Seit 05:05 Uhr Studio 9
Freitag, 17.09.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Lesart / Archiv | Beitrag vom 17.12.2020

Bücher zum VerschenkenThorsten Nagelschmidt empfiehlt "Tage ohne Ende" von Sebastian Barry

Von Thorsten Nagelschmidt

Ein Treck auf dem Cover des Buches "Tage ohne Ende" zieht dem Sonnenuntergang entgegen.  (Steidl / Deutschlandradio)
Der Freiheit entgegen: Sebastian Barrys Roman schreibt Western neu. (Steidl / Deutschlandradio)

Auch wenn Thorsten Nagelschmidt nicht mehr Weihnachten feiert, verschenkt er gerne Bücher. Dieses an seinen Freund Paule, mit dem er unbedingt darüber sprechen möchte. Und er hofft, dass Paule auch das neueste Buch von Barry liest: "Tausend Monde".

»Tage ohne Ende« gehört zu den besten Büchern, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Der Roman spielt zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs und danach, es geht um die Unionssoldaten John Cole und Thomas McNulty, die außerdem ein Liebespaar sind und Tänzer und vieles mehr, und die dann zu Ziehvätern eines kleinen indigenen Mädchens aus dem Lakota-Stamm werden.

Eine Art queerer Western

Eine Art queerer Western, bei dem es um Bürgerkrieg geht, um Gewalt und Genozid und Männlichkeit und Crossdressing und den wilden weiten Westen der Vereinigten Staaten von Amerika. Und das alles in einem völlig einzigartigen Sound. Der formal ungebildete irische Auswanderer Thomas McNulty erzählt in einem an Oral History, also an gesprochener Sprache orientierten und eher berichthaften Tonfall, der dabei aber auf eine sehr eigene Weise wahnsinnig poetisch ist.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Leichtfüßig und selbstverständlich

Wie der übrigens ebenfalls irische Autor Sebastian Barry recherchiert haben muss, damit das alles dermaßen leichtfüßig und selbstverständlich klingt, man kann es nur erahnen.

Übersetzt wurde das Buch von Hans Christian Oeser, der dafür – völlig zurecht – einen renommierten Preis gewonnen hat. Und dann überzeugt das Buch auch noch optisch und haptisch, weil es im Steidl-Verlag erschienen ist und Bücher von Steidl sich immer besonders gut anfassen.

Ich schenke dieses Buch meinem Freund Paule, weil er es lieben wird und weil er sich dann noch den neuen Roman von Sebastian Barry kaufen kann, "Tausend Monde", der gerade erschienen ist und in dem all diese Figuren wieder auftauchen – und weil wir dann darüber reden können. Man muss mehr über Bücher reden, nicht immer nur über Serien.

Sebastian Barry: "Tage ohne Ende"
Übersetzt von Hans-Christian Oeser
Steidl Verlag, Göttingen 2018
256 Seiten, 22 Euro

Mehr zum Thema

Thorsten Nagelschmidt über seinen Roman "Arbeit" - Das Feiern der Anderen
(Deutschlandfunk Kultur, Lesart, 05.06.2020)

Thorsten Nagelschmidt: "Arbeit" - Das Haifischbecken namens Leben
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 07.05.2020)

Sebastian Barry: "Tausende Monde" - Rache im Schatten des Bürgerkriegs
(Deutschlandfunk Kultur, Buchkritik, 19.11.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Lesart

Clemens Meyer: "Stäube"Die Faszination des Unterirdischen
Porträt von Clemens Meyer in einer dunklen Jacke.  (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

In seinem Erzählband "Stäube" nimmt Clemens Meyer seine Leser mit unter Tage. Von der Erdoberfläche zu verschwinden, habe ihn als Metapher gereizt, erzählt Meyer. In drei Geschichten geht es buchstäblich und im übertragenen Sinne in den Untergrund.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur