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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 27.10.2016

BlackfacingLeider verstehe ich hier keinen Spaß

Von Susanne Burkhardt

Aufruf zum Blackfacing in der ZDF-Show "Wetten dass" am 13. Dezember 2013: Hier schminkten und verkleideten sich viele Augsburger Bürger als Jim Knopf bzw. Lukas der Lokomotivführer. (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)
Aufruf zum Blackfacing in der ZDF-Show "Wetten dass" am 13. Dezember 2013: Hier schminkten und verkleideten sich viele Augsburger Bürger als Jim Knopf bzw. Lukas der Lokomotivführer. (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)

Sketche, in denen sich weiße Menschen schwarz anmalen, um Schwarze abzubilden, sollten tabu sein, kommentiert Susanne Burkhardt. Bei "Verstehen Sie Spaß?" hatte sich Moderator Cuido Cantz als Schwarzer verkleidet.

Was haben sich eigentlich die Programmverantwortlichen des SWR gedacht, als sie ihren Moderator Cuido Cantz, als Schwarzen verkleidet, in der Sendung "Verstehen Sie Spaß" einen Schweizer Moderator irritieren ließen? Lange hat die Maske des Senders daran gearbeitet, dem Scherzmoderator möglichst wulstig dicke Lippen und eine breite Nase in das Gesicht zu basteln, damit er nicht zu erkennen sei.

"Ich finde das nicht rassistisch," sagt Barbara Breitenbach, Programmverantwortliche vom SWR im Interview mit Deutschlandradio Kultur. Und ergänzt schockierend naiv: "Diese Masken richten sich immer nach seiner Gesichtsform und arbeiten damit und (…) ich kann nicht empfinden, dass es von vornherein eine üble Karikatur ist, die wir da zeigen".

Weil Menschen sich verletzt fühlen könnten

Spätestens seit der "Blackfacing"-Debatte, die im Theater begann und dann das Kino und die Gesellschaft erfasste, allerspätestens nach dem geschmacklosen Auftritt Denis Schecks, der schwarz geschminkt mit weißen Handschuhen, in schönster Minstrel-Show-Tradition, vor die ARD-Kamera der Sendung "druckfrisch" trat,  um der Diskussion über rassistische Sprache in Kinderbüchern seine Sicht hinzuzufügen, sollten Sketche wie dieser tabu sein. Warum? Weil nicht die vorrangig weißen Programmmacher aus ihrer Mehrheitssicht zu entscheiden haben, wann eine Karikatur rassistisch ist und wann eben nicht. Weil sich Menschen durch eine solche Darstellung verletzt fühlen können.

Moderator Cuido Cantz am 25.10.2016 in München vor der Aufzeichnung der Sendung "Verstehen Sie Spaß?" (dpa / picture alliance / Tobias Hase)Moderator Cuido Cantz am 25.10.2016 in München vor der Aufzeichnung der Sendung "Verstehen Sie Spaß?" (dpa / picture alliance / Tobias Hase)

Eine Grundsensibilität für dieses Thema sollte auch bei den Programmmachern des SWR anzutreffen sein. Skandalös ist daher vor allem, dass man sich dort offenbar keinen Moment darüber Gedanken gemacht hat, dass diese Form der Maske rassistisch anmuten könnte.

Klar, niemand will hier rassistisch sein, das betont auch Barbara Breidenbach: "Ich finde auch, dass Cuido Cantz sich in diesem Sketch nicht über Afrikaner im Allgemeinen und speziellen lustig macht. Das ist in keinem Fall unsere Intention gewesen".

Sie argumentiert dann aber, als wären die Fernsehmacher noch in den 80er-Jahren steckengeblieben: "Das ist eine Verlade. Ob Sie das komisch finden oder nicht, es gab auch diverse Menschen, die das sehr lustig fanden."

Ja, möchte man anfügen, das muss man sich leider vorstellen. Aber leider verstehe ich hier keinen Spaß.

Mehr zum Thema:

Blackfacing - Wo hört der Witz auf?
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 26.10.2016)

"Othello" am Gorki-Theater Berlin - Lehrstück rassistischer Ideologien?
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(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 19.2.2016)

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