Weltglückstag am 20. März
Der Körper schüttet Belohnungsbotenstoffe aus, wenn wir aktiv werden. Das macht glücklich. © picture alliance / imagebroker / Unai Huizi
Was Menschen glücklich macht – und was nicht

Nach Glück streben die Menschen auf der ganzen Welt. Doch wie erreicht man es? Macht Geld wirklich nicht glücklich? Und wie viel Glück steckt in den Genen? Antworten aus der Forschung.
Glück ist die Frucht innerer Einstellung, schrieb der Psychoanalytiker Erich Fromm. Für Goethe war es allein die Liebe, die glücklich mache. Der Philosoph Arthur Schopenhauer glaubte dagegen, der Menschen sei nicht geboren, um glücklich zu sein. Man müsse schon zufrieden sein, wenn man keine Schmerzen und kein Unglück empfinde.
Was Glück ist, wo man es findet und wie man es hält, beschäftigt die Menschen seit Tausenden von Jahren. In manchen Ländern hat sich sogar die Politik dem Glück der Bürger angenommen: Das Königreich Bhutan hat es sich als Staatsziel in die Verfassung geschrieben. Die Gründerväter der USA nahmen das individuelle Streben nach Glück als eines der „unveräußerlichen Rechte“ in ihre Unabhängigkeitserklärung auf.
Doch was macht Menschen wirklich glücklich?
Eheleute sind zufriedener als Singles
Was glücklich macht, mag sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Doch gibt es offenbar ein paar universelle Glücksbringer. Einer davon laut Forschung: gute soziale Kontakte.
Beispielsweise kann eine Partnerschaft das Glück auf verschiedenen Ebenen steigern. Das zeigt der "SKL Glücksatlas" von 2025, eine repräsentative Befragung des Instituts Ipsos. Demnach sind Menschen, die in einer Partnerschaft leben, zufriedener als Singles. Nicht nur ihre allgemeine Lebenszufriedenheit ist größer, sondern auch ihre Zufriedenheit im Beruf.
Menschen in einer Partnerschaft sind überdies glücklicher mit ihrem Familien- und Sexualleben als Singles. Am glücklichsten mit ihrem Beziehungsleben sind laut der Studie verheiratete Paare.
Komplimente machen glücklich
Doch auch kleine Gesten unter Mitmenschen können für Glücksgefühle sorgen. Wer anderen etwa ein Kompliment macht, aktiviert bei sich und dem Adressaten das Belohnungssystem im Gehirn.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern aus Heidelberg und Mannheim. Die Wissenschaftler beobachteten die Hirnaktivitäten von Paaren, die sich liebevolle Worte per Textnachricht schickten. Dabei flammten die Glückshormone Oxytocin und Dopamin in den Empathie- und Belohnungszentren der Teilnehmer auf. Überraschend stark wirkt der Effekt bei den Absendern der Komplimente.
Komplimente können überdies Stress abbauen, das Selbstbewusstsein steigern und die Kommunikation verbessern, sagt die Berliner Psychologin Judith Mangelsdorf.
Hunde versprechen mehr Glück als Katzen
Ob ein Haustier das Glück seines Besitzers vermehrt, ist dagegen fraglich. Die Wissenschaft finde zunehmend Hinweise, dass Tiere vielleicht gar nicht unbedingt zu Glück führen, sagt der Hamburger Versorgungsepidemiologe André Hajek.
Allerdings ist laut Hajek noch vieles unerforscht. Insgesamt würden Studien zeigen, dass Hunde ein bisschen glücklicher als Katzen machen, so der Experte. Eine mögliche Erklärung: Die Halter müssen mit ihren Vierbeinern vor die Tür – und beim Gassigehen kommen sie mitunter in Kontakt mit anderen Menschen.
Bei Katzen sei die Studienlage insgesamt „neutral bis zu leicht negativ“. Zu Schildkröten, Hamstern, Vögeln und anderen Haustieren gebe es zu wenige Daten.
