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Frühkritik | Beitrag vom 05.11.2020

"Waiting for the Barbarians" mit Johnny Depp und Robert PattinsonFolter im Außenposten

Von Jörg Taszman

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Szene aus dem Film "Waiting for the Barbarians", in dem Johnny Depp einen erbarmungslosen Militär spielt. (Constantin Film (Universal Pictures))
In "Waiting for the Barbarians" spielt Johnny Depp einen erbarmungslosen Militär. (Constantin Film (Universal Pictures))

Ciro Guerras Verfilmung von J. M. Coetzees Roman "Warten auf die Barbaren" besticht mit einer erstklassigen Besetzung und opulenten Bildern. Dennoch überzeugt sie nur zum Teil: Die Kritik an Kolonialismus und Rassismus ist zu plakativ.

Worum geht es?

Es ist eine bildgewaltige Verfilmung des Romans "Warten auf die Barbaren" des südafrikanischen Nobelpreisträgers J. M. Coetzee. Es geht um ein fiktives, nordafrikanisches Land, das von einem nicht näher benannten "Empire" besetzt wurde und überall Außenposten gegen die sogenannten "Barbaren" errichtet hat.

In einem dieser Forts hat sich ein von Mark Rylance gespielter Magistrat komfortabel eingerichtet. Er ist kunstinteressiert, belesen, beherrscht sogar ein wenig die Sprache der "Barbaren" und regiert nach dem Laisser-faire-Prinzip. Bis eines Tages ein von Johnny Depp gespielter, brutaler Geheimpolizist als Aufpasser geschickt wird, der zudem mit Folter Geständnisse von gefangenen "Barbaren" erpresst, die einen Vernichtungsfeldzug legitimieren sollen.

Was ist das Besondere?

Der erste englischsprachige Film des kolumbianischen Regisseurs Ciro Guerra ("Der Schamane und die Schlange") arbeitet sich am Kolonialismus und Rassismus ab. Ein Thema, das bei Veröffentlichung des Romans 1980 nicht nur eine zeitlose Dimension besaß. Neben einer erstklassigen Besetzung – so sieht man neben Mark Rylance auch Johnny Depp und Robert Pattinson als gandenlose, gefühlskalte Militärs – besticht vor allem die Kameraführung durch Altmeister Chris Menges ("Killing Fields", "The Mission"). Seine opulenten Bilder erinnern an Wüstenepen wie "Lawrence von Arabien" oder "Himmel über der Wüste".

Ist der Film zu empfehlen?

Besonders im zweiten von vier Kapiteln – als sich der Magistrat einer von den Soldaten gefolterten, jungen Frau annimmt – gelingt es Mark Rylance, seiner Figur eine Tiefe und Empathie zu verleihen, die einen für den Film einnimmt. Dann passt die Sinnlichkeit der Bilder auch mit dem Erzählten überein. Mitunter ist der metaphorische Film, der sehr an Kafka und Beckett erinnert, jedoch eine überdeutliche Kritik am Kolonialismus und Rassismus, die gelegentlich irritiert.

"Waiting for the Barbarians"
Italien/USA 2019 
Regie: Ciro Guerra
Mit Johnny Depp, Robert Pattinson, Mark Rylance u. a.
DVD-Start bei Constantin Film (Universal Pictures)

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