Seit 20:03 Uhr Konzert
Sonntag, 29.11.2020
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Studio 9 | Beitrag vom 30.12.2014

Wer kam, wer gingAbgesang auf das Fernsehjahr 2014

Von Guido Meyer

Podcast abonnieren
Moderator Markus Lanz und seine Gäste bei der letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung in Nürnberg (dpa / picture alliance / David Ebener)
Moderator Markus Lanz und seine Gäste bei der letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung in Nürnberg (dpa / picture alliance / David Ebener)

Auch 2014 heißt es wieder Abschied nehmen von mehr oder weniger liebgewonnenen Fernsehgewohnheiten. Von Shows wie "Wetten dass..?" und Moderatoren, die keine Lust mehr hatten oder entlassen wurden: Reinhold Beckmann zum Beispiel und Harald Schmidt.

Udo van Kampen: "Frau Bundeskanzlerin, vor der 1. Frage möchten wir Ihnen ganz, ganz herzlich zum Geburtstag gratulieren und wenn Sie mutig sind, wären wir auch bereit, Ihnen ein kleines Ständchen bringen. Und deswegen stimme ich das jetzt einfach mal an: 1 – 2 – 3"

Reinhard Mey: "Gute Nacht, Freunde / Es ist Zeit für mich zu gehen / Was ich noch zu sagen hätte / Dauert eine Zigarette / Und ein letztes Glas im Stehen"

Alle Jahre wieder wird gekehrt im deutschen Fernsehen. Wer's nicht mehr bringt, fliegt. Oder geht freiwillig. Oder singt vor dem Abgang noch ein Ständchen – ohne Chor des Pressecorps'. Udo van Kampen solo.

"Nach 19 Jahren Brüssel, insgesamt 39 Jahren ZDF"

"Das waren ganz, ganz aufregende Jahre. Also, es war spannend gewesen in dieser Zeit, aber es hat auch Riesenspaß gemacht."

Mit Udo van Kampen ging der wohl bekannteste Kinnbart des ZDF in Rente, und mit Michael Opoczynski die bekannteste Brille. Mit dem Zweiten sieht man besser.

"Ich werde das ZDF verlassen, is'doch klar, und Tür zu."

"Und tschüs – und viel Glück bei WISO!"

Abschied vom ARD-Ratgeber

Es war das Jahr der kurzen und knappen Abschiede. Das galt auch für den ARD-Ratgeber, der im September auslief.

"Ja, das war's. 30 Jahre gehen zuende. Das war heute der letzte Ratgeber."

"Und Tür zu und tschüs", um es mit Michael Opoczynski zu sagen. Auch nicht viel länger waren Hendrik Heys letzte Worte in Welt der Wunder.

Hey: "Das war's, hier bei Welt der Wunder. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit. Machen Sie's gut!"

Seit Jahresbeginn strahlt n-tv nur noch Wiederholungen von Welt der Wunder aus und verzichtet RTL II ganz auf die Sendung. Der RBB wird 2015 auf Kurt Krömer verzichten müssen, der sich auf die Bühne konzentrieren will.

Schmiese: "Guten Morgen nach Kassel, Herr Eichel."

Hans Eichel: "Guten Morgen, Herr Schmiese!"

Schmiese: "Herr Kassel, ach, Herr Kassel sag ich schon ..."

Herr Eichel und Herr Kassel,

"Herr Müller-Lüdenscheidt!"

"Herr Dr. Klöbner!"

Guten Morgen, Wulf Schmiese, hieß es mehr als vier Jahre im ZDF-Morgenmagazin. Im Sommer hieß es: Gute Nacht, Wulf Schmiese!

"Ich hab das gerne gemacht. Ich hab viiiel gelernt. Gab auch ein paar Stolperer. Das war meine Schulzeit. Und die hat Spaß gemacht."

"Guten Tag, meine Damen und Herren. Ich begrüße Sie zu einem besonderen Wochenspiegel. Es ist, nach 61 Jahren, der allerletzte."

Zamperoni ging nach Washington

Der Wochenspiegel war 1953 erstmals auf Sendung gegangen, wenige Tage nach der allerersten Tagesschau.

Gerhard Delling: "Der Wochenspiegel, das ist bis zu diesem Tag ein rein journalistisches Magazin gewesen, das die Fachleute vor und hinter der Kamera mit außergewöhnlicher Hingabe gestaltet haben. Auch wenn's schade ist: Diese Freude endet jetzt nach mehr als 61 Jahren."

Gute Nacht, Gerhard Delling im Wochenspiegel, und gute Nacht, Ingo Zamperoni in den Tagesthemen.

"Ich verabschiede mich, liebe Zuschauer, bei Ihnen hiermit, zumindest von dieser Stelle aus, und insofern sage ich Ihnen jetzt nicht tschüs sondern arrivederci und auf Wiedersehen."

Die Zeit nach den Tagesthemen war bislang einmal pro Woche die Zeit für Reinhold Beckmann. Nur war dessen Talkshow irgendwann nur noch schwer im Programm aufzufinden.

"Irgendwann kam dann Günther Jauch als zusätzlicher Talker zur ARD, und dann gab's halt diesen Turnaround. Anne ging von Sonntag auf Mittwoch, Frank sollte auf den Montag, und dann sprang ich von Montag auf Donnerstag. Du bist da in einer ganz anderen Wettbewerbssituation, kommt als Letzter, wirst dauernd verschoben. So schaffst Du keine Zuschauerbindung."

"Also, es ist ja so: Ich bleibe ja Journalist."

"Ich find's halt wahnsinnig schade, dass mit dem Ende von Harald jetzt Late Night anscheinend kaputt ist im deutschen Fernsehen, dass es nicht mehr stattfindet im deutschen Fernsehen. Wo sind die jungen Kerle, die jetzt sagen, 'ich will Late Night machen'? Wo sind die Programmdirektoren, die uns sozusagen dieses Fenster geben?"

Harald Schmidt: "Mittlerweile gibt es einfach keine Sender mehr, die sich dafür interessieren. Es gibt auch keine Fernsehchefs, wo ich sagen würde, da hätte ich länger als drei Minuten Lust, mir was anzuhören. Weil ich komme halt aus dieser Generation, wo die Bosse noch diese alten Westerntypen waren. Jetzt sind das gesichtslose, austauschbare Angestelltentypen, die sagen: Könnten Sie uns die Nummer von Hape Kerkeling besorgen?"

"Es war ein tolles Gefühl, mal unbeobachtet zu sein."

Egal ob SAT.1, Das Erste, wieder SAT.1 und nun Sky – das Opening klang eigentlich immer ähnlich. Seit März erklingt es auf keinem Sender mehr.

"Ich muss ehrlich sagen: Ich habe diese zwei Jahre bei Sky noch mal wahnsinnig genossen. Es war ein tolles Gefühl, mal unbeobachtet zu sein."

Backes: "Meine Damen und Herren – danke für dieses Happy End! Herr Schmidt, haben Sie noch 'was nachzutragen?"

Harald Schmidt: "Mir fällt nur ein: Heiner Müller wurde ´mal gefragt, wie er sterben möchte. Und da hat er gesagt: So wie ich geboren wurde – nur umgekehrt."

Backes: "Wir verabschieden uns aus Ludwigsburg. Es war eine große Zeit, diese 27 Jahre und 10 Monate. Es war einfach schön" 

Nach mehr als 705 Ausgaben des Nachtcafés im SWR Fernsehen und nach mehr als 5000 Gästen sagte Wieland Backes im Dezember gute Nacht.

Backes: "Die Sendung war ein Geschenk für mich. Sie kennen das, wenn man das Gefühl hat, man hat sein Ding gefunden. Mein Vater hat immer gesagt: Diese Sendung gibst Du nicht auf! Das ist Dein Ding! Und er hatte Recht."

Frank Elstner: "Wenn ich den Vater gehabt hätte, hätte ich Wetten, dass..? behalten."

Hätte er nur, möchte man anfügen. Dann hätte Wetten, dass..? vielleicht nie die Höhen erlebt, die die Show durch Thomas Gottschalk erfahren hat, aber auch nicht die Tiefen der Moderationen Markus Lanz' – dann liefe die Sendung vielleicht immer noch. Ohne Elstner und ohne Gottschalk jedenfalls war im Dezember Schluss.

"Mit Wetten, dass..? geht eine Ära zuende. Wetten, dass..? hat TV-Geschichte geschrieben und das deutsche Fernsehen geprägt wie keine andere Show."

Auf der Wetten-dass-Couch saßen Musiker und Schauspieler, Sportler und Politiker. Doch für letztere gilt Wieland Backes' Resüme:

"Politiker sind sowieso nicht unsere Lieblingsgäste, weil sie haben einen Diskussionsstil, der mich gelegentlich überfordert. Sprechlänge steht in einem gewissen Gegensatz zur Inhaltsdichte."

Bernd Lucke wie im Loriot-Sketch

Ein besonders schönes Beispiel dafür lieferten im abgelaufenen Jahr N24-Talker Michel Friedman und Bernd Lucke von der AfD, die live einen Loriot-Sketch nachspielten.

Lucke: "Lassen Sie mich doch mal zuende reden. Wenn Sie mich nicht ausreden lassen, hat es keinen Zweck, dass wir miteinander reden. Ich habe Ihnen ganz klar gesagt, ich verwahre mich dagegen, einer Kandidation der AfD wegen dieser Aussage Rassismus zu unterstellen. Das ist nicht meine Aussage, aber Sie haben unterstellt, es sei Rassismus. Wenn Sie mich nicht zuende reden lassen, dann verlasse ich die Sendung!"

Friedman: "Aber kommen Sie doch zurück!"

Lucke: "Nein. Ich verlasse die Sendung. Auf Wiedersehen."

Friedman: "Auf wiedersehen."

"Machen wir jetzt zu zweit weiter?"

Friedman: "Wir machen zu zweit weiter, natürlich."

"Herr Dr. Klöbner – ich leite eines der bedeutendsten Unternehmen der Schwerindustrie und bin Ihnen in meiner Badewanne keine Rechenschaft schuldig."

"Im übrigen sagte ich nur ..."

"Herr Müller-Lüdenscheidt ..."

"Bitte lassen Sie mich ausreden!"

"Sie können sich in meiner Wanne eine eigene Meinung überhaupt nicht leisten!"

"Wenn Sie die Ente herein lassen, lasse ich das Wasser heraus."

"Ich lasse das Wasser heraus, wenn Sie die Ente herein lassen."

"Na also."

"Also – eins – zwei"

Udo van Kampen: "drei ... Happy Birthday to youuu..." 

Angela Merkel: "Ja, hätt ich mitsingen müssen, ne, dann wär's besser geworden."

Reinhard Mey: "Gute Nacht, Freunde / Es ist Zeit für mich zu gehen / Was ich noch zu sagen hätte / dauert eine Zigarette / und ein letztes Glas im Stehen."

Wieland Backes: "Das wirkt nach, glaub' ich, bis an die Grenze des Grabes, dass man sagt: 'Es war schön'."

Harald Schmidt: "Meine Damen und Herren, das war's. Ihnen alles Gute, merci und Guten Abend! Ciao!"

Markus Lanz: "Das war's. Machen Sie's gut. Das Leben geht weiter. Wetten, dass..?"

 

Mehr zum Thema:

Aus den Feuilletons - Endlich vorbei
(Deutschlandradio Kultur, Kulturpresseschau, 14.12.2014)

Gottesdienst - Die erste Show war die am Altar
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 23.11.2014)

Kritik an Markus Lanz - "Es ist schon eine massive Dimension"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 24.01.2014)

Interview

weitere Beiträge

Frühkritik

Jaime Begazo: "Die Zeugen"Im Labyrinth der Literatur
Buchcover zu Jaime Begazo: "Die Zeugen" (Kupido/Deutschlandradio)

Auf den Spuren von Emma Zunz: Der peruanische Literaturwissenschaftler Jaime Begazo hat mit "Die Zeugen" einen raffinierten Kriminalroman zweiter Ordnung geschrieben, der auf einer Kurzgeschichte von Jorge Luis Borges basiert.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur