Mindestlohn, Würde und Wahlendspurt

    Geschichten über Armut

    34:54 Minuten
    Tinas Mobil fährt durchs Morgengrauen. An einer Haltestelle stehen Grundschüler und warten auf den Bus.
    Die Serie "Tina mobil" erzählt von den täglichen Problemen und Sorgen einer dreifachen Mutter. © rbb/ARD/X Filme Creative Pool GmbH/Stefan Erhard
    Von Johannes Nichelmann und Christine Watty · 23.09.2021
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    Wenn es in Film und Fernsehen um Menschen in Armut geht, dann oft in Statements von Politikern, als Lachnummern in Dokusoaps oder aber: gar nicht. Wie erzählt man Armut? Wir fragen den Schriftsteller Christian Baron und die Drehbuchautorin Laila Stieler.
    Armut und vor allem die konkrete Anstrengung des Lebens, wenn es an allem fehlt, werden auf den Bildschirmen eher wenig abgebildet: Das sogenannte Trash-TV zeigt zwar hier und da Menschen, mit denen sich vielleicht auch Leute identifizieren, die nicht jeden Abend die Tür zum 200-Quadratmeter-Loft aufschließen, aber ansonsten kommen arme Menschen aktuell vor allem in Politiker-Statements vor: Wenn es zum Beispiel um Mindestlohn geht, Existenzgrundlagen oder die "Würde" derer, über die man da dauernd laut berät.

    Überforderung kommt vor Armut

    In der ARD läuft aktuell eine kleine Serie, die die Drehbuchautorin Laila Stieler geschrieben hat: In "Tina mobil" steht die Bäckereiverkäuferin Tina Sanftleben vor dem Nichts, weil ihr fristlos gekündigt wird. Das Geld der Mutter von drei Kindern ist knapp, aber Tina hat eine Idee und macht sich mit einem Bäckermobil selbstständig.
    So handelt diese Geschichte gar nicht vornehmlich oder plakativ von Armut, aber von der Überforderung im Leben, immer kurz davor zu stehen, vor diesem "Armsein" – das die Protagonistin selbstverständlich niemals als solches bezeichnen würde.

    Unterschichtenliteratur?

    Der Schriftsteller Christian Baron hat schon im vergangenen Jahr mit seinem Debüt die Literaturwelt mit der Schilderung von Armut konfrontiert: In seinem autobiografischen Roman "Ein Mann seiner Klasse" erzählt er von seiner Kindheit und Jugend: aufwachsen in Kaiserslautern, der Vater trinkt und prügelt und geht zwar arbeiten - trotzdem ist die Familie arm und hat "am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig". Mit schonungslosem, realistischem Blick beschreibt Baron die Welt, in der er aufgewachsen ist. Für ihn ist klar: Solche Geschichte müssen erzählt werden.
    Aber wie? Und vor allem für wen? Und wie politisch ist das dann? Darüber sprechen wir im Kulturpodcast mit unseren Gästen. Ach so, und weil gleich ja auch noch die Bundestagswahl bevorsteht, gibt es bestimmt auch ein paar Worte zur medialen und politischen Abbildung von Armut in diesen Tagen.
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