Zum Tod der Regisseurin Lina Wertmüller

Die Frau, die den Oscar umbenennen wollte

08:00 Minuten
Eine weißhaarige Dame mit weißer Brille wirft einem imaginären Publikum ein Kusshändchen zu. Es ist die Regisseurin Lina Wertmüller.
Begann ihre Karriere als Regieassistentin für Fellini: die italienische Regisseurin Lina Wertmüller. © picture-alliance / DB
Hannah Pilarczyk im Gespräch mit Eckhard Roelcke · 09.12.2021
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Lina Wertmüller wurde als erste Frau für den Regie-Oscar nominiert. Als sie später einen Oscar bekam, wollte sie ihn in "Anna" umbenennen. Jetzt ist die unbequeme Pionierin des feministischen Kinos im Alter von 93 Jahren gestorben.
Sex und Politik, Gewalt und Gefühl sind die Themen der italienischen Regisseurin Lina Wertmüller. Sie erzählt von mediterranen Machos und Mafiosi, von weiblichen Nervensägen und der Mailänder Schickeria.
Wertmüller habe auf mehrfache Weise globale Filmgeschichte geschrieben, sagt die Kulturjournalistin Hannah Pilarczyk. Sie war als erste Frau für den Oscar nominiert. Das war für den Skandalfilm "Sieben Schönheiten".
Der Film handelt von einem italienischen Allerweltsmann, der glaubt, sich "im Faschismus über Wasser halten zu können, indem er Frauen drangsaliert", so Pilarczyk. Bekommen hat Wertmüller den Oscar 1975 nicht.

29 Wörter für einen Filmtitel

Sie hat als einzige Frau einen Spaghetti-Western in der Hochzeit dieses Genres gedreht. Und sie hatte einen Hang zu langen Titeln. Ein Film heißt auf Deutsch schlicht "Blutfehde", auf Italienisch besteht der Name dagegen aus 29 Wörtern.
Das sei vielleicht auch eine Hommage an sich selbst, mutmaßt Pilarczyk. Denn eigentlich hieß Lina Wertmüller Arcangela Felice Assunta Wertmüller von Elgg Español von Braueich.

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Begonnen hat Wertmüllers Karriere als Regieassistentin von Federico Fellini. "Sie hat sich sehr inspiriert gefühlt und hat auch die Experimentierfreude, die Offenheit gegenüber der großen Geste, von ihm übernommen", sagt Pilarczyk.

Das Tempo drückt einen an die Wand

Die Geschwindigkeit der Dialoge präge die Filme von Wertmüller, so Pilarczyk: "Ein Tempo, was einen an die Wand drücken kann". Dadurch werde über die ernsten Hintergründe der Geschichten hinweggetäuscht: "Man glaubt, man ist in einem Volkstheaterstück. Und dann merkt man erst, was ihre politischen Ziele sind, die sie behutsam eingeflochten hat."
Mit 91 Jahren bekommt Wertmüller den Ehrenoscar überreicht. "Bei der Verleihung war sie umringt von anderen Pionierinnen, Jane Campion, Greta Gerwig und Isabella Rossellini. Sie hat sich den Oscar geschnappt und gesagt: 'Den müsste man umbenennen. Der müsste Anna heißen'.€ Denn sie hätte lieber einen femininen Preis", sagt Pilarczyk.
(beb)

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