Seit 18:05 Uhr Wortwechsel

Freitag, 15.11.2019
 
Seit 18:05 Uhr Wortwechsel

Breitband | Beitrag vom 07.09.2019

TechnostressWie wir Social-Media-Sucht bekämpfen können

Sven Laumer im Gespräch mit Tim Wiese und Jenny Genzmer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein junger Mann sitzt vor einem Laptop und rauft sich die Haare. (Unsplash / Tim Gouw)
Der Umgang mit Technostress kann in die völlig falsche Richtung laufen, hat eine Studie ergeben. (Unsplash / Tim Gouw)

Technologie kann Stress auslösen: Wie dieser Technostress und die Abhängigkeit von Instagram und Co. zusammenhängen, hat der Wirtschaftsinformatiker Sven Laumer erforscht: Sich auf Social Media von Social Media abzulenken, sei nicht ungefährlich.

Der Technostress, dem Menschen heutzutage ausgesetzt sind, wird immer größer: Das ist das Ergebnis einer Studie, an der auch Sven Laumer von der Universität Erlangen-Nürnberg beteiligt war. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit der individuellen Überlastung durch digitale Technologien.

"Technostress ist der Stress, den wir wahrnehmen oder empfinden, wenn wir Technologie nutzen", sagt der Wirtschaftsinformatiker im Deutschlandfunk Kultur. Dabei gehe es nicht nur um ein momentanes Stressempfinden, erklärt Sven Laumer weiter: "Sondern es kann sich auch über einen gewissen Zeitraum hin erstrecken. Wir verstehen unter Technostress sowohl die Dinge, die es auslöst, aber auch die Reaktionen der Menschen auf diesen Stress."

Vom Chat genervt, aber trotzdem weiter bei Facebook

In der Studie habe er mit anderen Wissenschaftlern den Stress erforscht, der entsteht, wenn User Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram nutzen. Man habe festgestellt, dass eine gewisse Gruppe von Personen zwar von der Nutzung genervt ist. Trotzdem würden diese Menschen die Plattformen nicht verlassen, sondern sie weiter nutzen: "Weil die Plattform ihnen auch direkt die Möglichkeit anbietet, sich von diesem Stress abzulenken."

Lügen sich Menschen, die vom Chat genervt sind und sich dann mit einem Facebook-Spiel ablenken, nicht selbst an? Das stimme auf eine gewisse Art natürlich, sagt Sven Laumer. Auf der anderen Seite sei diese Reaktion sehr menschlich, erklärt der Wirtschaftsinformatiker, das kenne man aus der Psychologie: "Es ist auch eine positive Reaktion, dass wir es dann direkt auch in dieser Plattform schaffen, mit diesem Stress umgehen zu können."

Positive Rückmeldungen mit verstärkendem Effekt

Dieses Verhalten ist aber nicht unproblematisch. Wenn User sich in Social Media von ihrem Social-Media-Stress ablenken, entstehen positive Rückmeldungen, erklärt Sven Laumer, "die wir dann auch als Ursachen für die Abhängigkeit von diesen Plattformen erkannt haben."

Weil diese positiven Rückmeldungen einen verstärkenden Effekt haben, nutze man Facebook und Instagram immer mehr - und könne so ein Suchtverhalten entwickeln. Sven Laumer rät: "Wir müssen irgendwie achtsamer werden." So könne man dem Risiko begegnen, "extrem in diese negativen Konsequenzen zu rutschen."

Dabei helfen eine gewisse Selbstkritik und Rückmeldungen von anderen, sagt Sven Laumer. Aus seinem eigenen Umfeld sei ihm in letzter Zeit zum Beispiel gespiegelt worden, sich abends zu viel mit seinem Smartphone zu beschäftigen – und er habe die Kritik annehmen können: "Ich habe dann entsprechende Schlussfolgerungen für mich gezogen." Er lasse es nun beim Nachhausekommen an der Garderobe liegen.

(hum)

Mehr zum Thema

Neue Krankheiten auf der WHO-Liste - Ein Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 20.05.2019)

Online-Junkies - Wenn das Internet zur Sucht wird
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 30.06.2018)

Psychologin über digitale Sucht - "Wir kommen uns selbst abhanden"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 10.05.2017)

Breitband

RuNetWarum Russland ein eigenes Internet will
Die verschattete Silhouette eines Mannes an einem Schreibtisch, im Hintergrund eine Milchglaswand mit Code zum Teil in kyrillischen Buchstaben. (Picture Alliance / TASS / Vladimir Gerdo)

Kritiker warnen vor stärkerer Überwachung russischer Nutzer, denn der Kreml plant, ein eigenes Netz aufzubauen. Die digitale Abschottung hat auch geopolitische Gründe: In der vernetzten Welt können sogar kleine Staaten einer Großmacht gefährlich werden.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur