Verschwörungsmythen im Internet

    Ältere und Männer sind besonders anfällig

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    Ein Mann im Anzug sitzt mit aufgeregtem Gesichtsausdruck an seinem Schreibtisch und tippt mit übertriebener Geste auf die Tastatur vor sich.
    In einem rechtsgerichteten, männlich dominierten Umfeld werden bestimmte Inhalte geteilt, auch um andere für sich zu gewinnen, sagt Cornelius Puschmann. © imago / fStop Images
    Cornelius Puschmann im Gespräch mit Ute Welty · 16.09.2021
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    Daten von Facebook zeigen: Männer und ältere Menschen teilen öfter Inhalte von rechtslastigen Medien als von seriösen Quellen. Der Kommunikationsexperte Cornelius Puschmann ist den Ursachen auf der Spur.
    Sogenannte alternative Medien verbreiten häufig Verschwörungserzählungen, verzerren Ereignisse massiv oder erfinden sie. Männliche und ältere User teilen vergleichsweise oft derartige Inhalte.
    Der Kommunikations- und Medienforscher Cornelius Puschmann erkennt das aus Daten von Facebook zur Nutzung von Informationsquellen: Danach klicken Männer jenseits der 50 "zum Teil drei Mal so stark auf die Alternativmedien als auf Mainstreammedien".
    Beim Teilen versuche man, andere zu überzeugen, erklärt Puschmann. Es handele sich also um Menschen, die "mutmaßlich politisch hochmotiviert" seien und andere für etwas begeistern wollten.
    Vor allem im rechtsextremen Umfeld würden Themen wie Islam oder Migration herangezogen, um andere für sich zu gewinnen: "Das ist etwas, was mit Männern auch deutlich stärker assoziiert wird als mit Frauen. Da gibt es einen klaren Genderunterschied."

    Mangelnde Medienkompetenz und große Skepsis

    Warum ältere Menschen Verschwörungsmythen häufiger teilen als jüngere, kann der Wissenschaftler nicht mit abschließender Sicherheit sagen. Eine mögliche Erklärung sei mangelnde Medienkompetenz, eine andere "erhöhte Skepsis gegenüber Mainstreammedien". Es könne auch in Verbindung stehen "mit einer besonderen Affinität für bestimmte Themen, die dann in diesen Alternativmedien stärker verhandelt werden."
    Dennoch sieht Puschmann auch eine positive Entwicklung: Bei der Kennzeichnung von Falschinformationen oder fragwürdigen Darstellungen in den sozialen Medien sei "schon viel erreicht" worden.
    Nutzer seien zudem kritischer geworden: "Ich glaube, dass wir alle dabei sind zu lernen, mit dieser Art von Informationsquelle – sozialen Medien – umzugehen."
    (bth)

    Cornelius Puschmann nimmt an der Wissenschaftskonferenz des Bundesamts für Verfassungsschutz teil, die sich am 16. und 17. September dem Thema "Extremismus und Sozialisation" widmet.

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