Der Weltglückstag
Der Internationalen Tag des Glücks der Vereinten Nationen (UN) geht auf eine Anregung des südasiatischen Königreichs Bhutan zurück. Seit 2013 wird er jedes Jahr am 20. März begangen. Die UN betrachten diesen Tag als Moment der Anerkennung für all jene Staaten, die den Begriff "Wohlstand" nicht allein materiell interpretieren, sondern, wie auch Bhutan selbst, Wohlstand auch mit dem Glück der Bevölkerung gleichsetzen.
Positive Emotionen
Ob wir glücklich sind oder nicht, haben wir zum großen Teil selbst in der Hand, sagen Glücksforscher wie Michaela Brohm-Badry. © picture alliance / Shotshop / marshi
Glück kann man lernen

Jedes Jahr erscheint ein neuer World Happiness Report. Auch in diesem Jahr sind die Finnen die glücklichsten Menschen auf der Erde. Was machen die Nordeuropäer richtig - und können wir uns was davon abgucken und bewusst in unseren Alltag integrieren?
Wie schaffen die Finnen es nur, so glücklich zu sein? Zum sechsten Mal in Folge führen sie den World Happiness Report der Vereinten Nationen an, der jedes Jahr am 20. März, dem Weltglückstag, vorgestellt wird. Finnland dicht auf den Fersen in Sachen Glück sind die anderen nordeuropäischen Länder wie Dänemark, Island, Norwegen und Schweden. Außerdem unter den Top Ten: die Schweiz und die Niederlande. Aber auch Israel schaffte es ganz nach oben auf Rang 4 – und das, obwohl es in dem Land, von außen betrachtet, nicht gerade friedlich und rundum entspannt zugeht.
Den letzten Platz belegt übrigens Afghanistan, auch der Iran rangiert sehr weit hinten.
Die Deutschen sind abgerutscht
Das wirft die Frage auf: Wie definiert man eigentlich Glück? Die Autorinnen und Autoren des Happiness Reports konzentrierten sich bei ihren Befragungen der Bevölkerung auf Aspekte wie Lebensstandard, Gesundheit, persönliche Freiheit und die Abwesenheit von Korruption. Überhaupt seien Staat, Unternehmen und Zivilgesellschaft maßgeblich verantwortlich dafür, wie zufrieden die Menschen sind, heißt es im Bericht.
Aber mit Blick auf die Pandemiejahre spielt natürlich auch die Resilienz, also die Fähigkeit eines Menschen, mit Krisensituationen und Belastungen umzugehen, eine Rolle.
Sind wir Deutschen, die in diesem Jahr erneut abgerutscht sind und diesmal auf Rang 16 (von 137) landen, tatsächlich so miesepetrig und getrieben von „German Angst“, wie man uns im Ausland nachsagt? Und führt das dazu, dass weiten Teilen der Bevölkerung der Blick auf das verstellt ist, was Glück ausmachen kann? Nämlich genau jene Faktoren, die die World-Happiness-Forschenden untersuchten.
Wenn es danach ginge, und vor allem auch im direkten Vergleich mit den Finnen, hätten die Deutschen eigentlich allen Grund, glücklich zu sein: Der Lebensstandard ist hierzulande mindestens ebenso hoch, die Korruptionsrate vergleichsweise niedrig, die Lebenserwartung hoch. Und die Arbeitslosenquote ist in Deutschland um einiges niedriger als in Finnland.
Die Journalistin Sofie Donges hat sich in Helsinki umgehört und bekam unter anderem zu hören: Die Menschen in Finnland seien so glücklich, weil dort alles funktioniere und ein stabiles soziales Netz dafür sorge, dass alle ein Auskommen hätten. Ein Vater sagte auf die Frage, was ihn glücklich mache: Dass sein Sohn ungefährdet draußen spielen könne, weil die Kriminalitätsrate so gering sei. Eine werdende Mutter wiederum verspürt Glück, weil sich der Staat um sie und anderen Eltern sorgt: Wer ein Baby bekomme, erhalte automatisch eine Ausstattungsbox fürs Kind.
Weniger wettbewerbsorientiert und glücklicher
Der finnische Kulturwissenschaftler Peter Stadius wiederum erläutert: "Die nordischen Länder werden oft als wenig wettbewerbsorientiert beschrieben, und da ist irgendwie was dran. Schaut man, wieviel Freizeit und Urlaub die Menschen haben, unterscheidet sich das deutlich von den angloamerikanischen Ländern, von Japan ganz zu schweigen."
Tatsächlich hat beispielsweise jeder Arbeitnehmende in Schweden gesetzlich Anspruch auf vier Wochen Sommerurlaub am Stück.

Der World Happiness Report listet seit zehn Jahren die (un-)glücklichsten Länder der Welt auf.© dpa / dpa-infografik GmbH
Und wem bewusst ist, dass er oder sie um Erholung und Entschleunigungsmomente nicht kämpfen oder gar die Ellbogen ausfahren muss, weil allen die gleiche Möglichkeit eingeräumt wird, der blickt vielleicht automatisch entspannter aufs Leben. Und ist innerlich womöglich schneller im Glücksmodus als Menschen, die sich täglich wie im Hamsterrad fühlen und dennoch meistens das Gefühl bekommen, ihre Leistung genüge nicht.
Bhutan und die vier Säulen des Glücks
Im kleinen Himalayastaat Bhutan ist das Glück der Menschen gar eine Art Staatsräson: Der König des buddhistischen geprägten Landes hat es sich vor Jahren zur Aufgabe gemacht, seine Bevölkerung glücklicher zu machen.
Um das zu messen, wird regelmäßig das sogenannte „Bruttonationalglück“ erhoben. Dieses Gross National Happiness ruht auf vier Säulen: Gute Verwaltungsstrukturen, Schutz der Umwelt, Bewahrung und Förderung kultureller Werte, Förderung gerechter Wirtschaftsstrukturen.
Wir sind selbst verantwortlich
Aber: Jeder Einzelne ist für seine Glücksgefühle auch selbst verantwortlich. "Wer mit sich selbst stimmig ist, wer mit sich selbst innerlich übereinstimmt, der hat eine hohe Chance, dem Wohlbefinden näher zu kommen", sagt etwa die Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry. Sie lehrt und forscht an der Uni Trier. Fotos im Netz zeigen sie meistens mit heiterem Gesichtsausdruck – womöglich färbt das Forschungsthema ab.
"Glück“, so Brohm-Badry, „scheint ein zentrales Thema der Menschen zu sein." Schon Aristoteles hat sich demnach damit beschäftigt. Der Spruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ trifft wohl tatsächlich zu: Laut der Forscherin sind zwar etwa 50 Prozent des Glücksempfindens genetisch angelegt – und damit wohl auch entscheidend dafür, ob wir Resilienz entwickeln oder nicht.
Doch immerhin 40 Prozent werden durch das eigene Verhalten bestimmt und nur etwa zehn Prozent durch Einflüsse von außen: "Das eigene Verhalten und die Umwelt, die man sich wählt, bestimmen zum großen Teil das Glück mit." Auch Dinge wie positive Beziehungen oder Engagement spielten eine Rolle: "Wer sich im Leben für irgendetwas einsetzt, der ist dem Glück schon wesentlich näher."
Auch der Physiker und Autor von „Die Glücksformel“, Stefan Klein, schreibt: „Wie glücklich wir sind, hängt mindestens ebenso stark von unserer Umwelt, unserer Kultur ab wie von unseren Genen.“ Klein hat für sein bereits vor gut 20 Jahren erschienenes Buch unter anderem mit Hirnforschenden und Psychologen gesprochen.
Kein glückliches Händchen fürs Glück?
Und eine Erkenntnis ist: Die Deutschen haben, wie schon gesagt, offenbar kein sehr glückliches Händchen für das Glücklichsein. „In Deutschland hat das Glück keine allzu große Tradition. Wir misstrauen ihm. Die Deutschen haben den eigentümlichen Begriff ‚Weltschmerz‘ erfunden, der sich in andere Sprachen kaum übersetzen lässt. Das Wort ‚Glück‘ hingegen fand erst sehr spät Eingang in unsere Sprache.“
Vor allem aber: Für ein glückliches Leben – oder das, was sie dafür halten – tun manche alles und setzten sich dabei so sehr unter Druck, dass sich am Ende gar kein rechtes Glücksgefühl einstellen will.
Latte Macchiato oder Fernreise?
