Art Cologne: Kritik am Kunstbetrieb

Karriere in der Kunst? Nur ohne Kind

07:27 Minuten
Eine Frau mit einem Kinderwagen in einer Galerie vor einem leeren weißen Bild.
Muttersein im Kunstbetrieb - eine heikle Angelegenheit. © Getty Images / sinology
Carsten Probst im Gespräch mit Eckhard Roelcke · 20.11.2022
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Zum Abschluss der Art Cologne beklagt eine Galeristin die Familienfeindlichkeit des Kunstbetriebs. Auch die Klimabilanz der Szene werde vielfach bemängelt, berichtet der Kunstkritiker Carsten Probst.
Der Umgang mit Frauen und die Klimabilanz: Im Hinblick auf beide Themen hat sich die Kunstszene zuletzt wenig fortschrittlich gezeigt. Zum Abschluss der Art Cologne wollte die Messe deshalb ein Zeichen setzen und den eigenen Betrieb kritisch hinterfragen. Es bewege sich wenig - und wenn, dann nur durch gesellschaftlichen Druck, zieht Kunstkritiker Carsten Probst ein erstes Fazit aus den Veranstaltungen.

Kinderlos um der Karriere willen

Petra Martinetz aus Köln, Inhaberin einer mittelgroßen Galerie, spricht von einer "systemischen Familienfeindlichkeit des Kunstmarktes": "Bei mir haben alle Künstlerinnen keine Kinder. Sie haben das entschieden, weil sie Angst haben, dass sonst die Karriere vorbei ist."
Auch Kritiker Carsten Probst kann das von zahlreichen ihm bekannten Künstlerinnen bestätigen. Sie hätten viele Jahre "Seelenqualen" gelitten, weil sie glaubten, sich in einem bestimmten Alter für Kinderwunsch oder Karriere entscheiden zu müssen. Von Galeristinnen sei ihnen das auch immer wieder eingebläut worden, berichtet er: "Wenn du ein Kind hast, war's das mit deiner Karriere."

Durchwachsene Klimabilanz

Auch die Klimabilanz des Kunstbetriebs war ein Thema zum Abschluss der Art Cologne. Der dänische Künstler Tue Greenfort sagte, er sehe einen Widerspruch zwischen der Ausstellung schöner Landschaftsgemälde und der Ökobilanz des internationalen Kunstbetriebs mit seinem Leihverkehr und den Tourismus-Events.
Im deutschen Ausstellungsbetrieb sei der internationale Leihverkehr zwar viel weniger geworden, meint Kritiker Probst dazu. Das könnten allerdings auch noch Folgen der Corona-Zeit sein.
Till Fellrath, Co-Direktor des Museums Hamburger Bahnhof in Berlin, kündigte an, künftig die Klimatisierung der Riekhallen auszuschalten. In dem 300 Meter langen Anbau des Museums hänge nur Gegenwartskunst, dort sei das möglich.
Laut Yilmaz Dziewior, Direktor des Museums Ludwig in Köln, ist sein Haus das erste in Deutschland mit einer Kuratorin für ökologische Fragen. Das habe aber eher symbolischen Wert, ordnet Probst ein.

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