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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 05.02.2018

Zirkeltag der Mauer in Berlin"Eigentlich habe ich nur positive Erinnerungen an die Mauer"

Von Manfred Götzke

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Der Fernsehturm in Berlin  (picture alliance/dpa/Foto: Soeren Stache)
Der Fernsehturm in Berlin ist durch eine Lücke in der East Side Gallery zu sehen. (picture alliance/dpa/Foto: Soeren Stache)

Heute ist die Berliner Mauer ebenso lange weg, wie sie da war. Wie prägend, wie präsent ist das Symbol der deutschen Teilung gerade für jüngere Menschen? Wir erhielten sehr unterschiedliche Antworten dort, wo das längste Stück Mauer steht.

Aus bunten Regenbogenwellen blicken einen drei Gesichter an. In die runden Farbwirbel sind die Worte Perestroika und Glasnost eingewebt. Dazwischen versteckt sich ein "Hammer und Sichel"-Symbol.

Das zehn Mal fünf Meter große Gemälde zeigt Geschichte auf geschichtsträchtigem Untergrund. Der Künstler hat es auf die Berliner Mauer gemalt, in Friedrichshain, auf dem längsten noch erhaltenen Teilstück.

Unterwegs an der East-Side-Gallery

Eine 23-jährige Kanadierin mit Kunstführer und Smartphone in der Hand, blickt versonnen in die psychedelischen Gesichter:

"Das ist so schön, ich hab gehört, dass man hier unbedingt hin muss!"
Was wissen Sie denn über die historische Bedeutung dieses Ortes?
"Nicht so viel, um ehrlich zu sein. Ich liebe Kunst, ich bin wegen der Kunst hier"

Mit Glasnost, Perestroika und der DDR kann sie nicht viel anfangen.

Die junge Kanadierin schiebt sich ihre weiße Fellmütze tiefer ins Gesicht, schießt noch ein Handy-Foto und schlendert weiter zum nächsten Bild.

Ich bin unterwegs an der East-Side-Gallery in Friedrichshain. Sie ist in jedem Berlin-Reiseführer erwähnt. Selbst wer nur für ein Wochenende nach Berlin einfliegt, kommt hierher. Auf über 1000 Metern zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke haben Künstler Anfang der 90er-Jahre die Berliner Mauer bemalt, in fast allen Bildern setzen sie sich mehr oder weniger direkt mit der Wende auseinander.

"Es ist ziemlich interessant, sich das hier anzugucken. Wenn man nach Berlin kommt, muss man hier her!"

Bruderkuss: Breschnew küsst Honecker, ein Gemälde von Dimitri Wrubel an einem Rest der Berliner Mauer, East Side Gallery (nach einem Foto von Barbara Klemm). (imago stock&people)Bruderkuss: Breschnew küsst Honecker, ein Gemälde von Dimitri Wrubel an einem Rest der Berliner Mauer. (imago stock&people)

Ein paar Meter neben dem Perestroika-Bild schauen sich zwei junge Engländerinnen den Bruderkuss an. Leonid Breschnew und Erich Honecker in historischer Pose. Wer die beiden Männer sind, wissen die 22-Jährigen nicht.

"Ich liebe einfach Kunst und Streetart. Ich war letztens auch in Athen, um mir da die Streetart anzuschauen."
"Sie macht da ihre Dissertation drüber!"
"Ja und es ist schon interessant, worauf das gemalt ist – auf der Berliner Mauer, wow!"

Nicht viel mehr als eine bunte Graffiti-Fläche

Die jungen Frauen stehen in 80er-Jahre-Jeans und weißen Kunstpelz-Jacken vor dem "Antifaschistischen Schutzwall". Für sie ist die Mauer nicht viel mehr als eine bunte Graffiti-Fläche, ihre 80er-Jahre-Klamotten, die perfekt in die Wendezeit passen, einfach nur die neueste Mode. Als sie zur Welt kamen, wurden hier in Friedrichshain schon die ersten Gemälde auf die letzten Relikte der Mauer gepinselt.

