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Kompressor | Beitrag vom 12.09.2019

Widerstand durch FlanierenZu Fuß gegen die Kommerzialisierung der Stadt

Moderation: Gesa Ufer

Hinter den Beinen einer vorbeiflanierenden Frau spiegeln sich in einer Pfütze die Fassaden der umliegenden Gebäude. (Eyeem / Erik Witsoe)
Früher fast ausschließlich eine männlich Domäne: Eine Frau flaniert durch die Stadt. (Eyeem / Erik Witsoe)

Sie erkunden zu Fuß die Straßen der Stadt: Die Flaneusen und Flaneure. Sie sind ein Gegenentwurf zu Zeit-Optimierung und Kommerzialisierung des urbanen Raums. Zweckloses Umherschweifen war schon immer politisch. Aber wie und warum ist es das heute?

Spazieren gehen, flanieren, lustwandeln, herumstreunen, seine Zeit verschwenden: Das klingt erst mal harmlos bis langweilig, kann aber in der Stadt durchaus subversives Potenzial entfalten, weil man Zeit verschwendet und die Arbeit verweigert.

Bewusst in der Stadt bewegen

Oder weil man als flanierende Beobachterin eine kritische Perspektive auf die Stadt und die Menschen entwickelt. Man kann aber auch gezielt in abgeriegelte Bereiche der Stadt eindringen, wie es Urban Explorer tun, in dem sie auf Hochhausdächer klettern und in private Firmengelände einbrechen.

Wer sich bewusst gegen den Strom der Stadt bewegt, sichtbare und unsichtbare Grenzen im Stadtraum überschreitet, eignet sich den Stadtraum an, erobert ihn sich zurück. Gleichzeitig prägt derjenige, der draußen rumläuft, das Stadtbild. Er oder sie hat teil am öffentlichen Leben, erhält Informationen, kann mitreden.

Für die Arbeit inspiriert

Nicht nur die Flaneure des 19. Jahrhunderts, sondern viele Künstler, politische Theoretiker und andere Denker wurden von der Straße, durch die Begehung des öffentlichen Raums mit den Begegnungen und Erfahrungen versorgt, die ihre Arbeit inspirierten.

Es ist kein Zufall, dass der Kanon der Flaneur-Literatur von weißen Männern geschrieben wurde, die weder Diskriminierung noch familiären Verpflichtungen im Haus und am Herd ausgesetzt waren. Die Stadt steht nicht allen Menschen gleich offen: Es ist ein Luxus, die Zeit zum Flanieren zu haben. Einige müssen zudem gegen Hindernisse geradezu anflanieren, denke man beispielsweise an Belästigungen. Wer trotzdem flaniert, leistet Widerstand.

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Fazit

Umbenennung von BildernKunstwerke im Diskriminierungscheck
Die Figur eines reitenden osmanischen Paschas auf einer Automatenuhr aus dem 17. Jahrhundert als Ausstellungsstück in einem Museum. (imago / Sylvio Dittrich)

In vielen Titeln von Kunstwerken spiegelt sich historisch tradierter Rassismus. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben deswegen 143 Objekte aus ihrem Bestand umbenannt. Die alten Titel bleiben trotzdem, sagt Generaldirektorin Marion Ackermann.Mehr

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