeway, im Südwesten von Panama-Stadt: Hier, am Pazifischen Ozean, beginnt der berühmte Panamakanal. Und hier liegt auch ein zweites, ebenso spektakuläres Bauwerk: das Museum der Artenvielfalt, das sich der einzigartigen Naturgeschichte Panamas widmet. Bei seiner vorläufigen Eröffnung 2014 erklärte Direktor Líder Sucre:

"Die Besucher finden hier ein Gebäude vor, das mit nichts zu vergleichen ist, was sie jemals gesehen haben! Das Museum, entworfen von Frank Gehry, ist ohne erkennbare Ordnung, voll asymmetrischer Formen, schwebender Dächer, außerordentlicher Farben. Seine Buntheit ist ein Symbol für Panamas Vielfalt der Flora und Fauna."

Gehrys einziges Bauwerk in Lateinamerika

Das Museum der Artenvielfalt sieht aus, als hätte man überdimensionale, bunte Spielzeugbauklötze ineinander verkeilt. Erst jetzt - fast sechs Jahre nach seiner vorläufigen Eröffnung - wurden die letzten Ausstellungshallen fertiggestellt. Das Museum ist das einzige Bauwerk Gehrys in Lateinamerika und war für Panama ein langwieriger logistischer und finanzieller Kraftakt. Die Museumskuratorin Meera Sachanandani sagt:
 
"Das Atrium des Biomuseums hat eine überaus spannende Architektur. Im Dach mit seinen abstrakten Formen erkennen manche Besucher Schmetterlinge, andere Bäume. Tatsächlich stellen die massiven Hauptträger einen Baumstamm dar, die schmaleren Querbalken die Äste. Die offene Dachkonstruktion ist also wie ein Blattwerk. Wenn es regnet, gibt es einen Effekt wie im Dschungel. Das Wasser fällt an einigen Stellen bis zum Boden, genau wie im Regenwald."

Der große amerikanische Faunenaustausch

Das Dach gleicht einem wilden Puzzle aus roten, grünen, gelben und blauen Flächen - und ist zweifellos der große Hingucker des Museums. Das Atrium darunter, ein marktplatzgroßer, offener Raum, über den tropische Brisen vom Pazifik ziehen, ist Treffpunkt für Besucher aus aller Welt. Zugleich dient es als Übergang zu den beiden Ausstellungsgalerien.

Das Foto zeigt die bunte Dachkonstruktion des "Museo de la Biodiversidad" in Panama-Stadt bei Nacht. (imago images / Aaron Sosa)Das Museum, angestrahlt bei Nacht. Die Dachkonstruktion erinnert an den Regenwald. (imago images / Aaron Sosa)

Für die Galerie zur "menschlichen Besiedlung" wurde eigens eine Musik komponiert aus Gesängen, Melodien und Instrumenten der Geschichte Panamas. Vor 60 Millionen Jahren gab es dort, wo heute Panama ist, nur Wasser. Nord- und Südamerika waren zwei getrennte Kontinente. Schließlich bildete sich vor etwa drei Millionen Jahren eine Landbrücke zwischen den beiden Erdteilen.

Die Tierwelt nutzte die neue Verbindung zum sogenannten "großen amerikanischen Faunenaustausch". Er ist verantwortlich dafür, dass das kleine Land heute eine der größten Artenvielfalten weltweit beherbergt. Doch diese Vielfalt ist auch stark gefährdet. Davon erzählen etwa 90 DIN A4-Tafeln in einer Farbfolge von grün bis schwarz.

Jeden Tag werden in Panama neue Tierarten entdeckt

"Wir stehen nun im letzten Bereich dieser Galerie. Wir sehen hier viele Tafeln in verschiedenen Farben, jede steht für eine Tierart. Jeden Tag werden in Panama neue Arten entdeckt. Alle, die wir hier sehen, wurden erst vor Kurzem entdeckt und sind noch namenlos. In den Farben grün, gelb, orange, rot und schließlich schwarz wird ihr Status angezeigt. Und obwohl wir noch kaum etwas über sie wissen, sind einige schon vom Aussterben bedroht. Ich mag besonders das Zwergfaultier. Es wurde erst 2001 auf der kleinen Karibikinsel Escudo de Veraguas entdeckt und ist schon in Gefahr, für immer zu verschwinden. Dieses Zwergfaultier gibt es nur hier", sagt Meera Sachanandani.

Welche dramatischen Folgen die Trennung der Ozeane durch die Landbrücke im heutigen Panama nach sich zog, zeigen Diagramme und virtuelle Animationen. Je weiter sich der Besucher auf die Details des Museums der Artenvielfalt einlässt, desto mehr wird er Zeuge des epochalen Klimawandels, ausgelöst durch eine an einigen Stellen nur 50 Kilometer breite Landbrücke.

So mag es zwar die berauschende Architektur des Biomuseums sein, die die Menschen zunächst in ihren Bann zieht - viel fantastischer ist jedoch das, was drinnen erzählt wird.

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