"Naja, die Mauer ist schon ein wichtiger Teil der Geschichte Berlins – oder? Viele wissen nicht, was die Mauer wirklich bedeutet, worum es hier geht. Vor allem bei uns in England. Wir erfahren darüber in der Schule gar nichts. Deutsche Geschichte spielt da keine Rolle."

Die beiden Engländerinnen schlendern weiter an der Mauer entlang, bis vor ihnen ein grauer Trabant die Berliner Mauer durchbricht, das Kennzeichen: "NOV 9.1989".

Neben dem Trabbi-Bild sitzt Carsten Hörig auf einem kleinen Holzschemel. Wie fast jeden Tag – wenn es nicht gerade in Strömen regnet. Auf dem Boden hat er dünne Steinblöcke ausgelegt, die er mit Graffitis besprüht hat. Es sind keine echten Mauer-Stücke, dafür zeigen sie die Motive, die einst genauso auf der Westseite der Berliner Mauer zu finden waren.

"Das versuche ich an die Leute zu bringen, so."

Der 39-Jährige ist mit der Mauer aufgewachsen. In Westberlin.

"Ich war mit meinen Eltern früher immer an der Mauer, am Brandenburger Tor, da sind wir da so die Treppe hoch und konnten immer rüber gucken über die Mauer so. Ich hab mich früher immer für Graffiti interessiert, so. Dann sind wir immer an die Mauer und dann konnte ich da ein bisschen üben. Eigentlich habe ich nur positive Erinnerungen an die Mauer. Also für mich persönlich so."

Friedrich Harks geht gemächlich an Trabbi, Bruderkuss und Perestroika-Grafitti vorbei, gestützt auf den Gehstock. Er ist immerhin schon 85 Jahre alt.

Als NVA-Soldat von Rostock nach Berlin

Die Bilder auf der Berliner Mauer würdigt er keines Blickes, ihn interessiert das alles nicht. Langsam aber zielstrebig hält er auf ein Loch in der Mauer zu, durch das die Wintersonne glitzert. Dabei hat er einst dafür gesorgt, dass hier nach dem 13. August 1961 kein Durchkommen mehr war. Damals war er Soldat der Nationalen Volksarmee.

"Ich war Offizier damals, da hab ich noch eingesehen, die Notwendigkeit. Später nicht mehr. Ich bin natürlich froh, dass sie jetzt weg ist. Aber damals war es eine bestimmte Notwendigkeit. Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder die DDR blieb offen. Die Leute liefen immer mehr rüber. Dann wäre für die DDR früher oder später das Aus gekommen, politisch, wirtschaftlich. Oder wir bauen erstmal die Mauer und halten dat noch auf."

Harks stammt aus Rostock, man merkt es ihm noch an seinem Norddeutsch an. Zwei Tage, bevor die Grenzen dicht gemacht wurden, rückte seine Einheit von dort nach Berlin vor.

"Ich war verantwortlich für die Treibstoffversorgung meines Regiments, am Abend vorher war ich im Divisionsstab und da wurde mir gesagt, dass heute Nacht die Grenzen geschlossen werden und wo wir uns einzufinden haben, wo die Fahrzeuge stehen, das waren ja vor allem Panzer. Die standen ja direkt an der Sektorengrenze. Die wurde dann erstmal provisorisch geschlossen, da standen drüben auch allerhand Leute, die haben uns mit allem möglichen beworfen, mit Cola-Flaschen und alles mögliche. Und auf unserer Seite war Polizei und alles Mögliche und sorgte dafür, dass keine Unruhe entstand."

Der Mauerbau in Berlin im August 1961. (picture alliance / dpa)Der Mauerbau in Berlin im August 1961 (picture alliance / dpa)

Vom Mauerbauer zum Wirtschaftsprofessor

Nachdem er die Mauer mit aufgebaut hat, ist Harks hier in Ostberlin geblieben. Wurde Professor, lehrte an der der DDR-Hochschule für Ökonomie, ein paar Kilometer südlich von hier. Am 9 November 1989 wollte er zunächst nicht wahrhaben, dass die Mauer Geschichte ist.