Wer sein Geld für andere ausgibt, ist zufriedener
„Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein“, sagt der Volksmund. Und die Forschung bestätigt das: Materielle Sicherheit scheint eine der universellen Grundlagen für Glück zu sein.
Die Wissenschaft geht allerdings davon aus, dass das Wohlbefinden nur bis zu einem gewissen Vermögen steigt. Danach wird man nicht mehr glücklicher. Ob dafür – Richtgröße sind Gehälter in den USA – 75.000, 150.000 oder 300.000 Dollar nötig sind, ist in der Forschung umstritten.
Der US-Glücksforscher Matthew A. Killingsworth glaubt dagegen, mehr Geld könne doch glücklicher machen. Ein Milliardär wäre demnach zufriedener als ein Millionär. Das Glück der Reichen ist die Freiheit, alles machen zu können, so Killingsworths These. Finanzieller Überfluss führe zu Seelenfrieden. Der Forscher wertete unter anderem Informationen aus der Vermögensverwaltung von reichen Menschen aus.
Andere Untersuchungen legen nahe, dass es entscheidend ist, was wir mit Geld tun. Unser Wohlbefinden steigt demnach eher, wenn wir es für andere ausgeben, als für uns selbst. Das zeigen mehrere Experimente einer Forschergruppe der Harvard Universität.
Sport hebt die Stimmung
Glücksforscher haben noch weitere universelle Glücksbringer identifiziert. Sport ist einer davon. Der Körper schüttet Belohnungsbotenstoffe aus, wenn wir aktiv werden. Einen Sinn im Leben zu sehen, ist laut Wissenschaftlern ebenfalls wichtig für unser seelisches Wohlbefinden.
Die Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry sieht auch das Engagement als Quelle für Glücksmomente. „Wer sich im Leben für irgendetwas einsetzt, der ist dem Glück schon wesentlich näher“, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur.
Gene haben Einfluss auf das Glücksempfinden
Längst nicht auf alle Faktoren, die unser Glück mitbestimmen, haben wir einen Einfluss. Beispiel: Gene. Die Wissenschaft geht davon aus, dass unsere Erbanlagen einen wesentlichen Anteil an unserem Glücksempfinden haben. Wie groß dieser Anteil ist, ist noch nicht abschließend geklärt.
Laut einer Langzeitstudie der Harvard Universität von 2017 gehen etwa 50 Prozent der individuellen Lebenszufriedenheit auf genetische Anlagen zurück. Der Glücksforscher Tobias Esch schätzt den Anteil hingegen auf ein Drittel.
Junge Erwachsene sind am glücklichsten
Ein weiteres Beispiel ist das Alter. Eine Auswertung des Instituts für Demoskopie Allensbach für den „Glücksatlas“ zeigt, dass die Menschen in Deutschland im jungen Erwachsenenalter am glücklichsten sind. Mit Mitte 20 folgt demnach ein Einbruch, dann ein Zufriedenheitshoch in der Familiengründungsphase.
„Nach dem Tal in der Mid-Life-Crisis kommt mit dem Ruhestand der ‚zweite Frühling‘. Im hohen Alter sinkt die Lebenszufriedenheit deutlich – vor allem aufgrund der sich verschlechternden Gesundheit“, heißt es auf der „Glücksatlas“-Website.
Nordische Länder führen im Glücksranking
Wie glücklich Menschen sind, hängt maßgeblich auch von der Gesellschaft, Staat und Politik ab. Faktoren, auf die der Einzelne nur begrenzt Einfluss hat. Wie sich das Glück auf den Erdball verteilt, soll der "Weltglücksbericht" zeigen, der alljährlich rund um den Weltglückstag der Vereinten Nationen (20. März) von einem interdisziplinären Forscherteam der Universität Oxford veröffentlicht wird. Das Ranking basiert auf Befragungen.
Im Jahr 2026 landete Finnland laut dem Bericht zum neunten Mal in Folge auf Platz eins. Island, Dänemark und Schweden schafften es unter die Top fünf. Deutschland verbesserte sich leicht und erreichte Platz 17.
Onlinetext: Tobias Kurfer


















