Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Lesart / Archiv | Beitrag vom 18.08.2015

Plagiate im Self-Publishing"Jeder Fall muss genau geprüft werden"

Jan Bernd Nordemann im Gespräch mit Joachim Scholl

Podcast abonnieren
Jan Bernd Nordemann, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, vorm Funkhaus vom Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio/Maurice Wojach)
Jan Bernd Nordemann ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht und war zu Besuch im Funkhaus vom Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio/Maurice Wojach)

Viele Autoren veröffentlichen im Netz ihre Texte. Und genau dort können sie manchmal ihre eigenen Ideen wiederentdecken. Ist das schon ein Plagiat? Der Medienrechtler Jan Bernd Nordemann beschreibt, wie das Urheberrecht auch Self-Publisher schützt.

Self-Publishing ist zum Begriff für einen neuen literarischen Markt im Netz geworden. Was passiert jedoch, wenn man seine Texte plötzlich woanders in Netzt wiederfindet -   beispielsweise als E-Book bei Amazon, aber unter einem anderen Titel und Namen?

Verdachtsfälle müssten vor einer juristischen Auseinandersetzung genau geprüft werden, betonte Jan Bernd Nordemann, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, im Deutschlandradio Kultur:

"Wenn es eine 1:1-Übernahme ist, dann kann man relativ sicher sein, dass man einen guten Fall hat. Urheberrecht schützt nämlich natürlich auch die Self-Publisher. (…) Es ist allerdings nur das geschützt, was man individuell geschaffen hat. Wo man also praktisch sein eigenes Individuum hineingetan hat. Und nicht das, was naheliegend ist, was vielleicht ohne weiteres auch noch jemand anderes schreiben könnte."  

Keine klare juristische Grenze

In vielen Fällen sei es sehr schwierig, eine klare juristische Grenze zwischen einem Plagiat und dem sogenannten "straffreien Ideenklau" zu ziehen, sagte Neumann:

"Ich habe schon viele Prozesse geführt. Da war ich mir eigentlich sicher, dass wir den Prozess gewinnen. Da war ich auf Urheberseite tätig. Und hinterher fanden die Richter doch die Übereinstimmungen als nicht gravierend genug, um von einer Urheberrechtsverletzung auszugehen."

Der Fall des Musicals "Hinterm Horizont" 

Ein komplizierter Fall sei beispielsweise die juristische Auseinandersetzung um Plagiatsvorwürfe bei dem Udo-Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont" gewesen, die seine Kanzlei betreut habe, so schilderte es Nordemann:

"Das, was man Fabel nennt im Urheberrechtlichen, also der allgemeine Handlungsrahmen, die Hauptfiguren und die Geschehnisse, die sich darum ranken -  die stimmen mehr oder weniger identisch überein. Dennoch hat das die Gerichte nicht überzeugt."  

Mehr zum Thema

Self-Publishing-Plattform neobooks - Neue Autorinnen im Wettbewerb
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 20.07.2015)

Buchhandel - Self-Publishing als Talentschmiede
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 22.05.2015)

Neuer Verlag - Betreutes Self-Publishing
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 04.09.2014)

Lesart

Plagiatsvorwürfe gegen Tom KummerKann er nicht anders?
Tom Kummer zu Gast bei der "Lesart" live von der Leipziger Buchmesse (Deutschlandradio / Stefan Fischer)

Hat der Journalist Tom Kummer bei anderen Autoren abgeschrieben? Kummers Verlag bemüht sich um Schadensbegrenzung. Der Literaturjournalist Gerrit Bartels wäre nicht erstaunt, wenn sich noch weitere Plagiate in dem Buch "Nina und Tom" finden.Mehr

Roberto Bolaňos GedichtePhantasmagorie und Wirklichkeit
Der chilenische Schriftsteller Roberto Bolaño, 1953 - 2003; Archivbild (imago/ZUMA Press / Verlag Hanser)

Der Band "Die romantischen Hunde" mit den gesammelten Gedichten Roberto Bolaňos macht Appetit auf das erzählerische Werk des chilenischen Schriftstellers. Für die deutsche Ausgabe wäre allerdings ein Vor- und Nachwort wünschenswert gewesen, sagt unser Rezensent.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur