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Interview | Beitrag vom 16.08.2018

Zehn Jahre Finanzkrise"Der Populismus treibt uns in die nächste Krise"

Marcel Fratzscher im Gespräch mit Dieter Kassel

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Die Dax-Kurve auf der Anzeigetafel im Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main. (dpa / Frank Rumpenhorst)
Eine neue Krise der Finanzmärkte steht bereits vor der Tür, sagen viele Experten. (dpa / Frank Rumpenhorst)

Für viele Experten ist klar: Die Frage ist nicht, ob es zu einer neuen Finanzkrise kommen wird, sondern nur wann. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sagt sogar, die nächste Krise beginne noch in diesem Jahr.

Vor 10 Jahren kam es an den Börsen zum großen Knall: Nach der Pleite der Lehman Bank stürzten zunächst die Bankaktien ab, dann nahezu alle Kurse - mit verheerenden Folgen für das internationale Finanzsystem. Kann so etwas wieder passerieren? Experten glauben ja. Die nächste Krise auf den Finanzmärkten stehe sogar unmittelbar bevor, sagt der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Professor Marcel Fratzscher.

Erste Verwerfungen bereits erkennbar

Man sehe bereits die ersten Verwerfungen auf den Finanzmärkten, so Fratzscher im Deutschlandfunk Kultur - als Reaktion auf den Handelskonflikt mit Donald Trump. Auch die Türkei und Italien steckten in einer tiefen Krise. "Die Lage ist bei weitem nicht so positiv, wie wir das noch vor einem halben Jahr hatten, und meine Sorge ist nach wie vor groß, dass wir die guten Zeiten, die wir in den letzten Jahren gerade in Deutschland erlebt haben - dass die in Gefahr geraten könnten."

Zu einer Krise wie bei der "Jahrhundertkrise" wie im Jahr 2008 werde es zwar nicht kommen, weil Banken, Finanzinstitutionen und Politik deutlich weiter seien und aus der Vergangenheit gelernt hätten. So hätten die Banken heute beispielsweise mehr Eigenkapital zur Verfügung. Trotzdem gebe es noch immer manche Schieflagen auf den Finanzmärkten und vor allem: Die Politik mache nach wie vor Fehler, die sich negativ auf Wirtschaft und Beschäftigte auswirken könnten.

"Irrsinniger Nationalismus" zerstört Wohlstand

Nicht nur in den USA, auch in anderen westlichen Ländern gehe es häufig nur noch um die Frage 'Was ist denn in unserem nationalen Interesse?'", sagte der Finanzexperte. Das europäische Projekt - die Grundlage für Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg - drohe zerstört zu werden durch "unseren irrsinnigen Nationalismus."

Fratzscher: "Meine größte Sorge im Augenblick ist, dass dieser Populismus und dieser Nationalismus uns in die nächste Krise treiben könnte." Den Ausschlag werde also ein politischer Fehler geben. "Ich glaube nicht, dass es beim nächsten Mal die Finanzmärkte sein werden."

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