Schriftsteller und Geld

Und was verdient man da so?

56:06 Minuten
Eine Schreibmaschine steht nachts auf einem Schreibtisch vor dem geöffneten Fenster.
Die wenigsten Schriftsteller können allein vom Schreiben leben. Viele gehen tagsüber einem sogenannten Brotjob nach. © Getty Images / iStockphoto / Trifonov_Evgeniy
Von Nadja Küchenmeister · 09.10.2022
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Kann man denn davon leben? Haben Sie auch einen richtigen Job? Wovon zahlen Sie die Miete? Wer Bücher schreibt, hört solche Fragen häufig. Tatsächlich können nur wenige vom Schreiben leben. Aber wovon leben sie dann?
Das Ansehen des Buches ist groß. Aber dass das Verfassen des Buches eine oft brotlose Kunst ist, wissen viele. Denn Schriftstellerinnen und Schriftsteller werden – manchmal etwas verschämt – Fragen gestellt, die Paketboten, Fahrerinnen von Lieferdiensten oder Friseure, die bekanntermaßen nicht üppig verdienen, nicht zu hören bekommen: Ja, kann man denn davon leben? Haben Sie auch einen richtigen Job? Sicher haben Sie keine Kinder?

Das Honorar ist nicht üppig

Tatsächlich können in Deutschland nur wenige Schriftstellerinnen und Schriftsteller vom Verkauf ihrer Bücher leben. Dass ein Verlag das Manuskript eines Romans oder von Erzählungen annimmt, lektoriert, drucken lässt und hoffentlich auch bewirbt, ist angesichts der vielen Menschen, die schreiben, zwar wunderbar (Selfpublishing funktioniert bisher nur in Nischen).
Nur ist das Honorar des Verlags ist in der Regel nicht üppig. Nach zwei, drei, manchmal noch mehr Jahren Arbeit am Manuskript liegt der vor dem Druck und Verkauf gezahlte Vorschuss des Verlags, wenn es ihn denn gibt, zwischen 5000 und 30.000 Euro. Eher selten sind es auch mal 50.000 Euro, jeweils vor Steuern.

Kinder? Wohlstand? Sorglosigkeit? Fehlanzeige

Diese Summe wird am Ende des (Halb-) Jahres verrechnet mit den Buchverkäufen, und wenn von einem Roman überaus ordentliche 6000 Exemplare verkauft sind, gibt es meist keinen einzigen Cent Nachzahlung. Denn von jedem verkauften Buch für 24 Euro erhält die Schöpferin ungefähr zwei Euro – macht 12.000 Euro. Wer einen Lebensstandard des beliebten Mittelstands erreichen möchte, denkt besser an andere, bereits bedruckte Papiere. Wer sich ein unbeschwertes Leben, eventuell sogar mit Kindern wünscht, sollte sich sofort anderen Tätigkeiten zuwenden.

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Dennoch wird viel geschrieben – hochmotiviert, mit vollem ökonomischem Risiko und einer Befriedigung, wie sie andere Beschäftigungen kaum spenden können. Über die Runden kommen Schriftstellerinnen und Schriftsteller ja doch irgendwie. Und zwar dank weiterer Einkunftsquellen: Im deutschen Sprachraum gibt es recht viele Stipendien und Preise zumindest für jüngere Talente und eine wachsende Zahl von Lesungen.

Das Gesicht zum Buch

Ähnlich wie bei Musikern, deren Erlöse aus Platten- und CD-Verkäufen in den letzen Jahren dramatisch eingebrochen sind, ist für Autorinnen und Autoren der Live-Auftritt extrem wichtig geworden. Das literarische Buch und das dazugehörige Gesicht ist ein unverzichtbarer Teil der Unterhaltungsbranche.
Lesungen werden nicht schlecht bezahlt, ihre Zahl ist aber abhängig vom Erfolg des Buches, und sie konzentrieren sich auf das erste Jahr nach dessen Erscheinen. Weil auch danach die Miete bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden muss, jede Genügsamkeit aber eine natürliche Grenze hat, üben wohl die meisten Schreibenden eine Nebenerwerbstätigkeit aus. Sie wird oft etwas abschätzig, aber durchaus zutreffend „Brotjob“ genannt.

Mäzenatische Beziehungen

Unter Autorinnen und Autoren findet man Lehrerinnen, Taxifahrer und Psychotherapeutinnen. Andere verdienen ihr Geld als Veranstalter, Übersetzerinnen und Literaturkritiker, manche bekleiden gar eine Professur für Literarisches Schreiben. Schon Gottfried Benn war ja Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Franz Kafka Angestellter einer großen Versicherungsanstalt.
Über weniger angesehene Tätigkeiten wird eher selten gesprochen. Auch über die reiche Partnerin oder den zumindest auskömmlich bezahlten Partner, die erfreulicherweise einem mäzenatischem Hang zur Literatur frönen.
(pla)
Das Manuskript zur Sendung können Sie hier herunterladen.

Es sprechen Eva Meckbach und Philipp Lind.
Ton: Martin Eichberg.
Regie: Beatrix Ackers.
Redaktion: Jörg Plath.
Eine Produktion von Deutschlandfunk Kultur 2022.

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