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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 22.08.2017

Zeichner und Autor Hans Traxler Er machte Kohl zur Birne

Moderation: Susanne Führer

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Der Maler, Cartoonist, Illustrator und Kinderbuchautor Hans Traxler, aufgenommen 2012. (picture alliance / dpa / Emily Wabitsch)
Der Maler, Cartoonist, Illustrator und Kinderbuchautor Hans Traxler, aufgenommen 2012. (picture alliance / dpa / Emily Wabitsch)

Bundeskanzler Helmut Kohl als Birne - diese legendäre Karikatur verdanken wir dem Autor und Zeichner Hans Traxler. Mittlerweile ist er selbst eine Legende seiner Zunft.

Wie kam der Karikaturist auf diese Idee, die ihn berühmt machte? Traxler erklärt:

"Wie Vieles reiner Zufall. Es gab eine Kolumne, die hieß 'Die sieben peinlichsten Persönlichkeiten', die hat Bernd Eilert gemacht, die war sehr populär. Und da war eine davon Kohl und da stand im Nebensatz etwas von 'der birnenförmige Kanzler' – und da hat’s bei mir getickt."

Er gehört zu den Mitbegründern der Satirezeitschrift "Titanic" wie der Neuen Frankfurter Schule; er schuf mit der Parodie "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel" einen Longseller, der mittlerweile in über 50 Auflagen erschienen ist; er zeichnete die Elche, deren schärfste Kritiker früher selber welche waren.

"Helmut Kohl als Birne" zu zeichnen, war auch ein Akt des Protests

Hans Traxler hat aber auch Klassiker illustriert: Goethe, Eichendorff, Morgenstern, Twain. Und er schreibt und zeichnet Kinderbücher, die Kinder wie Erwachsene bezaubern. Dabei – wie auch in seinen politischen Karikaturen – bewältigt er nebenbei Ängste aus seiner eigenen Kindheit im Zweiten Weltkrieg:

"Das waren Jahre von großer Angst. Ich hab das nie ganz verloren. Die Angst ist ja dann nochmal wieder gekommen. Es erinnern sich wenige Leute daran, dass ja zur Zeit der Bundeskanzler Schmidt und Kohl, dass wir mindestens fünf, sechs Mal an der Gefahr eines Atomkriegs vorbei geschrammt sind. Da bin ich dann auch zeichnerisch sehr aktiv geworden, und da sind wir jetzt wieder bei Birne Kohl. Also, das war nicht so Jux und Tollerei, das ist später dazu gemacht worden. Aber im Grunde genommen ist es aus der Situation entstanden: Er betreibt eine Politik als Nachfolger von Schmidt, die dazu führen kann, dass Deutschland der nächste Kriegsschauplatz wird. Also, da habe ich mich richtig gefordert gefühlt, und nicht nur ich, da sind ja alle Leute auf die Straße gegangen, nicht nur die Jungen."

Zeichnen als Glück und Qual

Natürlich hat der heute 88-Jährige alle Preise und Auszeichnungen seines Metiers gewonnen, und ist doch ein vornehmer und bescheidener Herr geblieben. Und er zeichnet bis heute, denn Zeichnen macht glücklich:

"Wenn die Zeichnung gelungen ist, dann gibt es eigentlich nichts Schöneres. Aber es gibt auch die Stunden der Qual, wo man sagt: ‚Du kannst nichts mehr, du hast es völlig verlernt, schau' dir das doch mal an! Schämst du dich nicht? Das gibt's auch. Aber am nächsten Tag geht's dann wieder weiter."

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