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Literatur | Beitrag vom 19.04.2019

Über Krankheit, Schmerz und schöne WorteDarniederliegen

Von Katharina Döbler

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Eine Patientin liest auf dem Krankenbett (imago stock&people /  LisztxCollection )
Eine Patientin liest auf dem Krankenbett (imago stock&people / LisztxCollection )

Körperliche Krankheiten muten Betroffenen einschneidende und existenzielle Erfahrungen zu. Schon eine Zahnextraktion ist eine Grenzerfahrung. Dennoch ist Krankheit nur selten ein literarisches Thema.

"Da die Menschen unfähig waren, Tod, Elend, Unwissenheit zu überwinden, sind sie, um glücklich zu sein, übereingekommen, nicht daran zu denken", urteilte der französische Philosoph Blaise Pascal im 17. Jahrhundert.

Ähnlich verhält es sich mit dem literarischen Schreiben über das Kranksein - allerdings mit einer großen historischen Ausnahme: der Schwindsucht. Tuberkulose ist die metaphorische Krankheit des Schönen, befand einst Susan Sontag. Grippe dagegen ist zwar hochinteressant, aber fast unmöglich zu erzählen, stellte Virginia Woolf fest – und fand doch die schönsten Worte dafür. Aber auch die Krankheit eines Literaten ist nichts weiter als eben eine Krankheit, schrieb der todkranke Roberto Bolano.

Mit diesen drei grundsätzlichen Aussagen über Schmerzen und schöne Worte liest man die kranken Stellen der Weltliteratur anders als sonst: aus der horizontalen Perspektive der Darniederliegenden.

Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat

(Eine Wiederholung der Sendung vom 16.11.2008)

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