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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 11.10.2018

Lakonisch Elegant#1 Rechter reden: Wie debattieren wir heute?

Von Christine Watty

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 Der Schriftsteller Martin Walser, 1998, kurz nachdem er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat. (picture alliance/dpa/Ulrich Baumgarten)
Der Schriftsteller Martin Walser erhielt 1998 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Dankesrede nannte er das Holocaust-Gedenken "Dauerpräsentation unserer Schande" und sprach von einer "Moralkeule". (picture alliance/dpa/Ulrich Baumgarten)

Seit wann führen wir Debatten um gesellschaftliche Haltung, um das "Sagbare"? Hat das mit Martin Walsers Paulskirchen-Rede zu tun, die jetzt 20 Jahre alt wird? Im "Lakonisch Elegant"-Podcast sprechen wir darüber mit Oliver Polak und Mariam Lau.

Vor 20 Jahren, am 11. Oktober 1998, hielt Martin Walser eine umstrittene Rede in der Paulskirche. Der Anlass: Die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandelns an Walser. In seiner damaligen Dankesrede sprach Walser die Erinnerungskultur der Deutschen an: Er fühle sich unwohl mit der "Dauerrepräsention unserer Schande", sie bringe ihn eher zum Wegschauen.

Walser brachte außerdem den Begriff der "Moralkeule" im Zusammenhang mit dem Konzentrationslager Auschwitz ein – und muss seitdem damit klarkommen, dass diese Rede für manche zum Symbol geworden ist für den Beginn des Rechtsrucks in der Gesellschaft.

Rechter reden – wie ist der Stand 20 Jahre nach Walser? Das beschäftigt uns in unserer ersten Folge von "Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast".

Debattenkultur oder Diskurshygiene?

Wir sind auf der Frankfurter Buchmesse, auf der diese Diskussionen spätestens immer dann wieder aufbranden, wenn es um die Anwesenheit rechter Verlage geht. Zum Jahrestag der Walser-Rede sprechen wir mit dem Publizisten Michel Friedmann über die 20 Jahre alte Rede, ihre Rolle in den Debatten und die Empörung, die sie damals ausgelöst hat.

Auch wenn der Antaios-Verlag in diesem Jahr nicht auf der Messe vertreten ist: Bereits im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse hatte es einen Streit um den Standort der Wochenzeitung "Junge Freiheit" auf der Buchmesse gegeben.

Nicht nur die Journalistin Mariam Lau von der "Zeit" beschäftigte das; sie hatte Sorge vor einer "Diskurshygiene" auf der Buchmesse durch eine mögliche Abschiebung eines Mediums in eine Sackgasse einer Halle. Mit Mariam Lau haben wir uns also über Standorte auf der Buchmesse unterhalten, aber auch über den Stand unserer Debattenkultur und über die Frage: Was ist eigentlich "Rechts" im Diskurs?

Danach gefragt haben wir auch den Comedian und Autoren Oliver Polak, der auf der Buchmesse sein Buch "Gegen Judenhass" vorstellt. Er findet, dass zuviel von Rechts im Diskurs zu finden ist – und würde das alles am liebsten einfach verbieten.

Was ist die Idee bei Lakonisch Elegant?

"Wir haben Regeln, aber haben uns vorgenommen, die Regeln auch zu brechen, sobald wir finden, dass ein Thema vielleicht eine andere Herangehensweise braucht", erzählt Christine Watty im Gespräch mit Dieter Kassel. "Grundsätzlich ist es so gedacht, dass wir uns ein Thema pro Woche nehmen, entweder eins, das wir selber setzen, oder eins, das uns quasi vor die Füße fällt, weil es in den Feuilletons gerade wahnsinnig debattiert wird. Wir wollen keine Aus-Versehen-Podcast-Kulturberichterstattung machen, sondern wirklich hintergründig an die Geschichten herangehen und uns trauen zu experimentieren."

Das vollständige Gespräch mit Christine Watty in Studio 9:
 

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