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Lesart | Beitrag vom 25.04.2019

300 Jahre Robinson Crusoe Die Sehnsucht, der Welt zu entfliehen

Rudolf Mast und Günther Wessel im Gespräch mit Joachim Scholl

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Ein Mann mit langen Haaren und Bart steht, nur mit einer kurzen Hose bekleidet, an einem Meeresstand. Er hält einen Stock in der Hand und schaut in die Ferne. (Slava Bowman, licensed via EyeEm)
Der Roman "Robinson Crusoe" beschwört die Idee von einem einsamen, individuellen Leben. (Slava Bowman, licensed via EyeEm)

Bis heute leben Aussteiger ihren privaten Robinson-Traum nach dem Vorbild der literarischen Figur, sagt Literaturkritiker Günther Wessel. Übersetzer Rudolf Mast erklärt die Herausforderungen einer Neuübertragung.

Abenteuerlust und Schiffbruch: Vor 300 Jahren erschien der Roman "Robinson Crusoe". In ungezählten, oft stark gekürzten Nachdichtungen ging die Geschichte um die Welt. "Robinson Crusoe" heißt der jugendliche Abenteurer, der gegen den Rat seines Vaters zur See fährt, Schiffbruch erleidet und allein auf einer menschenleeren Insel in der Karibik landet. Das Buch war sofort nach seinem Erscheinen am 25. April 1719 eine Sensation und blieb über drei Jahrhunderte ein Bestseller.

Zum 300. Jubiläum ist das Buch des englischen Journalisten Daniel Defoe in einer neuen deutschen Ausgabe erschienen, für die Rudolph Mast als Übersetzer verantwortlich zeichnet.

Ausbruch aus konventionellen Verhältnissen

In unserem Programm spricht Mast von der "klassischen Geschichte" eines jungen Mannes, der ausbrechen will und sich auf den Weg in die Welt macht, dabei viele "einschneidende, schlechte Erfahrungen" macht. Das Buch handele von Gefangenschaft, Sklaverei und Rettung. 

Die Sprache sei sehr "heutig", der Satzbau hingegen "altbacken" und "altertümlich", woraus eine Spannung und ein großer Reiz entstehe, sagt der Übersetzer. Er selbst habe es allerdings als große Herausforderung erlebt, gegen eine lange Traditionsgeschichte vorangehender Übersetzungen anarbeiten zu müssen.

Viele Nachdichtungen erreichen breites Publikum

Der Literaturkritiker Günther Wessel verweist darauf, dass der Roman nach seinem Erscheinen sehr schnell übersetzt, gekürzt und verändert wurde und "das Original gar nicht so wahnsinnig oft gelesen wurde". Diese Nachdichtungen hätten den Roman von "störendem Ballast" befreien wollen. Später sei "Robinson Crusoe" zur reinen Abenteuer- und Jugendliteratur degradiert worden.

Bis heute bediene Robinson Crusoe die "Sehnsucht danach, sich allein und individuell zu fühlen", sagt Wessel. Und noch immer lebten Aussteiger ihren "privaten Robinson" - nach dem Vorbild der literarischen Figur und auf der Suche nach sich selber.

(huc)

Daniel Defoe: Robinson Crusoe
Aus dem Englischen von Rudolf Mast
Mare-Verlag, 400 Seiten, 42 Euro

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