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Buchkritik | Beitrag vom 01.04.2021

Vitomil Zupan: "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)"Der Soldat muss nichts vom Krieg begreifen

Von Jörg Plath

Das Buchcover "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)" von Vitomil Zupan ist vor einem grafischen Hintergrund zu sehen. (Deutschlandradio / Guggolz Verlag)
Unbegreiflich, dass Vitomil Zupan hierzulande kaum bekannt ist, findet Kritiker Jörg Plath. (Deutschlandradio / Guggolz Verlag)

Vitomil Zupans "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)" ist ein furioser, verzweifelt-abenteuerlicher Kriegsroman, der an Céline, Svevo oder Joyce denken lässt. Jetzt ist das Buch des slowenischen Autors in einer hervorragenden Übersetzung zu entdecken - endlich.

"Die Füße sind das Wichtigste am Soldaten", heißt es in Vitomil Zupans furiosem, verzweifelt-abenteuerlichem Roman "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)". Der Soldat muss nichts vom Krieg begreifen, er muss marschieren. 1943 verlässt Johann Bergant das von den Deutschen besetzte Ljubljana und schließt sich den Partisanen an. Die Kämpfe überlebt er mit knapper Not. Aber noch 1975, als der von ihm erzählte Roman erscheint, ist Bergant das Ende des Krieges "unzugänglich". Nur für das offizielle Gedenken im jugoslawischen Slowenien ist der Zweite Weltkrieg natürlich vorbei, dank der Partisanen Titos.

Zupan schickt einen so gebildeten wie erotomanen Gelegenheitsboxer und Literaturstudenten in den Krieg. Johann Bergant ist nicht national oder kommunistisch gesonnen. Er will mit all seinem Wissen das Morden um ihn herum verstehen und vergisst darüber die Frauen nicht.

Tinte aus Rost, Blut, Kaffee und Asche

Diese Mischung aus Bildung und Virilität sowie Krieg und Nachkrieg beschert dem Leser einige deftige erotische Szenen im Wechsel mit atemberaubenden Kampfhandlungen und weit ausgreifenden Reflektionen eines Existentialisten über die seit Auschwitz überall arbeitende "Todesindustrie". Vitomil Zupans "Menuett" ist ein großer moderner Kriegs- und Subjektroman, der an Céline, Svevo und Joyce denken lässt.

Unbegreiflich, dass Zupan (1914-1987) hierzulande noch immer unbekannt ist. Der Slowene war Seefahrer, Student der Literatur und des Bauingenieurswesens, Berufsboxer, Reisender, Gelegenheitsarbeiter und Partisan. 1948 klagte man den mittlerweile freien Schriftsteller in einem Schauprozess unter anderem der Dekadenz, des versuchten Mordes und staatsfeindlicher Aktivitäten an. Von 18 Jahren Gefängnisstrafe saß er sieben ab. Während dieser Zeit entstanden mit einer aus Rost vom Abortkübel, Blut, Kaffee und Asche fabrizierten Tinte mehr als 6000 Gedichte, dazu essayistische und dramatische Texte. Zupan schrieb immer, veröffentlichen konnte er in den Dreißigerjahren allerdings nur eine Handvoll Texte. Alle anderen Werke, neue und zahlreiche alte, erschienen erst nach 1960. Oft sind sie autobiografisch geprägt, befeuert von Zupans in jeder Hinsicht ausschweifendem Leben.

Frieden wird nicht geschlossen

"Menuett", 1975 erschienen, ist der mittlere Teil einer Trilogie über Krieg, Vor- und Nachkrieg, die als Höhepunkt von Zupans Schaffen gilt. Der Roman gleicht einer – glänzend von Erwin Köstler übersetzten – Suada aus Fragmenten, manchmal wechseln mitten im Absatz Zeit, Ort und Stil. In die zentrale Handlungsebene, Bergants Kämpfe, Märsche und Verführungen, sind eingeschoben: Vergleiche von Napoleons Scheitern vor Moskau mit Hitlers Ostfeldzug, Gedanken über Mussolinis Aussehen und Stalins Charakter, über Hašeks "Schwejk", Remarques "Im Westen nichts Neues" sowie einige Mythen.

In den 1970er-Jahren, während eines Urlaubs in Spanien, lernt Bergant einen Deutschen kennen, der in Jugoslawien gegen Partisanen gekämpft hat. Die ehemaligen Gegner sind sich in ihren Urteilen über den Krieg und den Menschen bemerkenswert einig. Vitomil Zupans Johann Bergant ist ein Zeitgenosse, der mit Krieg und Massenmord keinen Frieden zu schließen vermag.

Vitomil Zupan: "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)"
Aus dem Slowenischen und mit einem Nachwort von Erwin Köstler
Guggolz Verlag, Berlin 2021
598 Seiten, 28 Euro

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