"Hab ich damals noch nicht gedacht, dass jetzt endgültig Schluss ist."

Aus der Hochschule für Ökonomie wurde nach der Wende die HTW, doch für Harks änderte sich nicht allzu viel. Im Gegensatz zu vielen anderen Professoren durfte er seinen Posten behalten.

Der betagte Mann blinzelt in die Wintersonne, blickt zu den Luxuswohnungen hoch, die zurzeit hinter der Mauer hochgezogen werden - mit direktem Blick auf die Spree.

"Mich interessieren die Bauten hier, deshalb komme ich hauptsächlich hierher. Aber es gibt noch viele Ewiggestrige. Die wünschen sich heute noch wieder ne Mauer."

Kindheitserinnerungen an den SED-Staat

"Eine meiner letzten Erinnerungen und ersten Erinnerungen an die DDR war, dass es meinen Lieblingsschokoriegel nicht mehr gab, dass ich großer Fan vom 'Fetzer' war - und den gab es dann plötzlich nicht mehr."

"Ich war da ja ungefähr sieben, erste Klasse und wir hatten fast keinen Unterricht mehr, weil Staatskunde und sowas, durfte ja alles nicht mehr sein."

Schokoriegel und schulfrei. Die letzten Erinnerungen, die Jeannette Gusko und René Sternberg mit dem SED-Staat verbinden – es sind Kindheitserinnerungen. Als das Land, in dem sie aufwuchsen, aufhörte zu existieren, waren die beiden fünf, beziehungsweise sieben Jahre alt. Obwohl es nur die frühe Kindheit war, die sie in der DDR erlebt haben, prägt die Wende, der Fall der Mauer die beiden bis heute.

"Nicht in dem Sinne, dass man das System extrem gespürt hat, mehr in dem Sinne, was ist selbstverständlich. Ich habe gleichaltrigen Westdeutschen immer mal gesagt, dass die Demokratie nicht so selbstverständlich ist. Und als ich das damals nur ab und zu fallen lassen habe, dass das nicht so selbstverständlich ist, hab ich völliges Unverständnis geerntet von den Westdeutschen, weil für die ist das wie in der DNA drin."

Gemeinsam mit der Politologin Adriana Lettrari haben sie das Netzwerk "Dritte Generation Ost" gegründet. Die Wendekinder wollen ihrer Generation auch öffentlich eine Stimme geben. 2014 beim 25-jährigen Mauer-Jubiläum war ihnen aufgefallen, dass in all den Talkshows fast nur alte Männer geredet haben. Ganz überwiegend Westdeutsche.

"Und wir haben gesagt, eigentlich müssten da unsere Eltern sitzen oder Vertreter der Bürgerrechtsbewegung. Wir wollten diesen Diskurs erweitern und auch über verschiedene Identitäten sprechen. Es gab Generationstreffen wo wir zum ersten Mal eine größere Menge Menschen getroffen haben, wo man gemerkt hat, ach meine Familiengeschichte ist gar nicht vereinzelt. Ich bin gar nicht komisch. Also: Wie gehen wir eigentlich als dritte Generation Ost in dem Wissen, dass wir in Gesamtdeutschland aufgewachsen sind aber in einem Land das nicht mehr existiert, eigentlich mit Veränderungen um."

Vertreter der dritten Generation Ost

Jeannette Gusko hat mich zum Interview in ihr aktuelles Büro eingeladen, es ist ein Co-Working-Space am Potsdamer-Platz. Hier baut sie mit ein paar Kolleginnen eine Finanzierungsplattform für soziale Projekte auf. Auch René Sternberg ist Teil eines Startups. Sie sind damit in der dritten Generation Ost eher die Ausnahme, meint Gusko:

"Warum gibt's in Ostdeutschland so wenige Gründungen, ganz einfach, weil es in den Familien kein Vermögen gibt, aus dem man schöpfen kann. Die ganze Frage, wie funktioniert Unternehmertum, wie funktioniert auch Risikobereitschaft, das ist was andere. Das lässt sich nicht individuell an Charaktereigenschaften beschreiben, sondern anhand von strukturellen Unterschieden, die noch da sind, zwischen West und Ost."

Hartmut Richter in der Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 in Potsdam, aufgenommen am 3.10.2014 (imago / Rolf Zöllner)Hartmut Richter in der Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 in Potsdam (imago / Rolf Zöllner)

Ein grauer Bürotisch, sechs Holzstühle, ein Fenster zum Hof: Nichts erinnert in diesem zehn Quadratmeter großen Raum daran, dass hier die Stasi bis vor knapp 30 Jahren politische Häftlinge verhört hat. Häftlinge wie Hartmut Richter:

"Die wollten mich hier auch wirklich kaputt machen. Diese ständige Überwachung. Tage-, wochenlang passiert nix, dann wird man wieder geholt."

Rückkehr zum Ort des Martyriums

Der heute 69-Jährige ist an diesem kalten Januarnachmittag an den Ort seines Martyriums zurückgekehrt. In das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis in Potsdam. Ihm gegenüber sitzen heute keine Stasi-Leute, sondern vier Gymnasiasten. Die Abiturienten sind mit ihrer Lehrerin hergekommen, um Richters Geschichte zu hören.

"Sie haben ja schon angefangen, ein bisschen über die Schule zu reden."

Hartmut Richter war 18, genauso alt wie die Schüler, die ihm heute gegenübersitzen, als er zum ersten Mal versucht, in den Westen zu kommen. Über die tschechisch-österreichische Grenze. Doch der Fluchtversuch scheitert. Richter wird zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Neun Monate später versucht er es erneut. Diesmal will er von Brandenburg durch den Teltowkanal nach Westberlin schwimmen. Vier Stunden lang hält er sich im Wasser auf. Schwimmen, abwarten, wegducken, tauchen. Bis er glaubt, an der entscheidenden Stelle auftauchen zu können:

"Plötzlich höre ich das Hecheln eines Hundes und Stimmen, der Hund schlägt an. Ich hab damals zum lieben Gott gebetet, ich war zum Glück im Schilf verborgen und hab meine Hände zwischen die Kiefer gepresst – weil die wie ein Maschinengewehr klapperten."

Doch Richter bleibt unentdeckt.

"Aus dem Schutz der Uferböschung heraus habe ich versucht, den Stacheldraht da oben zu lösen, was mir dann auch gelungen war. Als ich wusste, ich habe es geschafft, bin ich ohnmächtig geworden. Dann haben die mich von da ins Krankenhaus am großen Wannsee 50 gefahren. Also man entwickelt schon Kräfte, kann ich euch sagen."

Als Fluchthelfer aufgeflogen und verurteilt

Nach seiner Flucht in den Westen zieht es Richter erst nach Hamburg, dann nach Westberlin. Infolge der Entspannungspolitik wird er aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen. Richter kann wieder in die DDR einreisen - und wird zum Fluchthelfer. 33 Menschen verhilft er zur Flucht in die BRD. Bei der 34. Fahrt wird sein Auto rausgewunken. In seinem Kofferraum: seine Schwester.

 "Fahren sie mal in die Garage da. Und dann kommt ein Grenzsoldat mit Hund in die Garage. Als der Hund auf den Kofferraum gesprungen ist, hatten sie mich. Ich bin dann an die Wand geflogen, ich kann da nicht mehr viel sagen. Da denkt man nicht mehr viel: Dann schießt doch ihr Verbrecher, hab ich gesagt, und ich hab das ernst gemeint, dann sollen sie mich doch erschießen!"

Richter wird zu 15 Jahren Haft verurteilt, wegen Menschenhandels. Höchststrafe.

"Hoffe ich konnte euch Eindruck ..."

