Zum Tod von Bettina Gaus

    "Sie war unglaublich mutig"

    06:13 Minuten
    Die Journalistin Bettina Gaus im Porträt.
    Die verstorbene Journalistin Bettina Gaus habe auch an anderen eine "klare Kante" geschätzt, sagt "taz"-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann. © picture alliance / Flashpic / Jens Krick
    Ulrike Winkelmann im Gespräch mit Nicole Dittmer · 01.11.2021
    Audio herunterladen
    Meinungsstark und streitbar - so kannten und schätzten viele Kollegen die verstorbene Journalistin Bettina Gaus. Belangloses Geplauder war nicht ihr Ding, die klare Kante dagegen umso mehr, erinnert sich "taz"-Chefredakteurin Ulrike Winkelmann.
    Bettina Gaus zu widersprechen – das musste man sich erst einmal trauen und sich vor einer Diskussion besser warm anziehen. Meinungsstark, streitbar, exzellent in der Analyse des aktuellen politischen Geschehens und immer bestens vorbereitet: So kannten sie nicht nur Leserinnen und Leser von "taz" und "Spiegel", so war sie oft auch im Radio zu hören. Regelmäßig war die Journalistin zu Gast beim Deutschlandfunk Kultur, etwa in der Studio 9-Mittagssendung "Der Tag mit…".
    Am 27. Oktober ist Bettina Gaus im Alter von nur 64 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Diese Nachricht verstörte Kolleginnen und Kollegen wie etwa Ulrike Winkelmann, eine der beiden Chefredakteurinnen der "taz". Seit 1990 arbeitete Gaus für das Blatt – als Afrikakorrespondentin in Nairobi, im Parlamentsbüro, als politische Korrespondentin.
    "Sie war 30 Jahre lang eine prägende Stimme der ‚taz‘, vielleicht die wichtigste zeitweise", sagt Winkelmann. "Und das wusste sie auch. Sie war das Gesicht nach außen, durch ihre enorme sonstige Medienpräsenz, aber eben auch eine wichtige Stimme nach innen."

    Immer bestens vorbereitet

    Egal, ob im Radio oder in TV-Talkshows: Bettina Gaus war keine, die einfach so über Themen plauderte, sondern sich das, worüber sie sprechen oder schreiben wollte, gerne aussuchte und sich dann bestens darauf vorbereitete. Sie habe sich stets gut in ein Thema eingelesen und sich danach im Gespräch "ein unbestechliches und hartes Urteil" erlaubt, bestätigt Ulrike Winkelmann.
    Was Auftritte in Talkshows anbelangt, so habe die 15 Jahre ältere Gaus ihr den einen oder anderen Rat gegeben. Etwa den, dass sie sich bloß nicht die Mühe machen solle, die Fragen der anderen Talkshowgäste zu beantworten, denn das würden die schließlich auch nicht tun. "Es gibt einen Unterschied zwischen Gesprächen, die etwas bedeuten, und Talkshow", habe Gaus gesagt.

    Ohne Rücksicht auf Verluste

    Wichtig bei sich selbst und anderen sei ihr "eine klare Kante" gewesen. So erlebte Winkelmann sie auch in zahlreichen Redaktionskonferenzen bei der "taz". Junge Journalistinnen und Journalisten hätten viel von Bettina Gaus lernen können. Vor allem Unerschrockenheit: "Sie war unglaublich mutig", erinnert sich Winkelmann. "Sie ging immer drauf los – ohne Rücksicht auf Verluste und Gefahren."
    Mehr zum Thema