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Im Gespräch | Beitrag vom 26.01.2021

Umweltaktivistin Nora GriefahnEine müllfreie Welt ist keine Utopie

Moderation: Britta Bürger

Nora Griefahn posiert für ein Foto  (Sonja Müller)
Denkschule, Bildungseinrichtung und Designlabor unter einem Dach: Im Jahr 2012 gründete Nora Griefahn Cradle to Cradle. (Sonja Müller)

Autos ohne Emissionen, Gebäude ohne Sondermüll - dafür streitet Nora Griefahn. Wenn wir in natürlichen Kreisläufen denken, müssen wir nicht einmal auf viel verzichten, sagt die Gründerin der NGO "Cradle to Cradle".

"Cradle to Cradle bedeutet von der Wiege zur Wiege", erklärt Nora Griefahn. "Also, dass Dinge gerade nicht von der Wiege zur Bahre Müll werden, sondern dass sie in kontinuierlichen Kreisläufen gehen können. Und vor allem geht es darum, dass wir die Welt noch mal ganz anders sehen."

Sie denkt auch im Kleinen an die natürlichen Kreisläufe: Das Hemd, das Nora Griefahn trägt, hinterlässt keine Rückstände und die Windeln für ihre Kinder verwertet sie wieder.

An die Bauhaus-Idee angeknüpft

2012 gründete sie Cradle to Cradle - eine Denkschule, Bildungseinrichtung und ein Designlabor unter einem Dach in Berlin. 25 Mitarbeiter hat die NGO, der sie vorsteht, gut 800 Ehrenamtliche unterstützen die Nichtregierungsorgsanisation.

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Nora Griefahn knüpft an die Idee des Bauhauses an, von dem damals Impulse in viele Lebensbereiche ausgingen. Cradle to Cradle möchte die Kreislaufwirtschaft in allen Bereichen weiterentwickeln und so alles ganz anders machen, als es jetzt ist: nachhaltiger, ressourcenschonender.

"Wir haben das Bildungszentrum hier in Berlin gegründet", erzählt Nora Griefahn, "damit Leute da hinkommen können und lernen können, wie das gehen kann, damit man das sehen kann. Wir machen einmal im Jahr den großen Cradle to Cradle Kongress mit 1000 Teilnehmenden und machen Veranstaltungen, produzieren Bildungsmaterialien. Und das ist genau das, wo wir ganz stark mitwirken können."

Ein familiäres Netzwerk

Nora Griefahn, Jahrgang 1992, wuchs in Niedersachsen auf. Ihre Mutter Monika Griefahn gründete Greenpeace Deutschland mit und war früher SPD Umweltministerin in Niedersachsen.

"Natürlich habe ich als kleines Kind schon morgens um sechs mit meiner Mutter am Bahnhof gestanden und Wahlkampf gemacht, bevor wir in die Schule gefahren sind und habe aber auch spannende Veranstaltungen miterlebt", erinnert sie sich.

Ihr Vater ist der Chemiker Michael Braungart. Er hat schon früher die Idee von Cradle to Cradle konzipiert, die seine Tochter jetzt in ihrer NGO weiterentwickelt.

"Es liegt in unserer Familie, dass alle irgendwie Lust haben, was zu verändern und uns einzubringen", sagt die Aktivistin. "Und das macht jeder so ein bisschen auf seine Weise. Ich glaube, da sind wir auch alle sehr unterschiedlich, in dem, wie wir das tun. Aber was uns wirklich eint, ist, dass wir alle das Gefühl haben, man muss etwas tun, dass sich diese Dinge, die wir gerade alle nicht so gut finden, verändern."

Positiver Blick in die Zukunft

Auch wenn sie eine Neigung zu Musik hatte, studierte Nora Griefahn dann Umweltweltwissenschaften – eine gute Voraussetzung für ihre spätere NGO. Auch ihr älterer Bruder engagierte sich dort mit, bis zu seinem plötzlichen Tod 2013. Ein schwerer Schlag für die Familie.

Dass Nora Griefahn das Leben vorwiegend positiv betrachtet, hat ihr geholfen, den Verlust des Bruders zu verarbeiten.

Zwiespältig sieht sie die Bewegung Fridays for Future. Von Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg distanziert sie sich. Sie setze zwar die richtigen Themen auf die Agenda und habe viel angestoßen, aber die Fixierung auf reduzierte CO2-Werte sei zu einseitig. Und im Großen und Ganzen sei ihr das Menschenbild von Fridays for Future zu negativ. Denn Nora Griefahn glaubt, dass es eine positive Zukunft gibt.

(svs)

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