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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 05.09.2020

Krimibestenliste SeptemberMit Punk an die Spitze

Die Buchcover der ersten drei Plätze der Krimibestenliste im September 2020 stehen auf einer Illustration. (Rowohlt / Unionsverlag / Tropen)
Die Top Drei: Max Annas lässt die gesamte Konkurrenz hinter sich, Garry Disher steigt auf Rang zwei neu ein. Lauren Wilkinson schafft den Sprung von neun auf drei. (Rowohlt / Unionsverlag / Tropen)

Max Annas erzählt im aktuellen Fall der „Morduntersuchungskommission“ von der Punkszene in Jena 1985 und schnellt auf Platz eins unserer Bestenliste. Garry Disher steigt mit "Hope Hill Drive" neu ein und erobert sofort Rang zwei.

Deutschlandfunk Kultur und die Frankfurter Allgemeine Zeitung präsentieren die besten Krimis des Monats.


Das Cover von Max Annas' Buch: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover sind zwei Fotos in verschiedenen Größen zu sehen, Autor und Titel sind in typischer Schreibmaschinenschrift gedruckt. Ein Gummi scheint horizontal und vertikal über das Ensemble gespannt zu sein. (Rowohlt / Deutschlandradio)Max Annas: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit" (Rowohlt / Deutschlandradio)

Gera, Jena 1985. Melchior war Bassist einer Punk-Band. Jetzt liegt der 19-Jährige tot im Schuppen. Die Ermittler stöbern im unsozialistischen Familiendreck: Kriegsverbrechen, Diebstahl, Prügel. Freundin Julia erzählt von Aufbruch, Musik, Liebe und Verrat. Hommage an den Punk und die Sehnsucht, frei zu sein.

Unsere Rezension

1 (6) Max Annas: "Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit"
Rowohlt, Hamburg 2020
336 Seiten, 20 Euro


Das Cover von Garry Dishers Buch "Hope Hill Drive" auf orange-weißem Hintergrund. (Unionsverlag / Deutschlandradio)Garry Disher: "Hope Hill Drive" (Unionsverlag / Deutschlandradio)

Tiverton, South Australia. Alles wie immer: Es wird geklaut, gesoffen, geprügelt. Hirsch, allein auf sehr weiter Flur, ist ein "freundlicher Dorfpolizist". Da wird eine Frau erschossen, zwei Kinder fliehen, Hauptstadt-Cops schaffen Chaos. Große Literatur, entstanden aus Kleinem.

Unsere Rezension

2 (-) Garry Disher: "Hope Hill Drive"
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Unionsverlag, Zürich 2020
336 Seiten, 22 Euro


Das Cover von Lauren Wilkinsons Buch "American Spy" auf orange-weißem Hintergrund. Das Cover zeigt schematisch eine Schwarze Frau in einem Ringelshirt, die ein Tuch mit Sternen über die linke Schulter trägt, so dass die Gesamtansicht an die US-Flagge erinnert. Der Hintergrund ist monochrom gelb. (Tropen / Deutschlandradio)Lauren Wilkinson: "American Spy" (Tropen / Deutschlandradio)

USA, Burkina Faso. Ein überlebter Mordanschlag zwingt Marie Mitchell, sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Die CIA engagierte die ehrgeizige Afroamerikanerin einst als Honigfalle für den charismatischen Präsidenten von Burkina Faso. Nicht eingeplant im Kalten Krieg: die Liebe. Obama hat es gern gelesen.

Unsere Rezension

3 (9) Lauren Wilkinson: "American Spy"
Aus dem Englischen von Jenny Merling, Antje Althans, Anne Emmert und Katrin Harlaß
Tropen, Stuttgart 2020
352 Seiten, 16 Euro


Das Cover von Parker Bilals Krimi "London Burning" auf orange-weißem Hintergrund. (Rowohlt / Deutschlandradio)Parker Bilal: "London Burning" (Rowohlt / Deutschlandradio)

London. Scharia-Fake? Die Frau des Immobilienmoguls Thwaite und ein Japaner liegen gesteinigt in der Baugrube einer Luxuswohnanlage. DS Drake und Partnerin ermitteln unter Gentrifizierungs- und Irakkrieg-Traumatisierten, rechten Schlägern und rechtgläubigen Migranten. London vor der Auflösung.

