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Kompressor | Beitrag vom 30.09.2020

TikTok-Trend #ChavcheckKlassismus per Filter

Caren Miesenberger im Gespräch mit Gesa Ufer

Der britische Komiker Matt Lucas als Vicky Pollard. (dpa / Comedy Central)
Die Kunstfigur Vicky Pollard aus "Little Britain" verkörpert die Stereotypen eines "Chavs": Ungebildet, dick geschminkt und Jogginganzug. (dpa / Comedy Central)

Unter #Chavcheck amüsiert sich das Internet über Stereotype, die meistens mit Armut in Verbindung gebracht werden. Was nach harmlosem Spaß klingt, offenbart sich bei näherem Hinsehen als strukturell klassistisches Problem, sagt Caren Miesenberger.

Unter #Chavcheck machen sich Teenager auf Social-Media-Plattformen über "Chavs" lustig. Der verächtliche Begriff entspricht in etwa dem deutschen Schimpfwort "Proll", bei dem sofort stereotype Bilder mitschwingen. In Großbritannien ist das etwa das Bild einer armen, in der Regel weißen Person im Jogginganzug, die "Reebok Classics"-Turnschuhe trägt, schlechte Zähne hat und sich im öffentlichen Raum sehr laut verhält. Ein Paradebeispiel für eine "Chav" ist etwa die Figur Vicky Pollard aus der Fernsehserie "Little Britain".

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Ein neuer Hype um "Chav" hat sich jetzt auf der Videoplattform TikTok gebildet, erklärt Caren Miesenberger, Social-Media-Redakteurin bei Deutschlandfunk Kultur. "Dort sieht man Videos von jungen Frauen, die viel Make-up auftragen. Sie tragen Creolen, sie haben künstliche Fingernägel, rauchen Zigaretten und schreien im öffentlichen Raum rum. Ein Video ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Zwei junge Frauen mit genau diesem Look tun so, als ob sie Britinnen wären, und stellen unter dem Hashtag Chavcheck Fragen an US-Amerikanerinnen, wie 'what is a dentist and what do you do there?'"

Beim Blick auf das Profil der Nutzerinnen werde allerdings rasch klar, dass es sich bei ihnen nicht um Britinnen, sondern um US-Amerikanerinnen handelt.

Abwertung einer sozialen Schicht

Bei diesem Amüsement über bestimmte Stereotype sei "der Klassenaspekt ganz stark", sagt Miesenberger. "Es geht tatsächlich darum, dass Menschen aus bestimmten sozialen Schichten abgewertet werden."

Auf Instagram finden sich nun Filter für Fotos und Videoaufnahmen, die "Chav"-Stereotypen aufgreifen und etwa die Gesichter übertrieben geschminkt zeigen. Hier spiele "eine Portion Klassismus" mit rein, sagt Caren Miesenberger. "Ich glaube allerdings nicht, dass die Leute sich dessen bewusst sind."

"Irgendwie Spaß im Internet"

Bei dem Spiel mit Videofiltern und TikTok- oder Instagram-Challenges, bei denen man sich also vor der Kamera bestimmten Herausforderungen stellt, gehe es zunächst einmal um die Freude an der Sache: "Das sind Teenager, die irgendwie Spaß im Internet haben."

Dennoch sei die Produktion von guten Filtern und Videos sehr aufwendig und nehme viel Zeit in Anspruch. "Wer als Teenager solche Videos produzieren kann, muss wahrscheinlich keinem Nebenjob nachgehen. Auch deswegen ist das Phänomen zumindest strukturell klassistisch."

(nho)

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