Es beginnt schon mit der Definition von „Glück“: Während es für die eine das pure Glück ist, am Morgen auf ihrer kleinen Terrasse den ersten Latte Macchiato zu trinken und dabei von Sonnenstrahlen gestreichelt und von dem Gras unter den Fußsohlen gekitzelt zu werden, fühlt sich der andere erst dann „glücklich“, wenn er auch dieses Jahr wieder eine teure Fernreise buchen kann. Und ist das nicht möglich, hat er monatelang schlechte Laune.
Macht Geld doch glücklich?
Eine neue Studie von Daniel Kahnemann und Matthew A. Killingsworth der University of Pennsylvania legt diesen Schluss nahe. Lange dachte man eher, dass das Gegenteil der Fall ist. Doch laut der Studie Does more money correlate with greater happiness?" fühlen sich Menschen offenbar umso glücklicher je dicker ihr Bankkonto ist.
Ist am Ende nur derjenige wahrhaft glücklich, den bereits das Lächeln eines anderen Menschen beschwingt durch den Tag trägt? Der Psychologe Tobias Rahm von der Technischen Universität Braunschweig und die Logopädin und Buchautorin Carina Mathes sind überzeugt: Die Empfänglichkeit für Glück kann man lernen. Rahm und Mathes haben deshalb das Projekt GlüGS ins Leben gerufen und für ausgewählte Grundschulen in Braunschweig das Schulfach Glückskompetenz entwickelt. In Ländern wie Australien und in Indien gehört Glückskompetenz schon seit längerem zum Schulcurriculum.
Glück als Schulfach
„Wenn wir uns eine Welt mit weniger Depressionen und Stress und stattdessen mehr Mitgefühl, Wertschätzung und psychischer Gesundheit wünschen, sind unsere Schulen wahrscheinlich der beste Ansatzpunkt“, erläutert der Diplompsychologe auf der Projekt-Website. „Erkenntnisse aus dem Fachgebiet der Positiven Psychologie legen nahe, dass Menschen mit einem hohen Wohlbefinden unter anderem kreativer und produktiver sind, besser Probleme lösen können, ein stärkeres Immunsystem und eine höhere Widerstandskraft gegen psychische Beanspruchungen aufweisen.“
Im Unterricht würden den Kindern Begriffe wie Dankbarkeit oder Freundlichkeit nahegebracht und anhand von kleinen Geschichten und praktischen Übungen werde ihnen gezeigt, wie einfach es oft sei, positive Gefühle wie etwa Dankbarkeit zu empfinden, sagt Mathes: Am Ende schreibe jedes Kind einen kurzen Satz darüber auf, wofür es dankbar sei, alle Zettel würden aneinandergeklebt – „und so entsteht eine für alle Kinder im Klassenraum sichtbare, selbst gebastelte Kette der Dankbarkeit.“
Eine Übung für positives Denken
Aus ihrer Sicht lassen sich solche Übungen im Prinzip in fast alle Fachunterrichtstunden integrieren. „Wenn ich einmal die Thematik verstanden habe, dann kann ich zum Beispiel im Deutschunterricht beim Thema ‚Briefe schreiben‘ statt eines normalen Briefes mal einen Dankbarkeitsbrief schreiben lassen." Und am besten lese das Kind den Brief der betreffenden Person auch noch vor, erläutert Carina Mathes.
Auch für Erwachsene ist es aus Sicht der Positiven Psychologie nicht zu spät, ihr Empfinden für Glück zu trainieren. Auf der Website des Braunschweiger Glücksforschungsprojekts wird die Übung „Drei gute Dinge“ beschrieben, die man am besten am Ende des Tages vor dem Schlafengehen wie eine Art Ritual vollziehe.
Dafür vergegenwärtigt man sich drei Dinge, die an dem Tag schön waren. Das können ganz kleine Dinge gewesen sein wie „bin angelächelt worden“ oder „habe einen Eichhörnchen beim Klettern zugeschaut“. Man schreibt diese kleinen Begebenheiten auf und schreibt auch dazu, was man vielleicht selbst dazu beigetragen hat. Das schärft die eigene Wahrnehmung für Positives.
(mkn, Deutschlandradio, TU Braunschweig, Michaela Brohm-Badry, Stefan Klein, KNA, Carina Mathes, Tobias Rahm, tagesschau.de, World Happiness Report)














