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Lesart | Beitrag vom 23.09.2020

Wilhelm Raabe-Literaturpreis für Christine Wunnicke"Sie schlägt unglaublich witzige und erkenntnisreiche Funken"

Hubert Winkels im Gespräch mit Joachim Scholl

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Porträt der Autorin Christine Wunnicke, die mit dem Wilhelm Raabe-Preis 2020 ausgezeichnet wird. (laif / SZ Photo / Volker Derlath)
Christine Wunnicke habe bereits mit einigen Romanen auf sich aufmerksam gemacht, so die Jury des Wilhelm Raabe-Preises 2020. (laif / SZ Photo / Volker Derlath)

Christine Wunnicke erhält den Wilhelm Raabe-Literaturpreis für "Die Dame mit der bemalten Hand". Darin beschreibt sie die Begegnung zweier Forschungsreisender aus verschiedenen Kulturkreisen im 18. Jahrhundert. Und das mit überzeugender Komik, meint die Jury.

Der Wilhelm Raabe-Literaturpreis geht in diesem Jahr an die Schriftstellerin Christine Wunnicke für ihren Roman "Die Dame mit der bemalten Hand". Das hat der Literaturkritiker Hubert Winkels, Jury-Vorsitzender und Literaturredakteur beim Deutschlandfunk, am Mittwoch bekannt gegeben.

Die Auszeichnung gehört zu den bedeutendsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum und ist mit 30.000 Euro dotiert. Sie würdigt seit 20 Jahren jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk. Vergeben wird der Preis gemeinsam von Deutschlandfunk und der Stadt Braunschweig. 

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In Wunnickes Roman strandet Mitte des 18. Jahrhunderts ein deutscher Mathematiker auf einer indischen Insel und trifft dort auf einen persischen Astronomen.

"Ein Stürzen und Fallen ins Bodenlose"

Die Jury habe überzeugt, dass Christine Wunnicke bereits mit einigen Romanen auf sich aufmerksam gemacht habe, so Hubert Winkels. Auch an ihrem aktuellen Roman sei besonders, "dass alle immer alles Verfehlen, alles Misskommunikation ist, alles ein Stürzen und Fallen ins Bodenlose, weil keine Kommunikation, keine Verständigung zwischen den Kulturen, den Sprachen möglich ist", erklärt Winkels.

"Und daraus schlägt sie dann im Einzelnen unglaublich witzige und erkenntnisreiche Funken." Das Nichtverstehen selbst werde "zu einem herrlich anzuschauenden ästhetischen Vergnügen - und gelingt eben auf diese Weise dann doch."

In der Rezension von Wunnickes Buch auf Deutschlandfunk Kultur heißt es: Was sie aus dieser Begegnung der beiden Wissenschaftler entspinnt, sei das Gegenteil von einem Historienschinken: eine heillos komische und fabelhaft undidaktische Anleitung zum Verirren, ein Abgesang auf starre Welterklärungsmuster.

"Ein klares Votum"

Die neun Jury-Mitglieder seien sich in diesem Jahr weitgehend einig gewesen, so Winkels: "So war es in diesem Fall eigentlich ein Durchmarsch und ein ganz klares Votum." Die Jury wünsche Christine Wunnicke, dass sie nun auch in einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen werde.

Vielleicht trägt dazu noch ein weiterer Preis bei: "Die Dame mit der bemalten Hand" steht außerdem auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

Den Wilhelm Raabe-Literaturpreis erhielt im vergangenen Jahr der Schriftsteller Norbert Scheuer, davor die Autorin Judith Schalansky. Auch Sibylle Lewitscharoff und Rainald Goetz gehören zu den Ausgezeichneten.

Vergeben wird die Auszeichnung im November.

Weitere Nominierungen

Für den Wilhelm-Raabe-Preis 2020 waren außerdem nominiert:

  • Anna Katharina Hahn: Aus und davon, Suhrkamp Verlag, 2020
  • Leif Randt: Allegro Pastell, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2020
  • Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos, Matthes & Seitz Berlin, 2020
  • Iris Wolff: Die Unschärfe der Welt, Klett-Cotta Verlag, 2020

Wir haben mit Christine Wunnicke über ihren Preisgewinn und ihren Roman gesprochen.

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