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Lesart / Archiv | Beitrag vom 24.01.2019

Bücherboom über BäumeSehnsucht nach der harmonischen Solidargemeinschaft

Von Eva Hepper

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Ein Wald an der Schwäbischen Alb, Baden-Wuerttemberg, Deutschland (imago / Westend61)
Der Wald: Sehnsuchts- und Erholungsort zugleich (imago / Westend61)

2015 offenbarte Peter Wohlleben "Das geheime Leben der Bäume" - seitdem gibt es einen Bücherboom zum Thema. Fast alle Werke haben einen ähnlichen Ansatz: Bäume werden als Persönlichkeiten beschrieben, die in einem perfekten Beziehungssystem leben.

2015 traf der Förster und Autor Peter Wohlleben einen Nerv: Sein Buch über "Das geheime Leben der Bäume" stand monatelang auf der Bestseller-Liste; bis heute haben sich 1,5 Millionen Exemplare verkauft (gemeinsam mit Wohllebens zahlreichen Nachfolgern wie "Das geheime Netzwerk der Natur", "Das Seelenleben der Tiere", "Der Wald. Eine Entdeckungsreise" und "Gebrauchsanweisung für den Wald").

Tatsächlich hat Peter Wohlleben damit einen Trend gesetzt. Denn seither boomen Bücher über Bäume.

2018/19 ist die Fülle an Publikationen kaum noch zu überblicken. Es gibt naturwissenschaftliche ebenso wie kulturwissenschaftliche Werke, Reisebücher, Wanderführer, Kochbücher, Meditationsbücher ("Waldbaden"), Fotobände und natürlich auch Kinderbücher.

Starkes Interesse an ökologischen Zusammenhängen

Wie ist das zu erklären? Zum einen mit einer sensibilisierten Öffentlichkeit: In Zeiten des Klimawandels gibt es ein starkes Interesse an ökologischen Zusammenhängen, an einem schonenden Umgang mit Ressourcen, an artgerechter Tierhaltung.

Zum anderen wird der Wald zur idealen Gegenwelt angesichts globaler Bedrohungen. Denn in fast allen Büchern kommt ein ähnlicher Erzählstrang vor: Bäume werden als Persönlichkeiten beschrieben, die in einem perfekten Beziehungssystem leben.

Sie sind Individuen, und sind doch nicht lebensfähig ohne Netzwerke. Sie leben in scheinbar harmonischer Solidargemeinschaft miteinander, haben ein ausgetüfteltes Kommunikationssystem und interagieren mit anderen Lebensformen (Pilze!).

Der Baum wird als Wunder der Natur gefeiert - und der Wald als Ideal einer im Geben und Nehmen ausbalancierten Gemeinschaft. "Kein Baum ist eine Insel", heißt es bei Rudi Palla.

Der Wald als Sehnsuchts- und Erholungsort

Außerdem ist der Wald seit jeher ein deutscher Sehnsuchtsort; Schauplatz von Märchen, Mythen und Sagen. Auch in anderen Traditionen ist der Wald Schauplatz zahlloser Mythen und Heimat von Göttern und Geistern.

Zu guter Letzt versprechen Bäume und Wald einfach Freude, Erholung, Kontemplation! Es geht um das Glück des einfachen Lebens im Einklang mit der Natur und fern des digitalen Alltags.

Das alles spiegelt sich in den Büchern wider.

Vorgestellte Bücher:

David Suzuki/Wayne Grady: "Der Baum. Eine Lebensgeschichte"
oekom Verlag 2018
208 Seiten, 19,95 Euro

Annette Lavrijsen: "Shinrin Yoku - Waldbaden. Die heilende Kraft der Natur"
aus dem Niederländischen von Simone Schroth
Bastei Lübbe Verlag 2018
240 Seiten, 16,- Euro

David G. Haskell: "Der Gesang der Bäume. Die verborgenen Netzwerke der Natur"
aus dem Englischen von Christine Amman
Verlag Antje Kunstmann 2017
320 Seiten, 24,- Euro

Rudi Palla: "Unter Bäumen. Begegnung mit den größten Lebewesen"
Edition Zeitblende im AT Verlag 2018
228 Seiten, 34,- Euro

Hannah Brückner: "Mein fantastisches Baumhaus"
Leporello, Jacoby und Stuart Verlag 2018
32 Seiten, 19,- Euro

Piotr Socha/Wojciech Grajkowski: "Bäume"
aus dem Polnischen von Thomas Weiler
Gerstenberg Verlag 2018
80 Seiten, 25,- Euro

Mehr zum Thema

Aufwachsen ohne Naturerfahrung - Kein Kindlein steht im Walde
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 23.10.2018)

Waldbaden - Das Ziel: Nicht mehr in Wörtern denken
(Deutschlandfunk Kultur, Echtzeit, 12.5.2018)

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(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 15.3.2018)

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