Urlaubslektüre
Wissen Sie schon, was Sie im Urlaub lesen wollen? Unsere Literaturredaktion steht Ihnen mit Tipps zur Seite. © picture alliance / dpa / Ulrich Perrey
Buchtipps für den Sommer

Schmökern im Urlaub: Das müssen nicht immer “Easy Reads” sein. Unsere Literaturexperten empfehlen vier Romane über nicht gelebte Lebensentwürfe, menschliche Abgründe, Geschichte und familiäre Zerwürfnisse.
In unseren Buchempfehlungen geht es um die Sehnsucht eines alten Mannes nach einem anderen Leben, einen Leichenfund während des Familienurlaubs, weltanschauliche Auseinandersetzungen vor dem Hintergrund der armenischen Geschichte und um die Bosnienkriege und eine Beerdigung mit eigensinnigen Familienmitgliedern.
Szczepan Twardoch: "Sehnsucht"
Worum geht’s? Erwin, mittlerweile 73 Jahre alt, war ein schlesischer Bergmann, der fast sein ganzes Leben unter der Erde verbracht hat. Nun erfüllt er sich seinen Lebenstraum. Er kauft sich ein Segelboot und segelt auf einem kleinen Stausee im Kreis. Er will so viele Seemeilen zurücklegen, wie er benötigen würde, um einmal die Welt zu umrunden.
Warum es sich zu lesen lohnt? Der Autor Szczepan Twardoch, der in Polen schon recht bekannt ist, setzt sich in seinem Roman mit der Möglichkeit eines anderen Lebens auseinander. In "Sehnsucht" imaginiert der Erzähler unterschiedliche Leben für den ehemaligen Bergmann: Er hätte zur See fahren, als deutscher Soldat in der einstigen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika dienen oder in einem autoritären Polen geboren werden können. Es ist ein Buch, das die Leserinnen und Leser auf eine weite Reise schickt, selbst wenn sie zuhause bleiben.
Szczepan Twardoch: "Sehnsucht"
Aus dem Polnischen von Olaf Kühl
Rowohlt Berlin 2026
224 Seiten, 24 Euro
Aus dem Polnischen von Olaf Kühl
Rowohlt Berlin 2026
224 Seiten, 24 Euro
Till Raether: "Meeresdunkel"
Worum geht’s? Eine deutsche Familie macht Urlaub auf Mallorca, doch ihre Finca ist doppelt vermietet worden - und nun wohnt auch noch ein zweites Paar mit Kind im Haus. Die Doppelbuchung ist kein Zufall: Zwischen beiden Familien gibt es eine Verbindung – und dann passiert ein Mord.
Warum es sich zu lesen lohnt? Der Psycho-Thriller "Meeresdunkel" ist wahnsinnig spannend erzählt - und Till Raether beschreibt genau und stellenweise sehr komisch, wie das Thema Urlaub die schlechtesten Seiten im Menschen hervorbringt.
Till Raether: „Meeresdunkel“
Rowohlt Polaris 2026
416 Seiten, 18 Euro
Rowohlt Polaris 2026
416 Seiten, 18 Euro
Mkrtitsch Armen: "Jerewan"
Worum geht’s? Das Buch erzählt von zwei Architekten, die in den 1920er-Jahren die armenische Hauptstadt Jerewan wieder aufbauen wollen. Doch ihre Vorlieben könnten nicht unterschiedlicher sein. Der eine will moderne Betonbauten im sowjetischen Stil erschaffen, der andere die armenische Kultur erhalten.
Warum es sich zu lesen lohnt? Im ersten Moment scheint das Buch eigenwillig geschrieben, es entwickelt dann aber einen unglaublichen filmischen Sog. Der 1972 verstorbene armenische Autor Mkrtitsch Armen beschreibt die Charaktere meisterhaft und legt eine wunderbare Ironie an den Tag. Zugleich gewährt er tiefe Einblicke in die armenische Kultur.
Mkrtitsch Armen: „Jerewan“
Aus dem Armenischen von Susanna Yeghoyan
Guggolz Berlin 2026
347 Seiten, 26 Euro
Aus dem Armenischen von Susanna Yeghoyan
Guggolz Berlin 2026
347 Seiten, 26 Euro
Slađana Nina Perković: "Tante Stanas Beerdigung"
Worum geht’s? Die namenlose Ich-Erzählerin um die 30 wird von ihrer Mutter zur Beerdigung ihrer Tante Stana aufs bosnische Land geschickt. Die Familie ist komplett zerstritten und eigentlich reist die Verwandtschaft nur wegen des Erbes an, obwohl es kaum etwas zu holen gibt.
Warum es sich zu lesen lohnt? Der Debütroman der französisch-bosnischen Autorin Slađana Nina Perković erzählt mit schwarzem Humor von der Perspektivlosigkeit einer jungen Frau, die sich jedoch nie ganz geschlagen gibt. Das Buch ist zugleich lustig und deprimierend und zeigt, welche Spuren die Bosnienkriege in der Gegenwart hinterlassen haben.
Slađana Nina Perković: „Tante Stanas Beerdigung“
Aus dem Bosnischen von Rebekka Zeinzinger
eta Verlag Berlin 2025
232 Seiten, 20 Euro
Aus dem Bosnischen von Rebekka Zeinzinger
eta Verlag Berlin 2025
232 Seiten, 20 Euro
Hörfunkautoren: Kolja Mensing; Stephanie von Oppen; Lara Sielman; Miriam Zeh / Online-Text: Kristina Reymann-Schneider















