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Kommentar | Beitrag vom 06.05.2020

Kitas öffnenWarum Kinder systemrelevant sind und Fußballprofis nicht

Von Henry Bernhard

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Ein Mädchen auf dem Fahrrad steht vor der Fassade einer Kita mit der Aufschrift "Wir vermissen euch". (Picture Alliance / dpa / Franziska Kaufmann)
Endlich wieder in die Kita: Für Eltern wie Kinder ist sie (über)lebenswichtig, meint Henry Bernhard. (Picture Alliance / dpa / Franziska Kaufmann)

Wer Kitas weiter geschlossen hält, schadet Kindern wie Eltern. Die Eltern fehlen als Arbeitskräfte. Das wiederum lähmt die Wirtschaft. Fünf Gründe, warum Kitas wieder geöffnet werden müssen – und nicht die Bundesliga.

Erstens

Ach ja, da waren ja auch noch Kinder! Was können wir gleich mit denen machen? Ach, die bleiben zu Hause, da wird sich schon jemand kümmern. Die Mütter sicher, und nach einer gewissen Phase auch die Omas. Weil sie es nicht mehr aushalten. Die Mütter nicht mehr mit den Kindern und die Omas nicht mehr ohne die Kinder. Nein, so einfach ist es nicht. Kinder sind ernst zu nehmen.

Zweitens

Kinder sind systemrelevant. Weil sie unsere Zukunft sind, weil wir sie nicht auf unbestimmte Zeit wegsperren können, ohne Freunde, ohne Input von außen. Weil wir ihnen einen Teil ihres Lebens nehmen. Weil eine Woche für sie so lange dauert wie ein Monat für uns Erwachsene. Weil sie Abhängige sind. Abhängig von uns. Sie können sich nicht mal eben absetzen, allein was unternehmen.

Drittens

Kinder sind systemrelevant. Denn es gibt viel mehr Kinder als Fußballprofis! Und wenn Kinder nicht in den Kindergarten gehen können, sind sie nicht nur selbst gelähmt, sondern auch ihre Eltern. Wenn der Kindergarten nicht funktioniert, werden auch andere Systeme gelähmt. Namentlich die Wirtschaft.

Viertens

Auch wenn ich mir jetzt damit nicht nur Freunde mache: Nein, es ist NICHT systemrelevant, es ist noch nicht einmal wichtig, wenn erwachsene Männer, wenn Millionäre einem Ball hinterherlaufen. Und wie wir hören, sind sie in der Kabine auch nicht vernünftiger im Abstandhalten als Fünfjährige.

Fünftens

Fußball kann auch im Kindergarten gespielt werden. Jungs und Mädchen durcheinander, ohne Abseitsfalle, dafür aber mit garantiert viel Spaß und Leidenschaft. Werbefrei.

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