4 (-) Parker Bilal: "London Burning"
Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer
Rowohlt, Hamburg 2020
496 Seiten, 12 Euro


Das Cover von Steph Chas Buch: "Brandsätze" auf orange-weißem Hintergrund.Steph Cha: "Brandsätze"

Los Angeles. 1991 wurde die Afroamerikanerin Ava, 15, von der koreanischen Ladenbesitzerin Yvonne erschossen, 2019 wird diese selbst Opfer eines Attentats. Nach einem realen Fall und Mustern en masse erzählt Cha vom Kampf zweier Familien bei dem Versuch, dem Fluch des Rassismus zu entgehen.

5 (-) Steph Cha: "Brandsätze"
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn
ars vivendi, Cadolzburg 2020
336 Seiten, 22 Euro


Buchcover von Zoë Becks "Paradise City", vor einem Aquarell-Hintergrund. (Suhrkamp / Deutschlandradio)Zoë Beck: "Paradise City" (Suhrkamp / Deutschlandradio)
Deutschland in 100 Jahren. Der Norden unter Wasser, Gesundheits-App KOS wacht, fast alle sind zufrieden. Nur Liina und Kollegen widerstehen, sie arbeiten für die "Wahrheitspresse". Erst recht, als eine Kollegin ermordet wird. Gesund sein oder frei sein? Brennende Fragen, zum Mitfiebern.

Unsere Rezension

Unser Gespräch mit Zoë Beck

6 (1) Zoë Beck: "Paradise City" 
Suhrkamp, Berlin 2020
280 Seiten, 16 Euro


Das Cover von Lee Childs Buch "Der Bluthund" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Coverfoto läuft ein Mann mitten auf der Straße mit dem Gesicht vom Leser weg durch eine menschenleere Stadtlandschaft.  (Blanvalet / Deutschlandradio)Lee Child: "Der Bluthund" (Blanvalet / Deutschlandradio)

Wyoming. Beim Umsteigen ersteht Reacher antiquarisch einen Westpoint-Ring, ahnt Schlimmes für die Besitzerin. Im entlegensten Bergtal stößt der Einzelkämpfer, mit Kumpels diesmal, auf reine Opioide, Fluch und für manche auch Segen. Reacher ist zarter als sonst, jedenfalls zu den Guten. Echt stark.

Unsere Rezension

7 (2) Lee Child: "Der Bluthund" 
Aus dem Englischen von Wulf Bergner
Blanvalet, München 2020
448 Seiten, 22 Euro


Das Cover von James Lee Burkes Buch: "Blues in New Iberia" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover-Foto neigen sich Palmen im Wind leicht nach links, im Hintergrund ist eine Laterne zu sehen. (Pendragon / Deutschlandradio)James Lee Burke: "Blues in New Iberia" (Pendragon / Deutschlandradio)

New Iberia. Detective Robicheaux liebt Louisiana "wie eine Religion". Und die wird beschmutzt von einem Serienmörder aus der Mythenfabrik Hollywood: Frauen treiben ans Kreuz genagelt auf dem Meer. Stellen kann das Böse nur, wer den Tod hinter sich gelassen hat. Eine Naturgewalt von einem Roman.

