KI-generierte Bilder

Der gefälschte Holocaust

Ein Besucher der Gedenkstätte Auschwitz betrachtet Fotos ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers Auschwitz
In der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Auschwitz: Nur echte historische Fotos erzählen die Wahrheit. © picture alliance / Jakub Porzycki
Bilder zum Holocaust wirken oft besonders bewegend und erschütternd. In den sozialen Medien generieren sie daher große Reichweiten. Doch viele sind inzwischen KI-generierte Fälschungen.
Ein Posting in den sozialen Medien zeigt ein Schwarz-weiß-Foto: Man sieht einen sehr abgemagerten Mann mit entblößtem Oberkörper, der Geige spielt. Er geht in einer Menge anderer, ebenfalls stark abgemagerter Menschen. Tönung und Gestaltung des Bildes suggerieren, dass es sich um eine historische Aufnahme handelt. Das Bild erinnert stark an Fotos von Häftlingen in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. 
"Ein Mann spielt Geige und begleitet Mitgefangene auf dem Weg in die Gaskammern von Auschwitz" – so steht es in der Bildbeschreibung, gepostet bei Facebook. Viele Nutzer kommentierten dieses Foto und zeigten sich stark bewegt. 
Doch das Bild ist eine KI-generierte Fälschung. KI-Fakes zum Holocaust tauchen seit Ende 2025 vermehrt auf und werden zum Problem. Kritiker sehen die Gedenk- und Erinnerungsarbeit zum Holocaust gefährdet. 

Was ist auf den KI-generierten Bildern zum Holocaust zu sehen?

KI-generierte Fotos finden sich in allen sozialen Medien, vor allem bei Facebook und YouTube. Sie zeigen vermeintliche Szenen aus dem Leben der in den Konzentrationslagern Inhaftierten. Es kursieren etwa Bilder, die angebliche Begegnungen zwischen Gefangenen und KZ-Befreiern zeigen oder erfundene Szenen mit weinenden Kindern hinter Stacheldraht.
Häufig sind die Bilder stark emotionalisiert, zum Teil verfälschen sie auch die historische Wahrheit, indem die dargestellten Häftlinge zum Beispiel relativ gut genährt sind. KZ-Häftlinge waren in der Regel stark unterernährt, geschwächt und dem Tod nahe. 

Wie sind die Bilder als KI-Fälschungen zu erkennen?

Aus den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten wie beispielsweise Auschwitz gibt es nur wenige Bilder aus der Zeit vor der Befreiung. Zudem entstanden Bilder aus der Sicht von Häftlingen erst nach den Lagerbefreiungen. 
Dennoch sei es nicht einfach, KI-Bilder als solche zu erkennen, sagt Alina Bothe, Historikerin am Selma Stern Zentrum der Freien Universität Berlin. Denn die Qualität von KI-generierten Bildern und Videos sei in den vergangenen Monaten deutlich besser geworden. 
Für ein Forschungsprojekt haben Alina Bothe und ihr Team Deportationsaufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus in einem digitalen Katalog zusammengestellt. Bei ihrer Arbeit zeigte sich: Es werden vor allem jene bearbeiteten Aufnahmen zum Problem, die nicht völlig frei generiert, sondern nur in Details manipuliert wurden. 
In diesem Fall sei es schwer, sicher zu urteilen, betont Bothe. Oft kann die Historikerin allein anhand des historischen Kontextes entscheiden, ob eine Aufnahme echt oder KI-generiert ist. 

Warum sind KI-generierte Bilder zum Holocaust problematisch?

Die KI-generierten Fotos (und Videos) suggerieren, der nationalsozialistische Terror in den KZs sei fotografisch genau dokumentiert worden. Da aber tatsächlich nur relativ wenige historische Aufnahmen davon existieren, wird Geschichte mit den Fälschungen zur Erfindung, sagt der Wissenschaftsjournalist Maximilian Brose. 
Gefällig gestaltete oder „verkitschte“ KI-Fakes können zudem die tatsächlichen Gräueltaten relativieren, kritisiert die Historikerin Alina Bothe. Auf diese Weise würden historische Fakten verwässert. 
Gefälschte Aufnahmen können auch Zweifel am historischen Ereignis fördern – oder sogar dazu benutzt werden, es in Frage zu stellen. Bis zur Leugnung des Holocaust ist es dann nicht mehr weit.
Schließlich beuteten KI-Fakes die realen Schicksale der Überlebenden aus, sagt Astrid Hohmann von der Gedenkstätte Sachsenhausen. Dabei gehe es auch um ökonomische Interessen: Mit wenig Aufwand würden durch gefälschte Bilder große Reichweiten und damit Werbeeinnahmen erzielt.
Die Posts nutzten dazu „die emotionale Wucht des Holocaust“. Doch die Familiengeschichten und Traumata der Überlebenden und ihrer Nachfahren würden dabei entwertet.

Wie lässt sich gegen Fälschungen von Holocaust-Bildern vorgehen?

Gedenkstätten wie Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau und Ravensbrück sowie verschiedene Stiftungen und Initiativen haben sich in einem offenen Brief direkt an die Plattformbetreiber gewandt. Die Postings entwerteten die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven und Forschungseinrichtungen und untergruben ihre Glaubwürdigkeit, kritisieren sie.
Astrid Hohmann von der Gedenkstätte Sachsenhausen fordert, dass „aktiv von den Plattformen gegen diese Inhalte vorgegangen wird, dass Accounts gelöscht werden, die solche Inhalte produzieren, (und) dass Nutzerinnen die Möglichkeit bekommen, solche Inhalte zu melden“.  
Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat inzwischen auch ein Vorgehen der EU gegen die Verbreitung KI-generierter Holocaust-Bilder und -Filme verlangt.  
Die UNESCO warnte bereits 2024, KI ermögliche es, Zeugenaussagen oder historische Aufzeichnungen zum Holocaust zu verfälschen. Besonders auf Jugendliche wirkten automatisiert erzeugte Bilder und Audios mitunter überzeugend. 
Meta hat nach eigenen Angaben einige solcher Accounts gelöscht – und verweist auf seine Communityrichtlinien sowie auf externe Faktencheck-Organisationen, die Falschinformationen als solche auf den Plattformen markieren.
YouTube teilte mit, dass alle hochgeladenen Inhalte den Communityrichtlinien unterliegen. Diese verbieten etwa demokratiegefährdende Falschinformationen.

Onlinetext: Catherine Shelton / Quellen: Deutschlandfunk, Agenturen
KI und Geschichte