Regisseur Uli Edel

„In Deutschland muss man die Leute ins Kino schubsen“

32:51 Minuten
Porträt von Regisseur Uli Edel an einem Filmset. Er sitzt auf einem Stuhl und schaut auf einen Bildschirm. Er trägt eine schwarze Daunenjacke, eine grüne Mütze und einen Drei-Tage-Bart.
Mit der Miniserie „Der Palast“ hat sich Uli Edel wieder eines historischen Stoffes angenommen. Darin erzählt er eine deutsch-deutsche Geschichte kurz vor dem Mauerfall. © Constantin Television / ZDF / Krzysztof Wiktor
Moderation: Tim Wiese · 05.01.2022
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Uli Edels Filme haben Generationen geprägt und erzählen Geschichte, ob "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" oder "Der Baader Meinhof Komplex". Dass er in den USA meist positivere Kritiken als in Deutschland erntet, wundert den Regisseur nicht.
Sein erster Hollywoodfilm hätte gleich sein Letzter sein können, denn Uli Edels „Body of Evidence“ floppte. Dabei spielte Madonna die Hauptrolle. Aber beim Drehbuch, wie auch der Sängerin, die Anfang der 90er-Jahre auch als Schauspielerin Karriere machen wollte, habe er ein ungutes Gefühl gehabt, erzählt der Regisseur. Zumal der Superstar nur wenig Zeit für den Dreh mitbrachte, ihre nächste Tour stand an.
Madonna, erinnert sich Edel, „wollte alles nur einmal spielen“, das würde sie schließlich auf der Bühne auch nicht anders machen. „Es ging dann nicht so wahnsinnig gut aus.“ Dabei hätte Edel eigentlich einen anderen Film drehen sollen, doch den schnappte ihm Francis Ford Coppola weg, erzählt der deutsche Regisseur.

Einladung von Steven Spielberg

Ähnlich, aber deutlich erfolgreicher, verlief die Geschichte für Edel zwölf Jahre zuvor. Für „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ sollte er ursprünglich nicht der Regisseur sein. Am Ende wurde der Film über die drogensüchtige Christiane Felscherinow zu einem großen Erfolg und Edels bekanntestes Werk.
Selbst Steven Spielberg gratulierte. „Er hat mich zu sich eingeladen“, erzählt Edel. Das öffnete die Türen in Hollywood vielleicht ein wenig, vor allem aber habe es „dem eigenen Selbstbewusstsein geholfen“, sagt der 75-Jährige. Denn die ersten Jahre in Los Angeles waren für den Deutschen aus dem Schwarzwald keine einfache Zeit. Gewartet habe dort niemand auf ihn:
„Sie müssen sich vorstellen, in Hollywood, da gibt es den Verband der Regisseure, das sind 11.000 Mitglieder. Nun produziert Hollywood im Jahr vielleicht 400 Filme. Aber diese 11.000 Mitglieder, die wollen alle beschäftigt sein. Und da sehen sie, wie hart da der Konkurrenzkampf ist.“

Zwischen den USA und Berlin

Uli Edel, der mit einer Amerikanerin verheiratet ist und zwei Söhne hat, lebt seit 1989 in den USA. In den letzten Jahren zog es ihn immer wieder zurück nach Deutschland, nicht nur für Filmprojekte. Berlin ist ebenfalls eine Art Heimat geworden. Gerade die Jahre unter Trump seien für ihn schwierig gewesen, sagt er.
Immer wieder sind es auch historische und politische Stoffe, für die sich Edel interessiert. 2008 lief „Der Baader Meinhof Komplex“ in den Kinos. Über zwei Millionen Zuschauer wollten seinen Film über die RAF sehen. Die Produktion erhielt zudem eine Golden-Globe- und eine Oscar-Nominierung. Die Kritik, der Film sei zu „actionlastig“ und habe zu wenig die Motive der Terroristen beleuchtet, ärgert Edel noch immer: „Das ist eine sehr betuliche und feuilletonistische Kritik.“

Fehlende Kinokultur in Deutschland

Dass die Kritiken in den USA meist sehr viel positiver ausfallen als in Deutschland, hängt seiner Auffassung nach auch mit einer mangelnden Kinokultur hierzulande zusammen:
„Wir haben nicht wirklich eine Kinokultur. Es wird zwar immer behauptet, aber es existiert nicht. Hier in Deutschland muss man die Leute fast ins Kino schubsen. Daher hatte ich klar gesagt, den ‚Baader Meinhof Komplex‘ werde ich wie einen Genrefilm inszenieren, nämlich wie einen Actionfilm. Ich wollte, dass meine zwei Söhne, die damals gerade 22 und 23 waren, dass die zweieinhalb Stunden sitzen bleiben und erst mal zuhören.“
Jetzt hat Uli Edel sich wieder eines historischen Stoffes angenommen. Er hat einen TV-Mehrteiler über den Friedrichstadt-Palast gedreht. Das größte Revuetheater Europas befand sich bis 1989 in Ost-Berlin. Und so erzählt Edel in seiner Miniserie „Der Palast“ eine deutsch-deutsche Geschichte kurz vor dem Mauerfall.

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Wichtig sei ihm dabei vor allem auch eines gewesen, betont der Regisseur: „Dass der westliche Blick auf den Osten, der immer leicht arrogante, dass wir den auf jeden Fall vermeiden wollten.“
(ful)
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