Bücher über Philosophinnen

    Immer wieder vergessen, immer wieder erinnert

    09:47 Minuten
    Das Foto zeigt einen Holzschnitt aus der Mitte des 19. Jahrhundert: Eine Frau wird am Boden liegend gezogen, Oberkörper und Kopf hält sie nach oben, auch gehalten von zwei Männern vor ihr. Hinter ihr stehen mehrere Männer, einer hebt einen Stein zum Wurf. Im Bildzentrum steht ein Mann in weiß gekleidet hinter der Szene.
    Im fünften Jahrhundert nach Christus ermordet: Die Philosophin Hypatia wird im Buch von Rebecca Buxton und Lisa Whiting porträtiert. © imago / Photo12 / Ann Ronan Picture Library
    Von Catherine Newmark · 20.08.2021
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    Es ist eine Krux: Selbst Denkerinnen, die zu Lebzeiten sehr bekannt waren, fallen regelmäßig wieder aus dem Kanon der Philosophie. Drei neue Bücher, allesamt sehr zugänglich, widmen sich nun ausschließlich Philosophinnen.
    Warum wir uns Philosophie und Philosophen fast immer männlich denken, ist eines der großen Rätsel der Geschichte – vor allem wenn man bedenkt, wie viele Frauen am Geschäft des Denkens seit der Antike immer beteiligt waren.
    In periodischen Abständen erscheinen darum Bücher, die an die Philosophinnen erinnern – und das schon seit Jahrhunderten: von Auflistungen gelehrter Frauen im 15. und 16. Jahrhundert über die ausführliche "Geschichte der Philosophinnen" von Gilles Ménage aus dem Jahr 1690 bis zu den in den 1980er und 1990er – zur Hochzeit der Etablierung von Frauenforschung an Universitäten – erschienenen Standardwerken von Marit Rullmann und Mary Ellen Waithe.
    Dass Philosophinnen auch im Jahr 2021 wiedererinnert werden müssen, belegen gleich drei neue Titel zum Thema, die sich an ein breites Publikum wenden.

    Armin Strohmeyr: "Große Philosophinnen. Wie ihr Denken die Welt prägte"
    Piper, München 2021
    320 Seiten, 12 Euro

    Das gerade erschienene Buch von Armin Strohmeyr, "Große Philosophinnen. Wie ihr Denken die Welt prägte. 10 Porträts", ist von diesen das Konventionellste. Von dem Sachbuchautor stammen auch Titel wie "Einflussreiche Frauen. 12 Porträts", "Abenteuer reisender Frauen. 15 Porträts" und "Geheimnisvolle Frauen. Rebellinnen, Mätressen, Hochstaplerinnen".

    Von Hildegard von Bingen bis Hannah Arendt

    Er erzählt hübsch, aber ohne besonderen feministischen Impetus die Lebens- und Werkgeschichten von zehn ohnehin recht bekannten Denkerinnen: von der mittelalterlichen Mystikerin und Begründerin der deutschsprachigen Philosophie Hildegard von Bingen bis zu den erwartbaren Größen des 20. Jahrhunderts, Simone de Beauvoir und Hannah Arendt.

    Rebecca Buxton/Lisa Whiting (Hrsg.): "Philosophinnen. Von Hypatia bis Angela Davis: Herausragende Frauen der Philosophiegeschichte"
    Mairisch Verlag, Hamburg 2021
    240 Seiten, 22 Euro

    Akademisch ehrgeiziger im Anspruch, wenn auch der Form nach sogar noch populärer gehalten, sind die 20 Kurzporträts von Denkerinnen, die der Band "Philosophinnen. Von Hypatia bis Angela Davis: Herausragende Frauen der Philosophiegeschichte" versammelt. Der Band beginnt mit zwei antiken Philosophinnen und landet dann relativ schnell im 20. Jahrhundert.
    Die Herausgeberinnen, die beiden jungen britischen Philosophinnen Rebecca Buxton und Lisa Whiting, reflektieren einleitend explizit die frustrierende Erfahrung, dass auch Denkerinnen, die in ihrer eigenen Zeit einflussreich waren, es kaum je in die großen "Geschichten der Philosophie" schaffen.

    Aus der Kanonbildung verdrängt

    Es ist ein irritierender Umstand, dass offensichtlich zu den Hürden der jeweiligen Zeit, die Frauen überwinden mussten, wenn sie an der gelehrten Öffentlichkeit teilnehmen wollten, noch eine weitere Hürde hinzukommt: die historische Verdrängung aus der Kanonbildung.
    Den Band zeichnet zudem das Bemühen aus, auch außereuropäische Philosophinnen einzubeziehen, wie die antike chinesische Denkerin Ban Zhao oder – für die Gegenwart – die nigerianische Philosophin Sophie Bosede Oluwole, die von der finnisch-nigerianischen Journalistin Minna Salami lebhaft gewürdigt wird.

    Ingeborg Gleichauf: "Wir wollen verstehen. Geschichte der Philosophinnen"
    Mit Illustrationen von Peter Schössow
    dtv, München 2021
    256 Seiten, 16,95 Euro

    Den größten Überblick über die weibliche Denkgeschichte bekommt man wahrscheinlich bei Ingeborg Gleichauf, deren Buch "Wir wollen verstehen. Geschichte der Philosophinnen" die ganze Geschichte des europäischen Denkens von der Antike bis heute durchgeht und für jede Epoche eine Fülle von Frauen porträtiert. Beigefügt sind Porträts der jeweiligen Philosophin von Illustrator Peter Schössow und ein Kasten mit leicht konsumierbarem Werkausschnitt.

    Zugänglich und illustriert

    Damit ist der Band ebenfalls äußerst zugänglich. Er stellt die Geschichte der Philosophinnen in ihrer ganzen Breite vor: von antiken Pythagoreerinnen über mittelalterliche Mystikerinnen, Renaissance-Feministinnen, Universalgelehrte des 17. Jahrhunderts, Aufklärerinnen und Vorläuferinnen der modernen Frauenbewegung bis zu den einflussreichen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts.
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