8 (7) James Lee Burke: "Blues in New Iberia"
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Pendragon, Bielefeld 2020
592 Seiten, 22 Euro


Das Cover von Tommie Goerz' Buch "Meier" auf orange-weißem Hintergrund. Auf einem Flachdachgebäude steht auf dem Cover in schwarzen Großbuchstaben "Meier". im Vordergrund ist auf ganzer Höhe des Covers ein Drahtzaun zu sehen. (ars vivendi / Deutschlandradio)Tommie Goerz: "Meier" (ars vivendi / Deutschlandradio)

Franken. Zehn Jahre hat Meier unschuldig gesessen für Mord. Jetzt ist er raus, repariert Autos und hebt abgesunkene Scheunen. Schön ist das Leben, schöner die Rache. Im Knast hat er gelernt, wie man Täuscher und Betrüger aufs Kreuz legt. Knochentrocken serviert, die Ballade vom zufriedenen Knacki.

9 (10) Tommie Goerz: "Meier"
ars vivendi, Cadolzburg 2020
164 Seiten, 12,99 Euro


Das Cover von Scott Thornleys Buch: "Der gute Cop" auf orange-weißem Hintergrund. (Suhrkamp / Deutschlandradio)Scott Thornley: "Der gute Cop" (Suhrkamp / Deutschlandradio)

Dundurn am Ontariosee. Leichen im Hafenbecken, wo ein Museum Dundurns Zukunft werden soll. Superintendent MacNeice ist gefragt, ein resoluter Diplomat der Aufklärung, dem nichts entgeht. US-Veteranen, ein Biker-Krieg, dazu ein Serienmörder – Mac hat zu tun in seinem ersten deutschen Fall.

10 (-) Scott Thornley: "Der gute Cop"
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet und Andrea O'Brien
Suhrkamp, Berlin 2020
523 Seiten, 16 Euro


Alles über Mord und Totschlag: Unser Krimiportal informiert über die aktuellen Trends in der Kriminalliteratur und stellt die wichtigsten Neuerscheinungen vor.


Wie funktioniert die Abstimmung?

Die Krimibestenliste wird im Auftrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und von Deutschlandfunk Kultur durch eine Jury aus Kritikerinnen und Kritikern erstellt.

Es sind 19 Spezialistinnen und Spezialisten für Kriminalliteratur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die aus der laufenden Produktion monatlich jeweils vier Titel vorschlagen, die sie mit sieben, fünf, drei oder einem Punkt bewerten.

Der so gefundene Punktwert pro Titel wird mit der Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen multipliziert. Daraus wird die monatliche Liste berechnet.

Jedes Jurymitglied darf insgesamt drei Mal für denselben Titel votieren. Voten für Titel, an deren Entstehung oder Vorbereitung man beteiligt war, sind verboten. Die Titel dürfen nicht älter als zwölf Monate und keine Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien sein. Unterschiede zwischen Hardcover, Paperback und Taschenbuch werden nicht gemacht.

Im Durchschnitt kommen fünf Titel neu auf die monatliche Liste. Die Ziffer in Klammern gibt den Rang des Vormonats an.

Die Jury:

Tobias Gohlis, Sprecher der Jury
Volker Albers, "Hamburger Abendblatt"
Andreas Ammer, "Druckfrisch", ARD 
Gunter Blank, "Rolling Stone" 
Thekla Dannenberg, "Perlentaucher" 
Hanspeter Eggenberger, "Tages-Anzeiger" 
Fritz Göttler, "Süddeutsche Zeitung" 
Jutta Günther, "Radio Bremen Zwei" 
Sonja Hartl, "Zeilenkino", "Crimemag", "Deutschlandfunk Kultur"
Hannes Hintermeier, "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 
Peter Körte, "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"
Alf Mayer, "CulturMag", "Strandgut"
Kolja Mensing, "Deutschlandfunk Kultur" 
Marcus Müntefering, "Der Spiegel" 
Ulrich Noller, "Deutschlandfunk Kultur", "Deutschlandfunk", "SWR", "WDR"
Frank Rumpel, "SWR" 
Ingeborg Sperl, "Der Standard" 
Sylvia Staude, "Frankfurter Rundschau" 
Jochen Vogt, "NRZ", "WAZ"

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