Richter zieht sich seine Winterjacke über, geht mit mir den grauen Flur entlang, am Ende des Ganges öffnet er eine schwere Stahltür. Dahinter ist das Licht fahler, die Wände grau-grün und der Flur nur noch halb so breit. Auf der linken Seite reiht sich Zellentür an Zellentür. Auf der anderen Hälfte ist die Decke nach Oben und unten geöffnet, zu den anderen Etagen des Zellentraktes.

"Hier sehen sie die Kameras, auch die Schließer wurden kontrolliert, George Orwell lässt grüßen."

Richter lotst mich in einen vier Quadratmeter großen Raum am Ende des Traktes. Seine ehemalige Zelle.

"Anfangs waren auch nur die Pritschen drin, da durfte man nur nachts liegen. Und hier: Glasbausteine, man hat Licht, kann aber nicht rausgucken. Durch den Luftschacht da, ist mal ein Spatzenjunges rausgefallen. Das war so ein Erlebnis für mich, was ganz Tolles. Das Spatzenjunge hat sich dann in meine Hand eingekuschelt. Nach zehn Minuten ließ es die Flügel hängen, sterben soll es nicht, dann hab ich versucht, es wieder hochzuwerfen. Hat auch funktioniert. Immer aufpassen, dass die Wärter nicht gucken."

Mehrfach in Hungerstreik getreten

Viele seiner Mithäftlinge bekommen Vergünstigungen, weil sie mit der Stasi kooperieren – und ihre Zellennachbarn bespitzeln. Hartmut Richter bleibt unbeugsam, tritt mehrfach in Hungerstreik.

"Gandhi war mein Vorbild, Mahatma Gandhi. Die haben mich ja damals zwangsernährt. Und sie sehen ja, ich esse gerne."
Wie lange waren sie in Hungerstreik?
"Das längste waren 21 Tage. Und wenn ich hier verrecke, ihr Verbrecher!"

Fünfeinhalb Jahre sitzt Richter ein, am 2. Oktober 1980 wird er von der Bundesrepublik freigekauft.

Kurz nach dem Fall der Mauer ist er dann noch mal wieder hierhergekommen.

"Und dann war ich am 27. Dezember hier, mit meinem Camcorder, hab geklingelt und da waren sie noch scheißfreundlich. Da war neie Frau, eine Sekretärin bei Vernehmungen hat die immer einen Kaffee gebracht. Und sie so: Hach, war es denn wirklich so schlimm?"

Außenansicht der Gedenkstätte Lindenstraße, Potsdam, aufgenommen am 30. Juni 2016. In den Fenstern hängen Porträts von Menschen, die vom NS-Erbgesundheitsgericht / NS-Amtsgericht, vom KGB und von der Stasi verurteilt wurden. (imago / Martin Müller)Außenansicht der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam (imago / Martin Müller)

Nachhilfe für die Jungen von heute

Seit ein paar Jahren kommt Richter mehrmals im Monat in das ehemalige Gefängnis, das heute Gedenkstätte ist. Damit auch die Generation, die nach dem Mauerfall aufgewachsen ist, erfährt, was sich hier, in der Lindenstraße 55 in Potsdam abgespielt hat.

"Und da sehe ich es schon als meine Aufgabe an, an solchen Orten auch ein bisschen Nachhilfeunterricht zu leisten."

Die Mauer mag nun so lange weg sein, wie sie stand, die früheren SED-Kader und Stasi-Leute, die seien immer noch in politischen Spitzenpositionen, sagt Richter:

"Ich will nicht, dass diese Leute im vereinten Deutschland die erste Geige spielen. Ich möchte nicht, dass die Macht ausüben, ganz einfach. In dieser Partei ist die alte SED drin, da sind auch die Stasi-Leute drin. Ich versuche dann schon zu sagen, den jungen Leuten, es gibt Alternativen als der Partei, die sich Linke nennt, beizutreten. Und wenn, dann sollt ihr wissen, was los ist. Das versuche ich schon. Ich will die zum Nachdenken bringen."

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