Lebenslauf-Kontroverse um Annalena Baerbock

    "Sie hätte ihre Glaubwürdigkeit unbedingt schützen müssen"

    08:32 Minuten
    Die beiden Grünen-Vorsitzdenen Robert Habeck und Annalena Baerbock am Rande der Bundesdelegiertenkonferenz ihrer Partei im Gespräch.
    Angesichts verunsicherter Wechselwähler sieht die Journalistin Bettina Gaus Annalena Baerbocks Kanzlerinnenchancen schwinden. © imago images / photothek / Florian Gaertner
    Bettina Gaus und Klaus Remme im Gespräch mit Julius Stucke · 12.06.2021
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    Die Glaubwürdigkeit von Annalena Baerbock ist dahin und damit auch die Aussicht auf die Kanzlerschaft: Davon ist die Journalistin Bettina Gaus überzeugt. Ihr Vorschlag an die Grünen: Robert Habeck, übernehmen Sie!
    Kleinere Ungereimtheiten mit großer Wirkung: Für die Spiegel-Kolumnistin Bettina Gaus hat die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock mit geschönten Angaben zum Lebenslauf ihre Chancen auf die Kanzlerinnenschaft zerstört.
    "Annalena Baerbock hat ein Problem", sagt die langjährige taz-Korrespondentin. "Sie hat überhaupt keine Verwaltungserfahrung, sie war nie in irgendeinem Regierungsamt, sie hat sich nicht mal an verantwortlicher Stelle an Koalitionsverhandlungen beteiligt – einer Koalition, die dann zustande gekommen wäre."
    Angesichts dessen habe Baerbock ihre Glaubwürdigkeit "unter allen Umständen" schützen müssen, betont Gaus. Aber genau diese Glaubwürdigkeit sei jetzt verloren gegangen.

    Beim Parteitag beherrscht Habeck die Szene

    Für die Journalistin wäre die Lösung, dass Baerbock jetzt zugunsten von Robert Habeck auf die Kanzlerkandidatur verzichten solle. Dass das geschieht, glaubt Gaus allerdings nicht: "Das können wir ausschließen."
    Dabei habe Robert Habeck beim Grünen-Parteitag doch ziemlich die Szene beherrscht, wie unser Korrespondent Klaus Remme beobachtet hat. Generell habe es die Parteiführung dort bisher "wahnsinnig leicht", so Remme.
    "Die Delegierten sind eindeutig entschlossen, der Parteiführung den Rücken zu stärken und Regierungswillen zu demonstrieren. Bisher ist noch kein einziger Änderungsantrag von all diesen, über die wir in den leetzten Tagen geredet haben, durchgekommen."

    "Ohne Wechselwähler keine Chance"

    Überraschend sei dieser Schulterschluss nicht, meint Bettina Gaus. "Natürlich rücken Leute zusammen, wenn von außen Kritik kommt."
    Nützen wird das den Grünen ihr zufolge am Ende aber nichts: Denn es gehe nicht um die Parteitagsdelegierten, sondern um Wechelswähler. "Ohne Wechselwähler werden die Grünen keine Chance haben. Und die Wechselwähler sind zumindest verunsichert, wie die jüngsten Umfragen zeigen."
    (uko)
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