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Lesart | Beitrag vom 30.07.2020

Ute Woltron: "Hanf - Ein Portrait"Schillers Werke auf Cannabis

Moderation: Joachim Scholl

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Die grünen Blätter einer  jungen Cannabispflanze. (imago images / Cavan Images)
Blatt des Anstoßes: Cannabis ist für viele ein Segen, für andere Teufelszeug. (imago images / Cavan Images)

Die Autorin Ute Woltron litt an schwerster Migräne. Mit Cannabis hat sie die Schmerzen im Griff. Das brachte sie darauf, in einem Buch der Geschichte der Hanfnutzung nachzuspüren. Ihr Fazit: Es gebe kaum etwas Dümmeres, als Cannabis zu verteufeln.

"Kiffen hilft" – diesen Satz würde die österreichische Autorin Ute Woltron sofort unterschreiben. Cannabis hat ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, das Leben gerettet. Nach 25 Jahren schwerster Migräne und stärksten Medikamenten "war ich wirklich kurz davor, mir das Leben zu nehmen", erzählt Woltron. Dann wuchs in ihrem Garten unverhofft eine Hanfpflanze heran, parallel las sie etwas über die lindernde Wirkung von Cannabis bei schweren Krankheiten und bei Schmerzpatienten. Als ihr Arzt ihr empfahl, ihre Migräne mit Cannabis zu bekämpfen, begann sie, sich eingehender mit dem Gewächs zu beschäftigen, das die Menschheit spaltet: in Verächter, die seinen Konsum kriminalisieren, und Verehrer, die seine vielfältigen Wirkungen preisen.

Hanf für haltbares Papier

Woltron hat nun gemeinsam mit ihrer Kollegin Judith Schalansky ein Buch herausgebracht: "Hanf. Ein Portrait" nimmt die Leser auf einen Streifzug durch die Geschichte des Hanfanbaus mit. Ihr Buch fördert interessante Fakten zutage: Die Entdecker und Eroberer früherer Zeiten etwa durchpflügten die Meere mit Segelschiffen, deren mächtige Taue aus stabilen Hanffasern bestanden. Lange Zeit bildete Hanf auch die Grundlage für haltbares Papier. Klassiker wie Cervantes oder Schiller ließen ihre Werke auf Hanfpapier drucken. In späteren Jahrhunderten konsumierten Literaten Hanf ausgiebig als Droge.

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Für die Autorin selbst gehören ein Joint oder Haschplätzchen ab und an mittlerweile zum festen Repertoire ihrer Hausapotheke. Ihre Migränebeschwerden, sagt die Autorin, hätten sich deutlich gebessert, sie schlafe entspannter, ganz ohne heftige Medikamente – auf die kann sie mittlerweile verzichten.

Es gibt gefährlicheres Kraut im Garten

Von Warnungen, Cannabis sei eine Einstiegsdroge und deshalb gefährlich, hält sie wenig: "Das ist in vielen Studien widerlegt. Im Gegensatz zu Alkohol, der jedes Jahr Millionen von Toten fordert, ist Cannabis wirklich keine schwere Droge. Und wenn ich in meinen Garten blicke – da wachsen mindestens zehn Pflanzen, mit denen könnte ich mich innerhalb eines Tages umbringen."

Die österreichische Journalistin Ute Woltron, Mitherausgeberin des Buches "Hanf" (Verlag Matthes & Seitz) (Verlag Matthes & Seitz / Michael Duerr)Sagte ihrer Migräne mit Cannabis den Kampf an: Ute Woltron (Verlag Matthes & Seitz / Michael Duerr)

Cannabis gehöre eindeutig nicht dazu, betont Woltron. Den Hanfanbau zu verbieten, ist für sie deshalb schlicht "eine Idiotie".

(mkn)

Ute Woltron, Judith Schalansky (Hg.): "Hanf. Ein Portrait"
Matthes & Seitz, Berlin 2020
160 Seiten, 20 Euro

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